Eine Stimme für Tiere

Ein Hund braucht keinen Platz, sondern Bewegung

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Die Gründerinnen der Interessengemeinschaft Artgerechter Hundhalter: Andrea Nienstedt-Benker, Ute Rücker und Angela Cepeda-Fuentes mit Sennen-Mix Ronja.

Bramstedt - Von Vivian Krause. Stellen Sie sich vor, Sie sind acht bis zehn Stunden in einer Wohnung, ohne Gerüche, ohne Kontakt zur Außenwelt und ohne jegliche Ansprache! Und das auf Lebzeiten. Wäre das nicht ein grauenvolles Dasein?

So kann es aber Hunden ergehen, die sich, während Herrchen und Frauchen arbeiten alleine beschäftigen müssen. Der eine Napf mit Trockenfutter gefüllt, der andere mit Wasser, ein paar Spielzeuge bereit gelegt, und dabei völlig auf sich allein gestellt.

„Das werde ich nie verstehen“, so Andrea Nienstedt-Benker, Soziologin und Mitgründerin der Interessengemeinschaft artgerechter Hundehalter (IGAHH). „Ich bekomme schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich meinen zwei Stunden alleine lasse“.

Je nach Rasse seien die Ansprüche des Hundes völlig unterschiedlich. Einige bräuchten Kopfarbeit, andere mehr Bewegung. Jagd-, Trieb- oder Hütehunde sind noch einmal völlig anders zu behandeln.

Kleines Haus, kleiner Hund und großes Haus, großer Hund? Der Halter müsse keineswegs drei Hektar für den Vierbeiner bereithalten. „Man kann eine Dogge in einer 40 Quadratmeter Wohnung halten. Ein Hund braucht keinen Platz, er braucht Bewegung und Beschäftigung“, unterstreicht Biologin und Mitgründerin der Interessengemeinschaft Angela Cepeda-Fuentes.

Laut Tierschutzgesetz sollen Hunde mindestens eine Stunde am Tag Auslauf haben, „die Brut- und Setzzeit macht das unmöglich“, so Arbeitspädagogin Ute Rücker. Dennoch ist es möglich! Unter anderem dafür setzt sich die IGAHH ein.

Mit einem umzäunten Platz arbeitet die Gemeinschaft der Leinenpflicht entgegen. Dort können die Vierbeiner ausreichend Auslauf tanken und die Halter ihre Lieben „gesichert laufen lassen“, so Cepeda-Fuentes. Dienstags will die IGAHH außerdem Spielstunden in kleinen Gruppen anbieten.

Ein Sennen-Mix wie Dörthe braucht Arbeit für den Körper und den Kopf.

Die Interessengemeinschaft versteht sich laut den Gründerinnen als Zusammenschluss von Hundehaltern, die helfen wollen, den Hund so artgerecht wie möglich halten zu können. Artgerecht heißt: Freier Auslauf für die Hunde, nicht nur eine Auslastung durch Dog-Dancing, Flyball oder Agility, sondern vielmehr durch ausgiebige Spaziergänge mit Freilauf und dort eingebauten Übungen. Rücker nennt als Beispiel Baumstämme oder gestapelte Bäume, die in den Spaziergang eingebunden werden können. „Man muss die Beziehung zum Halter aufbauen. Und das geht am besten durch Spaß“, hält sie fest.

Der Hund muss „jede Hürde mit dir gehen, an dir kleben“, so definiert Cepeda-Fuentes die notwendige Vertrauensarbeit zwischen Halter und Tier. Dazu muss allerdings die Sprache, auch die Angst des Hundes gelesen werden können. „Das ist ein bisschen wie Kindererziehung“.

Monatlich sollen Seminare in Zusammenarbeit mit der Ländlichen Erwachsenenbildung angeboten werden, die Mitglieder vergünstigt besuchen können. In diesen gehe es insbesondere um die Kommunikation zwischen Hund und Mensch – schnuppern, bellen, knurren und zupacken, das mache alles nicht etwa einen bösen Hund, sondern deren Kommunikation untereinander aus, so Rücker. Auch dienten die Seminare zur Beratung, denn alles rund um Anschaffungs-, Haltungs-, Tierarzt- oder Futterkosten könne dort thematisiert werden.

Besonders würde sich die Interessengemeinschaft außerdem über Landinhaber freuen, die Ländereien als Freilaufflächen zur Verfügung stellen und somit den Hunden den benötigten Auslauf – auch in Zeiten der Leinenpflicht – bieten können.

Seit drei Jahren engagiert sich die IGAHH, möchte nicht nur informieren und beraten, sondern sich auch gegen falsche Umgangweisen, fehlendes Know-How und auch für eine Gegenleistung zur Hundesteuer einsetzen – und freut sich über neue Mitglieder. Informationen zur IGAHH, Seminaren oder zur Platzmiete bei Angela Cepeda-Fuentes unter Telefon 04242 / 160662 oder Mobil unter 0174 / 4520372 oder bei Andrea Nienstedt-Benker unter Telefon 04242 / 6098176. Informationen gibt es auch online unter

www.igahh.de

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