Nur was für Idealisten

Grundschulleiter Tobias Baron spricht über Vor- und Nachteile seines Berufs

Tobias Baron

Bramstedt - Tobias Baron ist Leiter der Grundschule Bramstedt – und sehr glücklich in seinem Beruf. Als Lehrer für die Jüngsten hat er das Gefühl, am Platz zu sein. Doch so wie er denken nicht viele. An den Grundschulen herrscht Lehrermangel. In einem Interview mit der Kreiszeitung spricht er über mögliche Gründe und was man dagegen tun könnte. Die Fragen stellte Julia Kreykenbohm.

Warum haben Sie sich damals für den Beruf des Grundschullehrers entschieden?

Tobias Baron: Ich habe sehr gute Erinnerungen an meine Schulzeit, habe dort unter anderem meine Frau kennengelernt. Die vielen Lehrertypen, die mich auf meinem Weg begleitet und mich begeistert haben, möchte ich weitergeben. Es ist für mich der schönste Beruf der Welt. Studiert habe ich für die Klasse eins bis zehn. Ich könnte also auch höhere Klassen unterrichten.

Und warum sind Sie bei den Jüngsten geblieben?

Es ist eine besondere Herausforderung. Jeder Tag muss intensiv und mit guter Didaktik vorbereitet werden. Die Resonanz von den Kindern ist sehr klar und spontan. Wenn ihnen etwas nicht gefällt, sagen sie das auch. Andererseits ist die Begeisterungsfähigkeit bei ihnen noch sehr groß. Sie haben Freude am Lernen.

Ist der Beruf so, wie Sie ihn sich während Ihres Studiums ausgemalt haben?

Ich hatte ein bestimmtes Bild von einem Lehrer im Kopf – und so bin ich geworden. Der Beruf wurde zu dem, was ich mir darunter vorgestellt habe.

Warum ist der Beruf für viele Lehramtsstudenten eher unattraktiv?

Es gab schon immer weniger Grundschullehrer als für andere Schulformen. Es gibt nun mal kaum Aufstiegsmöglichkeiten, und die Belastung ist hoch. Außerdem ist er der Lehrerberuf mit der höchsten Arbeitszeit und gleichzeitig der geringsten Bezahlung. Idealisten werden Grundschullehrer, und viele junge Leute schauen eben schon mehr darauf, was sie tun müssen und am Ende dafür bekommen.

Wie könnte man den Beruf attraktiver machen?

Es müsste Möglichkeiten geben, um aufzusteigen, und Leiter sollten mehr Gestaltungsspielraum haben. Zudem sollte die Arbeitszeit angepasst werden. Das gelingt zum Beispiel durch genügend Personal. Auch finanziell müsste sich etwas tun, denn immerhin durchlaufen Grundschullehrer die gleiche Ausbildung wie die anderen auch.

Wie bewerten Sie es, wenn Lehrer, vielleicht von Gymnasien, an Grundschulen abgeordnet werden?

Ich fühle mit den Kollegen, die ihre gewohnte Schulform verlassen, um auszuhelfen, aber wir sollten das Beste daraus machen. Sie müssen gut eingebunden werden, und so kann man etwas Positives daraus mitnehmen. Zum Beispiel wird der Austausch zwischen Grundschule und der weiterführenden Schule belebt. Es ist natürlich keine Ideallösung, aber wir gehen eben pragmatisch vor. Bisher hatten wir hier nur Oberstufenlehrer. Einer von denen war am Ende so begeistert von uns, dass er sich zum Fachseminarleiter für Grundschulen weiterbilden ließ (lacht).

Haben Sie einen Tipp für junge Lehramtsstudenten, die überlegen, an die Grundschule zu gehen?

Sie sollten ein tolles Hobby haben, das sie begeistert und für das sie brennen. Coach-Potatoes brauchen wir hier nicht. Sie sollten Humor besitzen, auch in Bezug auf sich selber, und Freude haben, noch etwas dazuzulernen. Man kann hier viel ausprobieren und möglich machen. Über männliche Verstärkung freuen sich Grundschulen besonders, da es wichtig ist, ein Abbild der Gesellschaft auch in der Schule darzustellen.

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