Wenn selbst die Profis grüßen

Irene Lahmeyer lebt als ehrenamtliche Fahrerin des Bassumer Bürgerbusses ihren Traum

Ich und mein Bus: Irene Lahmeyer ist neue Fahrerin des Bassumer Bürgerbusses. Die Linie 181 nach Nordwohlde gefällt ihr besonders gut.
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Ich und mein Bus: Irene Lahmeyer ist neue Fahrerin des Bassumer Bürgerbusses. Die Linie 181 nach Nordwohlde gefällt ihr besonders gut.

Bassum – Jeder Mensch hat Träume. Manche möchten bestimmte Länder bereisen, andere wären gerne reich und berühmt. Beinahe beängstigend bodenständig wirkt dagegen der Traum der Bassumerin Irene Lahmeyer: Sie wollte schon immer Busfahrerin sein. Als neues Gesicht im ehrenamtlichen Team des Bassumer Bürgerbusses ist sie ihrem Traum seit Kurzem einen großen Schritt näher.

Glücklicherweise verbietet kein Schild im gemütlichen Bürgerbus das Gespräch mit dem Fahrer, in diesem Fall der Fahrerin. Und so erklärt die 54-Jährige auf der Route der Linie 183 nach Neubruchhausen, dass es nicht ihr einziger Traum, aber ein lange gehegter ist: „Schon als Kind wollte ich Busfahrerin sein“, gesteht sie. Doch statt auf Touren durch ganz Europa zog es die gebürtige Badenerin nach Bassum. Dort arbeitete sie 20 Jahre lang im Büro eines Logistik-Unternehmens, wo sie statt Fahrgästen Container bewegt.

Seit dem 3. September im Team

Seit dem 3. September sitzt sie als ehrenamtliche Fahrerin hinterm Steuer des Bürgerbusses – und ist an diesem Freitagvormittag in Eile: „Das liegt an der Baustelle Helldiek“, erklärt sie, „da sind wir immer etwas später.“ Mit einem prüfenden Blick auf ihren Fahrplan stellt sie fest: 16 Minuten zu spät, aber sie verspricht: „Das holen wir wieder rein.“

An Haltestellen, an denen niemand steht, fährt sie einfach vorbei, ihre zehnminütige Standzeit an der Alten Oberförsterei verkürzt sie. So ist die Fahrerin auf der Hälfte der Strecke wieder voll im geplanten Takt und kann es wieder entspannter angehen lassen.

Unterwegs grüßt sie Menschen, die ihr entgegenkommen. Kein Wunder, denn man kennt sich, schließlich lebt Irene Lahmeyer in Neubruchhausen. Ihr Engagement habe sich dort schnell herumgesprochen – obwohl sie, wie sie gut gelaunt berichtet, noch auf ihre Bürgerbus-Weste wartet. „Auch die anderen Fahrer wussten es geschwind“, sagt sie. Beim monatlichen Stammtisch im Culina habe sie viele ihrer neuen Kollegen kennengelernt.

Besondere Gemeinschaft

Diese Gemeinschaft schätze sie besonders: „Die sind alle ganz herzlich, ganz offen. Es gibt kein Konkurrenzdenken und keinen Druck“ – auch wenn man schnell sein müsse, um sich für die begehrten Schichten einzutragen. Dem Ansturm ihrer Kollegen sieht sie allerdings gelassen entgegen: „Ich fahre alle Schichten gerne.“ Ihre Lieblingstour sei die, die nach Neubruchhausen führt und die Tour nach Nordwohlde, denn: „Die ist einfach schön!“

Auch unter den Fahrgästen sei die Kunde einer neuen Fahrerin schnell herumgegangen und Irene Lahmeyer angesprochen worden. Die Leute seien „dankbar und haben immer einen Spruch auf den Lippen“, sagt sie, „und an meinem ersten Tag habe ich einen Muffin geschenkt bekommen“. Doch auch Nullrunden ohne Passagiere seien für Irene Lahmeyer kein Problem: „Dann mache ich einfach die Musik lauter und singe vor mich hin.“

Doch auf dieser Tour ist sie, auch ohne mitfahrenden Reporter, nicht alleine. Stammgast Rosie Dombrowski kommt gerade vom Einkaufen aus Bassum und möchte nach Albringhausen. „Dank des Bürgerbusses komme ich auch ohne Auto zurecht“, erklärt sie. Daher finde sie den Bürgerbus „total wichtig“ – und die Fahrerinnen und Fahrer „total klasse“. Zudem habe sie das Glück, dass sie von Irene Lahmeyer bis vor die Haustür gefahren wird. „Eigentlich ist da gar keine Haltestelle, aber man lässt mich hier auch nicht im Regen stehen“, so Dombrowski.

Dankbar: Rosie Dombrowski ist Bürgerbus-Stammgast und findet Irene Lahmeyer – wie alle Fahrerinnen und Fahrer – „total klasse“.

Mit dem konkreten Gedanken, für den Bürgerbus zu fahren, sei Irene Lahmeyer auf ihren Bekannten Thorsten Runge zugegangen. Der ist erster Vorsitzender des Bürgerbus-Vereins und von seiner neuen Fahrerin beeindruckt: „Es ist toll zu sehen, dass da jemand so einen Spaß dran hat.“ Nach dem ersten Vorstellungsgespräch habe es etwa sechs bis acht Wochen bis zu ihren ersten Fahrten gedauert. Noch nie habe jemand so schnell seine Fahrerlaubnis gehabt und hinter dem Steuer gesessen, erklärt Irene Lahmeyer stolz.

Quarkbällchen und nette Gespräche

Die Vorteile liegen für sie auf der Hand: „Es ist schön, dass man vielen Älteren damit hilft und dafür sorgt, dass immer genügend Ehrenamtliche da sind.“ Von den Fahrgästen gebe es schon mal ein Quarkbällchen als Anerkennung, und viele nette Gespräche, die Irene Lahmeyer nicht missen möchte: „Jeder hat etwas zu erzählen.“ Und noch eine Sache freue sie sehr: „Die richtigen Busfahrer grüßen einen, wenn man sich entgegenkommt.“

Schattenseiten gebe es, so die 54-Jährige, an ihrer Tätigkeit nur wenige: „Auf den Kopfsteinpflasterstraßen in Bassum, da scheppert es sehr laut,“ sagt Irene Lahmeyer lachend. Zudem sei es stets eine Umstellung, wenn man nach Schichtende wieder ins eigene Auto steigt: „Man sitzt hier drin wie ein König und muss danach in ein kleines Auto steigen.“ Aber wenn sie dann bald endlich ihre Bürgerbus-Weste hat, wird Irene Lahmeyer sich auch dann wie eine Königin fühlen können.

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