Schüler bauen Gemüse an

In der Grundschule Nordwohlde steht Ackern auf dem Stundenplan

Während die Mädchen Mangold, Bete und Kohlrabi pflanzen, säen die Jungs der vierten Klasse Schwarzwurzeln und setzen Zwiebeln.
+
Während die Mädchen Mangold, Bete und Kohlrabi pflanzen, säen die Jungs der vierten Klasse Schwarzwurzeln und setzen Zwiebeln.
  • Da coronabedingt keine AGs angeboten werden können, hat sich die Grundschule Nordwohlde dazu entschlossen, den Gemüseanbau in den Unterricht zu integrieren. Die Schüler der vierten Klasse machen begeistert mit.

Nordwohlde – Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und beim Mangold scheiden sich die Geister. So jedenfalls in der vierten Klasse der Grundschule Nordwohlde. Während Ronja über Mangold ins Schwärmen gerät, gesteht ihr Mitschüler Tjard: „Den habe ich gar nicht erst probiert.“ Was die beiden allerdings gemeinsam haben: Sie bauen mit Leidenschaft im Schulgarten Gemüse an. Auch Mangold.

Was für die beiden Viertklässler gilt, lässt sich über alle Kinder der Grundschule sagen. Sie alle sind mit Spaß und Enthusiasmus in ihrer „Ackerschule“, die gerade in die dritte Saison gestartet ist. Mit dabei sind alle fünf Klassen der Schule.

„Dieses Jahr ackert die ganze Schule“, berichtet Inga Hermann, Klassenlehrerin der vierten Klasse. Begonnen hatte die „Ackerschule“ 2019 als AG im Ganztagsangebot. Da nun aber coronabedingt keine AGs angeboten werden können, hat sich die Schule dazu entschlossen, den Gemüseanbau in den Unterricht zu integrieren. „Es gibt sogar einen Ackerstundenplan“, verrät Hermann. „Jede Woche hat eine Klasse Dienst, das heißt, sie ist dran mit Gießen, Unkrautjäten und allen Arbeiten, die anfallen.“

Miriam Bacher von der „Gemüse Ackerdemie“ leitet die Schüler an

Vergangene Woche stand die erste Pflanzung auf dem Stundenplan. Da wurde auf dem Schulacker hinter der Sporthalle fleißig gesät und gepflanzt. Angeleitet von Miriam Bacher von der „Gemüse Ackerdemie“ kamen die Gemüsesorten in die Erde, die einen leichten Nachtfrost vertragen können. Für die empfindlicheren Arten gibt es einen zweiten Pflanztermin im Mai.

„Wir müssen jetzt zuerst gießen. Dann kommen die Jungpflanzen in die Löcher“, erklärt Ronja das Prozedere. Die Viertklässlerin ist von Anfang an dabei und hat reichlich Erfahrung und sichtlich viel Spaß bei der Arbeit. Aber nicht nur Ronja, alle Kinder der vierten Klasse sind alte Hasen auf dem Gebiet „Gemüseanbau“. Sie haben von der „Gemüse Ackerdemie“ gelernt, dass man Pflanzen dazu erziehen kann, sich das Wasser von weit unten zu holen, damit man nicht oder kaum gießen muss. „Die Erträge der letzten Jahre haben gezeigt, dass das funktioniert“, erklärt Lehrerin Inga Hermann. „Wir hatten im ersten Jahr Berge von Gemüse.“

Die Jungs der Klasse säen unterdessen Schwarzwurzeln und setzten Zwiebeln. Sie haben gelernt, dass diese Pflanzen sich ideal ergänzen. Eine Bildtafel zeigt den Kindern jeweils, welche Pflanzen mit welchem Abstand gesät oder gepflanzt werden müssen. Ist eine Reihe fertig, so wird noch ein selbstgebasteltes Beetschild aufgestellt, damit man noch weiß, was wo steht.

„Auch die Dorfkinder können noch sehr viel lernen.“

Die Schilder haben die Kinder bereits ein paar Tage vorher in der Schule gebastelt. Ebenso die Flatterbänder aus Plastiktüten. Auf diese Vogelscheuchen sind die Zweitklässler besonders stolz. Zur Ackerschule gehört nicht nur das eigentliche Ackern. Sie ist ein ganzheitliches Projekt, das in alle Schulfächer greift. So wurden beispielsweise im Matheunterricht die Beete vermessen und deren Aufteilung vorbereitet. Besonders werde auch das soziale Miteinander gefördert, so Hermann. „Anfangs gab es Diskussionen um das Projekt“, erklärt die Lehrerin. „Manche meinten, dass Kinder, die auf dem Land leben doch wissen, wie eine Kartoffel aussieht. Wir haben aber festgestellt, dass auch die Dorfkinder noch sehr viel lernen können“, erklärt Inga Hermann. Die Grundschullehrerin ist vom Erfolg der Ackerschule überzeugt. „Die Kinder lernen wirklich viel dazu. Das ist Sachunterricht live. Alle reden von Digitalisierung – wir ackern.“

Toll findet die Lehrerin auch, dass das Projekt breit ins Dorf gestreut wird. So gebe es sogenannte Ackerbuddys, Ehrenamtliche aus dem Dorf, die sich in den Ferien um den Gemüsegarten kümmern. Auch vom Biolandhof Steding habe es Unterstützung gegeben.

Unterricht auf dem Feld. Die Jungen setzen Zwiebeln ein.

Und wenn es dann an das Ernten geht, ist die Freude nicht mehr zu bremsen. Brötchen mit Kresse, Kartoffelauflauf oder frischer Pflücksalat wurden in der Schulküche zubereitet. Wenn es der Pflücksalat denn bis in die Schule geschafft hat. Ebenso wie die Zuckererbsen wurde er nämlich gern direkt auf dem Feld vernascht.

Und wie war das jetzt mit dem Mangold? Ronja schwärmt: „Der war am besten. Sehr lecker mit Kartoffelbrei und Spiegelei. Man kann ihn wie Spinat zubereiten. Manchmal hat das zwar etwas geknirscht beim Kauen, weil sich in den Blattfurchen noch Erde versteckt hatte. Aber man ist so stolz, dass man das selbst gepflanzt und geerntet hat, dass einen das gar nicht gestört hat.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bob- und Rodelbahn am Königssee schwer beschädigt

Bob- und Rodelbahn am Königssee schwer beschädigt

Meistgelesene Artikel

Schärfere Corona-Regeln im Kreis Diepholz: Dies gilt ab Samstag

Schärfere Corona-Regeln im Kreis Diepholz: Dies gilt ab Samstag

Schärfere Corona-Regeln im Kreis Diepholz: Dies gilt ab Samstag
Syke im Dunklen: Spätabendlicher Stromausfall legt Teile der Stadt lahm

Syke im Dunklen: Spätabendlicher Stromausfall legt Teile der Stadt lahm

Syke im Dunklen: Spätabendlicher Stromausfall legt Teile der Stadt lahm
Gelbe Giftpflanzen auf dem Feld: Naturschützer testen geniale Lösung

Gelbe Giftpflanzen auf dem Feld: Naturschützer testen geniale Lösung

Gelbe Giftpflanzen auf dem Feld: Naturschützer testen geniale Lösung
Kim-Nadine Meyer und Jannik Klaahsen: Das Wohnmobil dauerhaft unterstellen

Kim-Nadine Meyer und Jannik Klaahsen: Das Wohnmobil dauerhaft unterstellen

Kim-Nadine Meyer und Jannik Klaahsen: Das Wohnmobil dauerhaft unterstellen

Kommentare