Klimaaktionsbündnis

Ein Paradies für Krabbler: In Bramstedt entsteht ein Insektenpark

Mann vor einem Sandhaufen und Feldsteinen
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Ganz schön schwer, diese Feldsteine.

Die AG Landnutzung des Klimaaktionsbündnisses Syke-Bassum baut in Bramstedt einen Insektenpark. Ziele sind, Lebensräume zu schaffen, aber auch die Menschen davon zu überzeugen, wie leicht es ist, etwas gegen das Insektensterben zu tun.

Bassum – Jens Diedrich aus Bramstedt weiß, was Insekten brauchen. Er ist soetwas wie ein Insektenflüsterer. Und er gibt sein Wissen gern weiter. Er möchte Menschen davon überzeugen, dass es ganz einfach ist, im eigenen Garten etwas für Insekten zu tun. Und er baut derzeit mit anderen Gleichgesinnten einen Ort, an dem sich die kleinen Krabbler wohlfühlen werden.

Wie bereits berichtet, plant die AG Landnutzung des Klimaaktionsbündnisses Syke, Bassum, Twistringen in Bramstedt einen Insektenpark. Auf dem etwa 2 600 Quadratmeter großen Gelände sollen unterschiedliche Lebensräume geschaffen werden. Besucher können sich dort Tipps und Anregungen für den eigenen Garten holen. Eigentlich sollte das Projekt bereits vergangenes Jahr starten. Doch wegen Corona hatte sich der Werdegang verzögert. Mittlerweile nimmt der Park allerdings Gestalt an.

Die Fläche liegt am Schulweg in Bramstedt hinter dem neuen Baugebiet. Die Stadt hat die Ausgleichsfläche zur Verfügung gestellt, nachdem Diedrich sein Projekt vorgestellt hatte. In Bauamtsleiter Martin Kreienhop hat er seit Jahren einen Unterstützer. Doch es fehlte bisher immer die Fläche. Dann kam das Baugebiet und mit diesem die Notwendigkeit, eine Ausgleichsfläche zu schaffen. Die Möglichkeit für Diedrich, seine Idee vom Insektenpark erneut ins Gespräch zu bringen. Er überzeugte.

„Der Standort ist ideal, unter anderem auch wegen der Nähe zur Grundschule“, sagt er. Schulleiter Tobias Baron habe seine Kooperationsbereitschaft signalisiert. „Wir streben hier kein grünes Klassenzimmer an. Aber ein Ausflug im Rahmen der Biostunde bietet sich wunderbar an“, guckt der Insektenfreund in die Zukunft. Wenn in ein paar Jahren alles fertig sei, soll es im Insektenpark auch Infotafeln geben. So könnte man den ganz Kleinen bereits beibringen, was sie tun können. Bei den größeren Nachbarn hat die AG auch schon etwas bewirkt. „Braucht ihr heute wieder Wasser?“, fragt ein Hausbesitzer, dessen Grundstück unmittelbar an den Park grenzt. „Nein danke, erstmal nicht“, ruft Diedrich und strahlt. Dann erzählt er, dass die meisten Nachbarn dem Projekt gegenüber sehr aufgeschlossen seien. „Viele haben sich Tipps geben lassen, wie sie ihre Gärten insektenfreundlich gestalten können, sich dort trotzdem noch wohlfühlen, ohne damit viel Arbeit zu haben. Es gibt so viele Möglichkeiten“, weiß Diedrich.

70 Prozent aller Insekten nisten im Sand

Es muss ja nicht immer ein großes Sandarium sein, so wie es an diesem Tag die Mitglieder der AG anlegen. Das könnten Kinder durchaus mit einer Sandkiste verwechseln und auch die vorbeistreunende Miezekatze bekundet Interesse am „Katzenklo“. Diedrich ist überzeugt: „Selbst wenn, die Insekten werden trotzdem kommen.“

70 Prozent aller Insekten nisten im Sand. „Deshalb haben wir hier auf einer 100 Quadratmeter großen Fläche Boden ausgehoben – mindestens 60 Zentimeter – und lehmhaltigen Sand eingebracht“, beschreibt der Bramstedter die Arbeitsschritte. Warum Lehm? „Weil sich damit die Abbruchkante besser realisieren lässt.“

Das Sandarium wird zudem mit Schutt, Feldsteinen und Totholz ausgestattet – ideale Bedingungen. So entstehen Lebensräume. „Und wenn Sie den Holzstamm senkrecht in die Erde stecken, sieht das Ganze doch sogar dekorativ aus“, sagt Diedrich. Wie gesagt, es müsse nicht die große Fläche sein, ein Maurerkübel mit ähnlichem Inhalt tut es auch.

Petra aus Weyhe hilft beim Anlegen der Blühflächen.

Während die Männer die Feldsteine zu einer Trockenmauer drapieren, pflanzen andere Mitglieder auf der gegenüberliegenden Seite Sträucher und Stauden. „Das Anlegen mehrjähriger Bühflächen ist die Königsdiziplin“, urteilt Diedrich. Die Pflanzen seien schwer zu ziehen, weil sie mehr Zeit brauchen als andere und sich so leicht verdrängen lassen. Sie benötigen als Lichtkeimer Feuchtigkeit und Wärme.

Ideengeber Jens Diedrich blickt auf die Fläche.

Von einjährigen Blühflächen hält Diedrich im Übrigens nur wenig. „Das sind Alibiprojekte nach dem Motto: Seht her, wir tun was.“ In Wirklichkeit hätten davon nur Honigbienen einen Nutzen. „Wenn Sie da einen Biologen durchschicken, wird der 90 Prozent Honigbienen ausmachen, vielleicht ein paar Hummeln, aber nur wenig Wildbienen. Wir wollen was für die gefährdeten Arten tun. Wildbienen brauchen alle 300 Meter ein Kleinbiotop.“ Deshalb sei es wichtig, Blühinseln zu schaffen.

Umso wichtiger, dass alle Gartenbesitzer für das Thema sensibilisiert werden. Die AG Landnutzung hat eine lange Liste mit insektenfreundlichen Pflanzen, die sie gern weitergibt. Auf Nachfrage hat Diedrich eine kleine Auswahl für unsere Leser getroffen (siehe Infokasten).

Infos

www.klima-aktions-buendnis.de

bassum-landnutzung@klima-aktions-buendnis.de

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