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Er läuft und läuft und läuft: Michael Neumann

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Michael Neumann hat sich schon einige Auszeichnungen erlaufen. Neu hinzugekommen ist kürzlich die 20 Zentimeter große Medaille für die Ultra-Challenge 2021.
Michael Neumann hat sich schon einige Auszeichnungen erlaufen. Neu hinzugekommen ist kürzlich die 20 Zentimeter große Medaille für die Ultra-Challenge 2021. © Seebacher

Michael Neumann aus Dimhausen ist im vergangenen Jahr 2634,7 Kilometer gejoggt. Mit kurzen Strecken hat alles angefangen.

Bassum – „Ich laufe schon mein ganzes Leben lang“, sagt Michael Neumann. Klingt logisch, doch der 58-Jährige beantwortet damit die Frage, wann seine Leidenschaft für das Joggen angefangen hat. Im vergangenen Jahr ist er insgesamt 2634,7 Kilometer gejoggt und hat für seine Disziplin und Laufleistung die sogenannte Ultra-Challenge-Medaille erhalten.

Bereits während seines Wehrdienstes habe er häufig die Laufschuhe geschnürt. Intensiv betreibt er sein sportliches Hobby, seitdem er in Dimhausen wohnt. „Seit zehn Jahren laufe ich jeden Tag zehn Kilometer“, sagt Neumann. Dabei sei seine Laufleistung nicht immer gleich gut gewesen. „Es fing langsam an“, erinnert er sich. Das heißt, dass er anfangs fünf Kilometer je Einheit lief.

„Ich öffne die Haustür und kann direkt loslaufen“

„Ich öffne die Haustür und kann direkt loslaufen“, schwärmt der 58-Jährige, der inzwischen jeden Feldweg und Ast in Dimhausen zu kennen glaubt.

Er genieße es, im Wald zu stehen und die Natur um sich zu haben. „Dafür brauche ich nicht erst ins Auto steigen und irgendwohin fahren.“ So lange es seine Knochen erlauben, will Neumann seine tägliche Laufroutine aufrecht erhalten.

Weitere Sportarten betreibt er heute nicht mehr. „Früher habe ich Fußball gespielt. Heute bekomme ich mein Krafttraining im Garten“, so Neumann schmunzelnd. Doch auch wenn er mehrere Stunden Beete und Rasen bearbeitet hat, muss der naturverbundene Hobbysportler noch laufen. „Ich bin einfach nicht der Typ, der tagsüber die Füße hochlegt.“

Seine Lieblingsstrecke führt ihn von seinem Haus in Richtung Windräder und zur Harpstedter Straße, verrät Neumann.

Ein weiterer Vorteil der Wege in Dimhausen ist ihm zufolge die Tatsache, dass sich die Strecken individuell anpassen lassen. „Wenn das Wetter umschlägt, kann ich jederzeit über einen Feldweg abkürzen“, erläutert Neumann. Als kürzlich der Sturm einige Wege für den Läufer unpassierbar gemacht hatte, entschied er sich für spontane Streckenänderungen. Denn das Wetter selbst ist für Neumann in der Regel kein Grund, die Laufschuhe auszulassen. „Ich bin schon bei Temperaturen von minus zehn bis plus 30 Grad Celsius gelaufen“, erklärt er.

Nur im Urlaub bleiben die Laufschuhe zuhause

Eine „absolute Ausnahme“ sei vor einigen Jahren eine Erkrankung gewesen. Ansonsten gilt: Nur wenn es in den Urlaub geht, bleiben die Laufschuhe zu Hause.

Da ist es kaum verwunderlich, dass er mehrere Paar im Jahr benötigt. Neben den Schuhen liegen auch dem Wetter angepasste Kleidung sowie der Trinkwasserrucksack jederzeit bereit. Bei abendlichen Runden kommen eine Lampe sowie Warnweste hinzu.

Ein Muss für Neumann ist Musik: „Am liebsten etwas Rockiges. Je besser die Musik, desto besser der Lauf.“ Zu seiner Durchschnittsgeschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde sagt Neumann: „Es ginge sicherlich schneller, aber mein Ziel ist es, den Lauf komplett durchzuhalten.“ Denn Intervalle seien zwar für Einsteiger in Ordnung, „aber irgendwann muss man die komplette Strecke am Stück schaffen“.

Michael Neumann hat im vergangenen Jahr 25 Mal die Halbmarathonstrecke von 21 Kilometern absolviert, meistens in Bremen. Aber auch große Runden in Dimhausen waren dabei – und am Ende kam er auf 2634,7 Kilometer. Dafür hat der Dimhauser jüngst besagte Medaille der Ultra-Challenge erhalten.

Zu dieser Herausforderung, bei der die Teilnehmer insgesamt 2021 Kilometer Strecke erbringen mussten, hatte sich der 58-Jährige über das Internet angemeldet. „Ich habe mir dann selbst den Druck gemacht, möglichst schnell die Leistung zu schaffen“, berichtet Neumann. Im September habe er bereits die geforderte Kilometerzahl erreicht.

Seit Corona hat er an diversen virtuellen Läufen teilgenommen. Und auch zuvor seien ihm Charity-Läufe wichtig gewesen, sagt der Dimhauser und präsentiert Medaillen von Spendenläufen, etwa für den Tierpark Petermoor, vom Lauf gegen Brustkrebs und mehr. Die Plaketten hängen im Gartenhäuschen, gegenüber von den Medaillen seiner Frau. Die lässt sich von Zeit zu Zeit von der Begeisterung ihres Mannes anstecken. Doch für ihren Mann habe der Sport einen anderen Stellenwert, sagt Kerstin Neumann. Wenn der Techniker nach acht Stunden am Schreibtisch nach Hause komme, schicke sie ihn wieder raus, damit er beim Laufen einen freien Kopf bekomme. „Danach ist seine Laune besser“, sagt sie. „Ich sehe das Laufen als Ausgleich zu meiner Arbeit“, ergänzt Michael Neumann. Zusätzliche Motivation brauche er hingegen nicht. „Da reicht mein innerer Antrieb.“

Mehrere Paar Laufschuhe benötigt der Hobbysportler im Jahr, weil sie so oft genutzt werden.
Mehrere Paar Laufschuhe benötigt der Hobbysportler im Jahr, weil sie so oft genutzt werden. © Christin Klose/dpa

Für dieses Jahr habe er sich kein Ziel gesetzt. „Ich mache mir da keinen Stress.“ Dennoch hofft er, dass er mit der Gruppe „Dimhausen läuft“ endlich wieder Ausflüge machen kann. Mit sechs bis acht Personen mache er sich dann auf den Weg, um neue Strecken kennenzulernen.

Zwar seien sie in Dimhausen häufig gemeinsam gelaufen, aber es habe kaum Möglichkeiten für Teilnahme an Events gegeben, bedauert Neumann.

Auch im Internet hat der 58-Jährige Gleichgesinnte gefunden. „Da gibt es noch viel größere Cracks als mich“, erzählt er. Da er seine Runden über Facebook teilt, bekomme er durchaus Feedback und Anregungen.

Bei aller Leidenschaft für sein Hobby kann Michael Neumann aber auch verstehen, wenn sich jemand nicht für das Laufen begeistern kann. „Jeder muss seinen eigenen Weg finden.“

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