Bassumer an deutschen Stränden

Im Ernstfall ist bei DLRG-Rettern das Coronavirus vergessen

Die ehrenamtlichen Helfer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft haben Wasser und Strand stets im Blick.
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Die ehrenamtlichen Helfer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft haben Wasser und Strand stets im Blick.

Bassum – Auf der Insel Rügen genießen zahlreiche Urlauber das gute Wetter. Die Mitglieder der DLRG aus Bassum haben Strand und Meer im Blick, um im Notfall schnell eingreifen und helfen zu können. Die Stimmung ist gut, trotz Corona. Die Leute verhalten sich vernünftig und rücksichtsvoll. Wenn sie zu den ehrenamtlichen Helfern kommen, weil sie eine Frage haben oder Hilfe benötigen, setzen sie die Schutzmaske auf.

Es sind viele Deutsche darunter, die zum ersten Mal die Ostsee-Insel besuchen – was man an ihren Fragen merkt, wie Wachleiter Frank Voßmerbäumer mit einem Schmunzeln feststellt. Fragen zu Corona stellt hingegen niemand.

DLRG kämpft um Menschenleben

Da passiert es: Ein 67-Jähriger treibt bewusstlos im Wasser. Die Retter laufen los, um ihn rauszuholen und zu reanimieren. „In diesem Moment denkst du nicht mehr an das Virus und Abstand halten“, sagt Voßmerbäumer, der seit 35 Jahren den Wachdienst versieht. „Hier geht es um ein Menschenleben.“ 25 Minuten dauert der Kampf um das Leben des Mannes, der schließlich gerettet werden kann. Er wird ins Krankenhaus gebracht. Als die Retter den Einsatzort verlassen, erheben sich auf einmal sämtliche Gäste aus ihren Strandkörben und applaudieren ihnen. „Da kriegt man Gänsehaut“, erinnert sich Voßmerbäumer. „Überhaupt haben wir in dieser Saison viel mehr Dankbarkeit von den Leuten entgegengebracht bekommen, schon für Kleinigkeiten.“ Das freut die ehrenamtlichen Helfer natürlich, die insgesamt mehr als 2 500 Stunden ihrer Freizeit in diesem Jahr an den Stränden verbracht haben und noch verbringen werden, um im Notfall ihren Mitmenschen helfen zu können.

Und ihre Hilfe wird gebraucht. „Zwei Tage nach dem Vorfall mit dem 67-Jährigen mussten wir einen Jungen mit Atemnot aus dem Wasser holen. Und auf Amrum sind innerhalb von 24 Stunden zwei Menschen gestorben“, so Voßmerbäumer.

DLRG hat kein Patentrezept gegen Verarbeitung schlimmer Ereignisse

Was tun die Mitglieder der DLRG, um solche schrecklichen Vorfälle zu verarbeiten? „Der Fall wird in der Gruppe besprochen. Es ist wichtig, die Betroffenen zu beobachten und immer wieder ein Gespräch anzubieten. Wenn sie sich zu sehr verändern, werden sie ausgetauscht. Das mussten wir in diesem Jahr noch nicht tun. Manchmal dauert es aber auch Wochen, bis die Nachwirkungen zum Tragen kommen. So rief mich einmal ein Mitglied an und erzählte mir, dass es nicht mehr schlafen könne, immer wieder im Kopf den Vorfall durchspiele und sich frage: Habe ich alles richtig gemacht?“, berichtet Voßmerbäumer. Am Ende gebe es kein Patentrezept, jeder gehe anders damit um.

Doch selbst, wenn ein Einsatz gut ausgeht: Sitzt die Angst den Helfern nicht im Nacken und fragen sie sich hinterher nicht: „Habe ich mich heute bei der Rettung womöglich infiziert?“ Voßmerbäumer schüttelt den Kopf. Corona habe die Arbeit der DLRG kaum beeinträchtigt. „Wir sind ja an der frischen Luft und bei der Wiederbelebung wird meist der Beatmungsbeutel oder der Defibrillator eingesetzt.“ Doch Voßmerbäumer gibt auch zu: „Ich bin noch nie mit so viel Unwohlsein zum Dienst gefahren.“

Wie lässt sich Jugendarbeit beim DLRG in dieser Zeit umsetzen?

Am Ende hat das Virus jedoch hauptsächlich das Miteinander unter den Helfern beeinträchtigt. „Zum Glück hatte Niedersachsen nicht so strenge Regeln und die Unterkünfte waren großzügig. Trotzdem haben wir darauf achten müssen, Abstand zu halten und das Zusammensein abends, zum Beispiel bei einem Grillen, fiel schwer.“ Die DLRG hatte sich im Vorfeld viele Gedanken über ein Hygienekonzept machen müssen und Vorsorge getroffen. „Wäre eine Infektion bei einem Mitglied nachgewiesen worden, hätten die Eltern ihre Kinder selbst abholen müssen“, so Voßmerbäumer.

Noch bis Ende Oktober dauert die Saison für die Lebensretter und Voßmerbäumer hofft, dass es in der kommenden in 2021 besser wird und das Virus dann keine so große Rolle mehr spielt.

Die Jugendarbeit der DLRG läuft auch langsam wieder an. „Es ist vieles möglich, aber wir müssen uns immer fragen, wie wir es umsetzen“, sagt Marc Blüml. Dazu zählen vor allem Aktivitäten an der frischen Luft, bei dem Abstand gehalten werden kann, wie Fahrradtouren.

Rettungstechniken zu trainieren ist während Corona schwierig

Diese sorgsamen Vorbereitungen bedeuten natürlich mehr Arbeit für die Verantwortlichen – und auch mehr Kosten, zum Beispiel für Desinfektionsmittel. „Das Virus beschäftigt die Kinder, die zwischen sechs und 14 Jahren alt sind“, so Blüml. „Aber sie halten sich an die Vorgaben.“

Rettungstechniken zu trainieren sei schwierig, da Körperkontakt vermieden wird. Oft kommen Puppen zum Einsatz. Die Gruppen sind stark verkleinert worden. Dennoch ist die DLRG offen für Zuwachs. „Wir freuen uns über neue Mitglieder ab 14 Jahren, die Lust haben, aktiven Dienst zu leisten und sich einzubringen“, so Blüml.

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