Wo bitte geht‘s zum Impfzentrum?

Viel Lob für die Organisation, aber auch lautstarke Kritik an der Parkplatz-Situation

Geschäftiges Treiben am Bassumer Impfzentrum.
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Geschäftiges Treiben am Bassumer Impfzentrum.

Vor rund eineinhalb Monaten wurde im Impfzentrum Bassum die erste Person gegen das Coronavirus geimpft. Mittlerweile dürfte in das weiße Zelt am Krankenhaus eine gewisse Routine eingekehrt sein. Eine Umfrage vor Ort zeigt: Viele sind zufrieden mit den Abläufen im Impfzentrum – doch an der Infrastruktur vor Ort gibt es auch lautstarke Kritik.

  • Das Impfzentrum Bassum hat vor Wochen den Betrieb aufgenommen. Für die Organisation dort gibt es viel Lob, Kritik gibt es aber an der Ausschilderung.
  • Parkplätze am Krankenhaus reichen nicht aus.
  • Hinweisschilder weisen zum Parkplatz Kirchstraße, doch das ist mit einem Fußweg verbunden.

Bassum – „Es ist eine Katastrophe“, sagt eine Frau, die gerade zufällig am Impfzentrum vorbeiläuft. Sie ist mittleren Alters und kommt aus Bassum. Ihren Namen will sie, wie viele der Angesprochenen, nicht in der Zeitung lesen. Von ihrem Eindruck berichtet die Pflegerin, die selbst vor einigen Wochen geimpft wurde, jedoch gerne. Täglich sehe sie ältere Menschen mit dem Auto durch die Stadt irren, berichtet sie. Das Problem in ihren Augen: eine schlechte Ausschilderung des Impfzentrums und zu wenig Parkplätze. Vor allem für Ältere sei der aktuelle Zustand eine Zumutung, findet sie.

Einen besonderen Leidensweg schildert Heiner Barjenbruch aus Wedehorn, der sich telefonisch meldet. Er war einer von jenen, die durch die Stadt gefahren sind auf der Suche nach einem Parkplatz. Neben ihm im Auto: seine 89-jährige Mutter und ihr 98-jähriger Lebenspartner.

Strapaze: Fußweg von 45 Minuten

Anfangs hätten sie die Impfzentrum-Schilder in die Kirchstraße geleitet, berichtet Barjenbruch. Dort seien allerdings alle Parkplätze belegt gewesen. Dann habe sie ein Pfeil in die Innenstadt geschickt. In der Nähe des Modehauses Maas hätten sie schließlich einen Parkplatz gefunden. Nicht weit von dort, zwischen Kirchstraße und Querstraße, ist auch der offiziell ausgewiesene Parkplatz für das Impfzentrum. Doch beides ist weit weg von der Klinik. Am Ende hätten sie inklusive Verschnaufpausen rund 45 Minuten zum Impfzentrum laufen müssen, so Barjenbruch. Beide Senioren seien nicht gut zu Fuß.

Doch dann seien die Strapazen im Impfzentrum weitergegangen. Eine Warteschlange habe sich vor dem weißen Zelt des Impfzentums bis zur Straße erstreckt, berichtet der Wedehorner. Eine Stunde hätten sie warten müssen, bis sie schließlich drangekommen seien. Dann: viel Papierkram, kein Tisch, kein Stuhl. Er habe die Zettel auf dem Boden ausfüllen müssen, während die beiden Senioren stehend hätten warten müssen.

„Das war gelinde gesagt eine Katastrophe“, greift Barjenbruch zu denselben Worten wie die Bassumer Pflegerin. Für ihn ist allerdings nicht die Stadt Bassum schuld, sondern der Landkreis, der alle Impflinge an diesen Ort geschickt habe. „Das ist eigentlich eine Frechheit“, ärgert er sich. Für ihn steht inzwischen fest: „Ich habe sämtliches Vertrauen in unseren Landkreis und die Bundesregierung verloren.“

„Drinnen ist alles echt super gelaufen“

Kritik an der Anfahrt übt auch eine 81-Jährige, die am Impfzentrum gerade wieder aus dem weißen Zelt kommt. „Schlecht ausgeschildert ist es“, sagt sie. Dafür hat sie im Impfzentrum selbst allerdings andere Erfahrungen gemacht als Barjenbruch. Drinnen sei alles echt super gelaufen, berichtet sie. Eine Aussage, die Viele an diesem Vormittag bestätigen. Nicht eine der vor Ort angesprochenen Personen bemängelt den Ablauf im Impfzentrum. „Alle waren sehr nett, sehr zuvorkommend“, berichten zwei ältere Damen. Mit der Anfahrt hatten sie keine Probleme, denn: Das Mehrgenerationenhaus Igel in Barnstorf habe sie direkt zum Impfzentrum gebracht.

Die beiden Damen sind dabei augenscheinlich nicht die einzigen, die sich haben bringen lassen. Aktuell werden im Impfzentrum noch vor allem ältere Menschen geimpft. Während in einigen Autos, die im Sekundentakt auf den Parkplatz rollen und wieder wegfahren, noch ältere Fahrerinnen und Fahrer hinter dem Steuer sitzen, lassen sich viele auch von ihren Kindern oder von Taxis bringen. Auf dem Parkplatz geht es zu wie auf einem Supermarktplatz vor Feiertagen.

Die meisten der Angesprochenen berichten, dass sie gerade ihre erste Spritze erhalten hätten. Doch immer wieder sind auch erfahrene Corona-Impflinge dabei. Wie etwa die 83-jährige Ingrid Heitmann aus Sulingen. Sie hat sich von ihrer Tochter bringen lassen und erzählt, dass sie genau wie ihr 91-jähriger Mann jetzt durch sei mit den Impfungen. Probleme habe es dabei weder im Impfzentrum noch bei der Anfahrt mit dem Auto gegeben.

Der einzige aktuell ausgeschilderte Parkplatz für das Impfzentrum an der Kirchstraße.

Auch Klaus und Hannelore Dannemann aus Stuhr, 83 und 82 Jahre alt, berichten nur Gutes. Sie sind selbst mit dem Auto hergefahren und hatten auch bei ihrer Zweitimpfung weder drinnen noch draußen Schwierigkeiten.

Schließlich spaziert eine weitere Fußgängerin am Impfzentrum vorbei. Die 85 Jahre alte Bassumerin stoppt und beginnt gleich zu erzählen. Sie habe schon ihre Erstimpfung erhalten und am 30. März sei ihr nächster Termin, berichtet sie in munterem Ton. Auch wenn sie noch gut zu Fuß sei, habe sie sich von ihrer Nachbarin damals bringen lassen. Als sie an ihre Impfung zurückdenkt, muss sie lachen. Es seien so viele Stationen und so viel Papierkram gewesen, dabei habe die Impfung selbst nur sechs Sekunden gedauert.

Besonders positiv erinnert sie sich aber an die 15-minütige Wartephase nach der Impfung zurück. Da habe es Kaffee und Kekse gegeben. Sie habe nicht Nein gesagt, erzählt sie und grinst. Die Impfung selbst habe sie gut vertragen. Am nächsten Tag sei lediglich ein kleiner Schmerz an der Einstichstelle gewesen.

Das sagt der Landkreis

Beim Bürgertelefon und bei den Kliniken habe es keine gehäuften Beschwerden zur Parkplatz-Situation am Impfzentrum gegeben. Das erklärt Kreissprecherin Mareike Rein auf Nachfrage der Kreiszeitung. Insgesamt seien ausreichend Parkplätze ausgewiesen worden. So sei bereits früh klar gewesen, dass die Parkmöglichkeiten direkt am Krankenhaus nicht ausreichen. Daher gebe es neben einem Parkplatz zwischen Kirchstraße und Querstraße außerdem eine Parkmöglichkeit am Naturbad. Von dort aus sei man nach gut fünf Minuten Fußweg am Impfzentrum, so Rein. Für Menschen, die nicht mehr so mobil sind, sei es jedoch womöglich besser, sich direkt an der Klinik absetzen zu lassen, erklärt Mareike Rein.

Eine Besichtigung der Parkplätze durch die Kreiszeitung hat derweil ergeben, dass der Parkplatz am Naturbad nicht für Besucher des Impfzentrums ausgeschildert ist. Der Landkreis zeigt sich auf Nachfrage verwundert und will die Angelegenheit prüfen.

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