Interview: Derzeitige Preise sind laut Landwirt Henning Böse auf Dauer nicht tragbar

Volontärs-Tour: "Einzelhandel erpresst Molkereien"

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Henning Böse stand den Volontären Rede und Antwort (hier mit Ove Bornholt).

Bassum - Von Katharina Schmidt. Das Landvolk Mittelweser hat die Volontäre (also die Auszubildenden zum Redakteur) der Mediengruppe Kreiszeitung eingeladen, den Schweinehof von Ulrike und Gerd Wohlers in Bassum-Hallstedt und den Milchviehhof von Henning Böse in Bassum-Bramstedt zu besichtigen, um neutral zu informieren.

Aldi hat seine Preise für Milch, Käse und Butter wieder einmal gesenkt. Andere Discounter ziehen nach. Was viele Verbraucher freut, bereitet Landwirten Sorge. Henning Böse, Milchbauer aus Bassum-Bramstedt, spricht im Interview über den Einfluss von Erzeugern, Handel und Endverbrauchern auf den Milchpreis.

Wie viel Cent bekommen Sie pro Liter? 

Böse: 29 Cent.

Ist das genug?

Böse: Nein, das ist nicht genug. Man braucht schon um die 35 Cent, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Um auch ein bisschen Rücklagen für Investitionen zu bilden. 29 Cent sind auf Dauer nicht zu halten, das geht nicht.

Wie reagieren Sie auf das Milch-Überangebot und den daraus resultierenden niedrigen Preis?

Info:

Zu viel Milch, zu wenig Abnehmer: Eine Überproduktion aufgrund von schleppendem Absatz im Inland und fehlendem Export nach Russland und China drücken laut dem Deutschen Milchindustrie-Verband den Milchpreis. Ende 2014 erhielten Landwirte für einen Kilogramm Milch laut Schätzungen der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft 35,9 Cent. Zum Vergleich: Der höchste Preis in den vergangenen 15 Jahren lag bei 42,4 Cent (2007), der niedrigste bei 22,7 Cent (2009). ks

Böse: Man behält vielleicht nicht jede Kuh, die nur noch 20 Liter gibt. Aber ansonsten haben wir Landwirte wenig Einfluss. Dass sind keine Maschinen, die wir haben. Wir haben Kühe, die liefern heute Milch und morgen Milch. Ich kann nicht einfach sagen, ich produziere weniger. Und das macht uns so erpressbar. Auch gegenüber dem Einzelhandel, der uns, oder praktisch die Molkereien, erpresst.

Was halten Sie von Direktvermarktung, zum Beispiel durch Milchautomaten?

Böse: Die finde ich gut. Dass kann aber nicht jeder machen. Da bezahlen Verbraucher teilweise einen Euro pro Liter, weil so ein Automat wahnsinnig teuer ist. Das ist nicht jeder bereit zu zahlen. Es ist legitim, wenn jemand seine Milch billig im Einzelhandel kaufen kann. Aber er kann nicht erwarten, dass wir dann viele Betriebe in den Dörfern behalten.

Wie können Verbraucher zu fairen Preisen für Landwirte beitragen?

Böse: Der Verbraucher kann natürlich beim Fleisch sagen: "Ich geh zum Metzger vor Ort." Bei Milchprodukten ist es schon schwieriger. Da sind ihm fast die Hände gebunden. Es gibt zwar immer Betriebe, die den direkten Verkauf von Milchprodukten, zum Beispiel durch Hofläden, als Nische sehen. Aber die Möglichkeit hat nicht jeder. Da gibt es unter anderem strenge Auflagen.

Volontäre der Mediengruppe Kreiszeitung auf Bauernhof-Besuch

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