Elke Bleeke ist seit 51 Jahren Gastwirtin 

Letzte Gaststätte in Bassum: Elke und Uwe Bleeke schließen Treffpunkt

Elke und Uwe Bleeke haben sich entschieden, den Treffpunkt zu verkaufen. - Foto: Albrecht

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Jedes Ding hier hat eine Geschichte.“ Elke Bleeke guckt sich in ihrer Gaststätte um. Nummernschilder aus Kanada, Amerika und Neuseeland zeugen von der Reiselust des Paares, in jeder Ecke stehen Mitbringsel. Hier eine Schiffslampe, dort Navigationsgeräte. Eine Holzfigur von den Fidschi-Inseln erinnert an die Zeit, als Uwe Bleeke zur See gefahren ist. Doch das Besondere sind nicht die Deko-Artikel, sondern die Geschichten, die die beiden erzählen. Sie haben Freunde auf der ganzen Welt – und für diese bald auch mehr Zeit. Denn Elke und Uwe Bleeke schließen ihre Gaststätte Treffpunkt ab. Bassums allerletzte Kneipe macht zu.

Der Treffpunkt wird verkauft – Interessenten gibt es. Was passiert mit der Einrichtung und den vielen Andenken? „Wir können sie nicht mitnehmen“, so Elke Bleeke. Sie sei zwar etwas traurig, dass sich die Zeit des Abschieds nähert. Aber das Paar hat sich entschieden. „Man wird ja nicht jünger“, sagt Elke Bleeke. „Irgendwann hat man einfach keinen Mumm mehr. Kinder haben wir keine. Es gibt niemanden, der die Gaststätte weiterführen möchte.“

Deshalb haben sich die beiden entschlossen, zu verkaufen. „Ich bin 66 Jahre alt, mein Mann ist 74. Wir haben im Leben immer alles zusammen gemacht. Nun hören wir zusammen auf. – Es waren schöne, erfüllte Jahre“, blickt die Gastwirtin zurück.

Seit 51 Jahren steht sie hinter dem Tresen. Elke Bleeke war acht Jahre alt, als ihr Vater Fritz Eimertenbrink den Treffpunkt gründete. „Er war eigentlich Krankenpfleger.“ Die Bassumer hätten ihm keine sechs Monate gegeben. „Wir waren die 34. Kneipe hier. Heute sind wir die letzte.“ Stolz schwingt in ihrer Stimme. Die Rolle des Gastgebers sei ihrem Vater auf den Leib geschnitten gewesen. „Er hatte es drauf, hatte einen guten Riecher“, erinnert sie sich. Die Gäste standen Schlange, um reinzukommen. Es gab Hähnchen und Schaschlik – und Rock’n’ Roll. Für die Tochter war klar, dass sie die Kneipe übernimmt. „Meine Eltern wollten mich auf die Hotelfachschule schicken. Ich sollte die Mittlere Reife machen. Ich habe meiner Lehrerin gesagt: „Wozu? Ich mach’ sowieso Kneipe.“ Mit 15 Jahren fing sie im Treffpunkt an, nach dem Tod ihres Vaters übernahm sie das Haus.

Freunde in der ganzen Welt

Die Tanzfläche gibt es heute nicht mehr, aber immer noch hervorragendes Essen. Dafür ist Uwe Bleeke verantwortlich. „Seine Soßen sind legendär“, schwärmt seine Ehefrau. Die Gäste kommen von weither, um die Wildspezialitäten zu kosten. „Das Fleisch bekommen wir frisch vom Jäger“, erzählt Bleeke.

Er hat sich das Kochen selbst beigebracht. „Das war schon immer mein Hobby.“ Gelernt hat er was ganz anderes. Uwe Bleeke ist zur See gefahren, als Chief im Maschinenraum. Die Ausgehuniform hängt noch in einer Ecke des Lokals.

„Immer auf See und nur einmal im Jahr zu Hause, das hält keine Ehe aus“, sagt der 74-Jährige. Deshalb hatte er sich damals einen „Job an Land“ gesucht, wie er sagt. Erst war er bei Jacobs, als sein Schwiegervater starb, half er seiner Frau, den Treffpunkt zu führen.

Gerne denkt er an die Zeit auf See zurück, und wenn es die Gäste wollen, erzählt er hin und wieder so manche Anekdote – ob mit oder ohne Seemannsgarn, weiß wohl nur er allein. Einige Beweise hat er allerdings in jeder Ecke griffbereit. So etwa seine Manganknolle, die er aus der Südsee mitgebracht hat – aus 5 000 Metern Tiefe. „Ich war damals auf einem Forschungsschiff.“

Fritz und Gertrud Eimertenbrink gründeten 1959 den Treffpunkt.

Im Laufe der vergangenen Jahre sind allerdings auch viele Landgeschichten dazugekommen. Bleekes verreisen gern, waren schon in den entlegensten Winkeln der Erde. Ihr zweites Zuhause ist Kanada. Sie können sich vorstellen, dorthin auszuwandern. Irgendwann mal. Für nächstes Frühjahr ist ein mehrwöchiger Trip geplant.

Bis dahin wird sie der Treffpunkt noch auf Trab halten. „Wir haben allein bis Februar noch 200 angemeldete Kohlessen“, so Bleeke.

Und dann? „Wäre schon schön, wenn es hier mit Gastronomie weitergeht.“ Aber das entscheide der Käufer. Interessenten gibt es mehrere. Wenn ihrem Haus der Abrissbagger droht – wie kürzlich dem Gasthaus Haake – „dann schauen wir uns das nicht an. Das fahren wir weg.“

Das Gaststättengewerbe hat es schwer, weiß die Wirtin. „Der Nachwuchs fehlt. Die Jugend geht heute nicht mehr in die Kneipe. Sie glühen zu Hause vor und gehen danach in die Disco.“

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