Roland Bauer verarbeitet Schicksalsschläge mit Musik

Musikalische Unterstützung: „Ich singe für Dein Leben“

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Die Musik hat sie zusammengebracht: Roland Bauer und Mustapha Alouche singen gemeinsam im Bassumer Pop-Chor mit Paul und Nicole Kiolbassa – Zufall, weil der syrische Journalist auf der Suche nach einem Deutschkurs war.

Bassum- Von Anke Seidel. Es sind unvorstellbare Schicksalsschläge, die Roland Bauer verkraften muss: „Ärztliche Behandlungsfehler begleiten mich und meine Familie seit mehr als 30 Jahren“, sagt der 66-jährige Bassumer. Sein Sohn Andreas (32) sitzt im Rollstuhl, ist seit seiner Geburt körperlich behindert. Seine Enkelin Sophia (13) muss ein „sehr unwürdiges Leben“ ertragen, berichtet ihr Großvater. Aber er hat einen Weg gefunden, mit Wut, Verzweiflung und Machtlosigkeit umzugehen. Roland Bauer schreibt Lieder – und arbeitet gemeinsam mit Musik-Profi Paul Kiolbassa an einer CD.

Wunsch-Veröffentlichungstermin des Albums (Projekttitel: „Ich singe für Dein Leben“) ist das kommende Frühjahr. Profitieren soll davon das Kinderhospiz Löwenherz. „Ich möchte all mein Herzblut einbringen“, sagt Roland Bauer über die CD mit insgesamt zwölf Liedern. Sie sind zum Teil selbst geschrieben und komponiert. „Die Melodien spiele ich auf der Gitarre oder singe sie Paul vor“, berichtet der 66-Jährige. Der Musik-Profi gießt sie dann in Kompositionen. Auch Pauls Ehefrau Nicole unterstützt ihn bei dem Projekt. Dafür ist Roland Bauer sehr dankbar – ebenso für die Unterstützung von bereits 35 Sponsoren, die auf einen Projektbrief positiv reagiert haben. Es sind Menschen aus der Region Bassum/Twistringen/Bremen, die dafür gespendet haben. „Einen Hauptsponsor suche ich noch“, schmunzelt Bauer, der seine CD in einer möglichst hohen Auflage veröffentlichen möchte. Denn er wünscht sich, dass seine ganz persönliche Schöpfung aus traurigen Texten und gefühlvoller Musik so etwas wie eine Kraftquelle für seine Hörer wird – Balsam für die Seele, insbesonere für Angehörige und Pflegende schwerstkranker Kinder und Erwachsener. „Pflegende Angehörige haben keine Lobby!“, sagt Bauer.

Jahrelanger Rechtsstreit

Die Beeinträchtigung seines Sohnes fordere die Familie täglich, beschreibt der 66-Jährige seinen Alltag. Sechs Jahre lang dauerte der Rechtsstreit nach dem verhängnisvollen medizinischen Fehler: „Er ging zugunsten von Andreas aus.“

Als Großvater erlebe er nun, „wie meine Enkeltochter und ihre Familie seit 13 Jahren mit weitaus schlimmeren Folgen zurechtkommen müssen“, sagt Bauer. Drei Tage nach ihrer Geburt habe ein ärztlicher Behandlungsfehler „und das klägliche Nichtstun aller verantwortlichen Mitarbeiter“, so der Großvater, zu irreparablen Schäden geführt. Deshalb müsse seine Enkeltochter ein sehr unwürdiges Leben führen: „Ein Leben ohne Licht und Farben. Ein Leben ohne Sprache. Ein Leben ohne selbstständiges Essen und ohne eigene Bewegung. Ein Leben ohne Tag-Nacht-Rhythmus – begleitet von Krämpfen und Schmerzattacken, schreien, weinen und wimmern. Ein Leben geprägt durch unzählige Notarzteinsätze und Klinikaufenthalte.“ Die 24-stündige Pflege und Betreuung durch die in vielen Bereichen allein gelassene Familie erwähne er nur am Rande. Zwölf Jahre laufe mittlerweile der Rechtsstreit, sagt der Bassumer. Immer wieder versuche die Versicherung, den Prozess in die Länge zu ziehen: „Es geht nur um Geld und Haarspalterei.“

Wut, Enttäuschung, Verzweiflung: Einen Weg aus diesem Teufelskreis zu finden, ist dem betroffenen Vater und Großvater mit der Musik gelungen. Gern zitiert er den bekannten Benediktinerpater und Bestseller-Autor Anselm Grün: „Musik ist ein Fenster zum Himmel.“ In der Musik finde er Trost, Hoffnung und Erfüllung, sagt er: „In guten wie in schlechten Zeiten.“

Zurzeit als Trauerbegleiter tätig

Roland Bauer, gelernter Masseur, arbeitet zurzeit als Trauerbegleiter. Seine Frau betreibt eine Praxis für Osteopathie. Was ist dem 66-Jährigen ganz persönlich wichtig in seinem Leben? „Ausgeglichenheit und innerer Frieden“, antwortet er, „aus dem kann ich Kraft schöpfen“. Er habe lernen müssen, „Dinge anzunehmen, die ich nicht verändern kann“. Geholfen hat ihm dabei das Schreiben.

40 Liedtexte hat der Bassumer mittlerweile verfasst – und einige davon Peter Maffay, Andrea Berg und Semino Rossi angeboten. „Aber unter einem Pseudonym“, fügt er hinzu. Der gebürtige Schwabe möchte sich mit einem seiner bereits produzierten Lieder für die Montags-Hitparade des Radio-Senders NDR 1 bewerben. Außerdem überlegt er, ein kleines Büchlein herauszugeben: „Ich habe humorvolle Geschichten aus dem Alltag in Bassum aufgeschrieben.“

Zu seinem jüngsten Werk, dem Friedenslied, hat ihn die globale Situation inspiriert – und die Begegnung mit dem syrischen Journalisten Mustapha Alouche: „Er kam eines Abends in den Pop-Chor, weil er dachte, das ist ein Deutschkurs“, schmunzelt Bauer. Seitdem ist Mustapha dabei. Ihm hat er das Lied gewidmet. Darin heißt es: „Den Wind gesät an manchen Tagen, den Sturm geerntet in der Nacht. Kann deine Seele das ertragen, gefangen in der Schatten-Macht? Die Meere werden schwarz vor Trauer, der Sonne Licht ein dunkler Schein. Liebe durchbricht die hohe Mauer. Ernte den Frieden, (und) fahre ihn heim.“

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