Arbeit hat immer Spaß gemacht

Heidrun und Ralf Brinkmann geben Partyservice aus Zeitgründen auf

Für Heidrun und Ralf Brinkmann war das Essen für die BIB in Syke ein Höhepunkt.

Bassum - Lebensmittel einkaufen – etwa drei Stunden. Kochen – bis zu 14 Stunden. Dann das Essen ausliefern. Am nächsten Tag das Geschirr wieder abholen und abwaschen. Bei einer Veranstaltung mit 400 Gästen kann das schon mal bis zu sechs Stunden dauern. Erholung in der Woche? Pustekuchen! Da wartet dann der Hauptberuf.

So haben in den vergangenen 30 Jahren die meisten Wochenenden und auch Feiertage von Heidrun und Ralf Brinkmann ausgesehen. Was für ein Stress, denkt der Außenstehende. Heidrun Brinkmann hingegen lacht: „Wenn man etwas tut, was einem Spaß macht, dann sieht man es nicht als Belastung.“ Und ihr Partyservice hat ihr Spaß gemacht. Das tut er noch immer. Er ist „ihr Kind“. Doch Ende dieses Jahres ist Schluss.

Am 28. Dezember sorgt Heidruns Partyservice ein letztes Mal dafür, dass die Gäste einer Feier nicht hungern müssen. „Wir hören auf“, erklärt die Köchin aus Leidenschaft und spricht damit auch für ihren Mann und ihre Schwägerin Klaudia, die all die Jahre treu an ihrer Seite standen und den Service erst möglich machten.

Der Grund, warum sie „ihr Kind“ gehen lässt, ist ein anderes Kind – genauer gesagt, ihr Enkelkind. „Wir möchten viel Zeit mit der Kleinen verbringen“, erklärt Brinkmann.

Auch vielen Kunden hat sie die Entscheidung bereits mitgeteilt. „Kaum einer versteht das. Sie sagen: ,Aber es läuft doch gut bei euch’. Das tut es auch. Aber wir wollen nicht erst aufhören, wenn wir körperlich kaputt sind, sondern mit einem guten Gefühl.“ Andere meinen, Brinkmanns könnten ja trotzdem nochmal für die eine oder andere Feier nächstes Jahr eine Kleinigkeit liefern. „Nein!“, sagt Brinkmann bestimmt. „So lange wir Kapazitäten haben, nehmen Bestellungen für dieses Jahr an. Ausnahme sind Weihnachten und Silvester. Aber nach dem 31. Dezember verkaufen wir unsere Geräte und ziehen in ein neues Haus, ohne große Küche, weil für uns ein neuer Lebensabschnitt beginnt.“

Vor etwa 30 Jahren fragte eine Bekannte Brinkmann, ob sie nicht einen guten Partyservice kennen würde. Diese wollte eine Feier mit 30 Leuten veranstalten. Damit war die Idee für den eigenen Service geboren. Und die Feier der Bekannten wurde die Feuertaufe. „Das war eine Herausforderung. Allein die Frage, wie viele Lebensmittel man braucht, um für so viele Leute Kartoffelsalat zu machen. Heute ist das alles Routine, und man kann auch viel im Internet recherchieren.“

Bei ihrem ersten Auftrag sei sie „schweißgebadet“ gewesen, ob alles klappen würde. Aber es klappte. Und die Reaktionen waren sehr positiv. „Da sagte meine Schwägerin zu mir: ,Ich glaube, das machen wir weiter.’“

Das tolle Feedback ihrer Kunden, von denen einige auch zu Freunden wurden, hat das Trio über all die Jahre motiviert. „Das ist immer wie in Schokolade beißen“, vergleicht Heidrun Brinkmann und lacht. Es sei spannend gewesen, so viele verschiedene Menschen kennenzulernen. „Jeder hat andere Vorstellungen und Ansprüche.“

Eine Kundin habe zu ihrem Geburtstag beispielsweise das Motto „Halloween“ gehabt. Alle Speisen mussten also gruselig sein. So kreierte Brinkmann, die unter der Woche als Köchin im Kindergarten Kinderreich arbeitet, aus Würstchen und Mandeln „Finger“ oder aus Eierlikör „Eiter“. Ein anderer Kunde wünschte sich ein veganes Büfett für 80 Leute, kalt und warm. „Ich habe vorher bis zu 30 Bücher gewälzt“, erinnert sich Brinkmann. Aber die Mühe haben sich gelohnt. „Die waren ganz perplex, dass man sowas auf dem Land bekommen kann“, freut sich Brinkmann.

Überhaupt haben sich die Essgewohnheiten sehr verändert. „Vor 30 Jahren war der Standard Suppe, Fleisch, Nachtisch. Heute wird viel Fingerfood gewünscht, Allergien sowie vegane und vegetarische Essgewohnheiten müssen berücksichtigt werden.“

Geliefert hat der Partyservice von Wagenfeld bis Bremen. Ein Job, bei dem man unter Druck steht und der Blick immer an der Uhr klebt. Doch der Spaß sei nie verloren gegangen. Schlimm sei nur das Schleppen des Geschirrs gewesen. „Wir haben gelacht, gezankt und uns wieder vertragen“, fasst Brinkmann zusammen. Ein Höhepunkt für sie und ihren Mann war die Berufs-Informations-Börse (BIB) in Syke, auf der sie 350 Leute verköstigen mussten. Ein Büfett von 25 Metern. „Da hatte ich beim ersten Mal ganz schön die Hosen voll.“ Doch die Leute waren begeistert „sogar die aus dem Gastronomie-Bereich“.

Brinkmanns verabschieden sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir danken all unseren Kunden für ihre Treue, ihre Ideen, dass sie offen für unsere Vorschläge waren und ihr Vertrauen“, sagt das Ehepaar.

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