Gründer eines weltweiten Missionswerkes in Bassum

„Ich kann noch so vielen Menschen helfen“

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Yesupadam und seine Frau Monika Paidipamula von „Love-n-Care-Ministries“ leben drei Monate im Jahr in Bassum.

Bramstedt - Von Frank Jaursch. Die Geschichte ist unglaublich. Fast zu außergewöhnlich, um wahr zu sein. Wenn Yesupadam Paidipamula von seinem Leben erzählt, von dem, was er erlebt, erlitten und geschaffen hat, bleibt einem schon mal der Mund offen stehen. Der heute 63-jährige Inder hat vor 26 Jahren die „Love-n-Care Ministries“ ins Leben gerufen, ein Missionswerk, das mittlerweile auf vier Kontinenten aktiv ist. Zwei bis drei Monate im Jahr verbringt der Pastor mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Bramstedt. Zurzeit ist er wieder in seiner „zweiten Heimat“.

Das Lebenswerk von Yesupadam ist beeindruckend: Allein in Südost-Indien gründete er mehr als 300 Kirchengemeinden, bildete rund 1800 Pastoren und Kirchenmitarbeiter aus. Tausende Obdachlose, Kinder, kranke und alte Menschen haben von seinem Engagement profitiert.

Mit großem Einsatz ist er bis heute in der Welt unterwegs, um in Kirchen und Schulen oder auf Konferenzen zu sprechen und für seine Sache zu werben.

Ein Grund für sein außergewöhnliches Engagement liegt in seiner eigenen Lebensgeschichte. Yesupadam gehörte in Indien zu den „Unberührbaren“, der Volksgruppe der Dalit, die außerhalb des klassischen Kastensystems leben – die Niedrigsten der Niedrigen.

Kommunismus übt großen Sog aus

Mit elf Jahren beschloss er, voll von Verbitterung und Hass, sich gegen die Gesellschaft, die ihn ausgestoßen hatte, aufzulehnen. Er verschrieb sich dem Kommunismus, der Gewalt, dem Alkohol. 13 Jahre lang.

Doch im Jahr 1976 sorgte eine Jesus-Vision für einen weiteren radikalen Wandel im Leben des jungen Inders. Fortan verschrieb er sich der Mission, die christliche Botschaft unter seinen Landsleuten zu verbreiten.

Er schaffte das mit erstaunlichem Erfolg – zunächst jahrelang in seiner indischen Heimat, wo er bis heute Tausende Kirchengemeinden gründete, rund 2000 Pastoren in Bibelschulen ausbildete. Drei Kinderheime und Waisenhäuser haben im Laufe der Jahrzehnte mehr als 4 000 Mädchen und Jungen eine Heimat gegeben. Zwei Schulen sind seit rund 23 Jahren im Betrieb, außerdem eine Krankenpflegeschule und ein Hospital.

Eigentlich genug für ein Lebenswerk, aber Gott, so beschreibt es Yesupadam mit einem Lächeln, hatte wohl andere Pläne mit ihm. „Er gab mir eine Vision für mein Leben.“ Am 1. August 1988 sah er vor sich eine Weltkugel, die von zwei Händen gehalten wird – und darunter ein Banner mit dem Namen von fünf Staaten: die USA, Kanada, Schweden, Südafrika und die Bundesrepublik Deutschland.

Eine göttliche To-Do-Liste gewissermaßen, der sich der Inder in der Folge mit großer Energie widmete. In Kanada und den USA gründete er Niederlassungen, eröffnete Schulen, Kirchen und Waisenhäuser auf Madagaskar und in Sierra Leone.

2001 erstmals in Deutschland

Dennoch dauerte es bis 2001, ehe Yesupadam erstmals nach Deutschland kam, und weitere sechs Jahre, bis der deutsche Zweig von „Love-n-Care“ gegründet wurde.

Im Jahr 2009 begann die deutsche Love-n-Care-Niederlassung mit einer ungewöhnlichen Aktion: Am Bremer Hauptbahnhof verschenkt eine Gruppe freiwilliger Helfer einmal pro Woche Hotdogs an Obdachlose und Drogenabhängige. Woche für Woche. Bis heute.

Die Beharrlichkeit zahlte sich aus für die Gruppe: Allmählich öffneten sich die Empfänger der kleinen Mahlzeiten, suchten das Gespräch. „Für Deutsche ist es am schwierigsten, Menschen zu vertrauen, die sie nicht kennen“, hat Yesupadam beobachtet, „aber wenn sie einem einmal vertrauen, vertrauen sie ein Leben lang.“

Nicht immer schlägt ihm Zuneigung entgegen. Yesupadam hat gelernt, mit Skepsis und offener Ablehnung umzugehen. „Ich sehe als Sprungbrett für den nächsten Erfolg“, sagt er lächelnd.

Der warme Hotdog ist viel mehr als ein Snack: „Er steht für Hilfe“, sagt Yesupadam. Er sucht das Gespräch mit den Obdachlosen, möchte ihnen die Nähe Gottes vermitteln. Und das Gefühl, etwas wert zu sein. „Deutschland ist so ein reiches Land“, erklärt er, „hier darf niemand in so einer Lage sein.“

2010 bezog die Organisation ein Haus in Bremen-Neustadt, wo Obdachlose regelmäßig zusammenkommen, um gemeinsam zu essen, zu singen, zu beten, Zeit miteinander zu verbringen. „Hey, das ist wie Familie hier“, habe ein Gast einmal voller Dankbarkeit gesagt, so Yesupadam. „Das war genau das, was ich erreichen wollte.“

Das Haus in der Neustadt wurde im Jahr 2012 gekauft. Ein weiteres Jahr später hörten Yesupadam und seine kanadische Ehefrau Monika davon, dass in Bramstedt ein Grundstück mit einem großen Haus zum Verkauf stand.

„Was sie am meisten brauchen, ist Liebe“

Sie kauften die Immobilie und machten sie zu einem Ort, an dem Obdachlose eine Bleibe erhalten und Wege zurück in die Gesellschaft aufgezeigt bekommen. Bis zu 14  Personen wohnen auf dem Grundstück an der Feldstraße. „Wir wollen diesen Menschen helfen“, sagt Yesupadam. „Was sie am meisten brauchen, ist Liebe.“

Wenn Monika und Yesupadam nicht in Bassum wohnen, übernimmt Michael Heun die Leitung im Bramstedter „Bethany Revival Center“. Der junge Tübinger hatte ein Buch über Yesupadam gelesen – und war hingerissen. „Was für eine Liebe!“ Er fuhr nach Indien, verbrachte fünf Monate dort. „Bleib bei denen“, habe Gott zu ihm gesprochen, erklärt der 23-Jährige. Nun hilft er in Bramstedt dabei, die Mission von Yesupadam zu erfüllen.

Noch immer ist der 63-Jährige den Großteil des Jahres unterwegs. Er sieht die Zeit, sich zur Ruhe zu setzen, noch nicht für gekommen. „Ich kann noch so vielen Menschen helfen.“ Außerdem hat er die göttliche Aufgabe, auch Niederlassungen in Schweden und Südafrika zu eröffnen, ja noch nicht erfüllt.

Nach all den Reisen und all den Erlebnissen ist und bleibt Indien die Heimat von Yesupadam Paidipamula. „Aber abgesehen von Indien“, sagt er und lächelt erneut, „ist Deutschland das einzige Land, in dem ich gerne leben möchte.“

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