Schlechte Erziehung

Hund „Benny“ aus Bramstedt stirbt durch die Beißattacke eines anderen Hundes

Benny war überall mit dabei und wird bis heute schmerzlich vermisst.
+
Benny war überall mit dabei und wird bis heute schmerzlich vermisst.

Benny ist noch da. Auf Bildern im Wohnzimmer, mal allein, mal inmitten der Familie. Und in den Erinnerungen. Wenn Ulrike Denker aus Bramstedt von dem kleinen Malteser Shih Tzu erzählt, der neun Jahre lang fester Bestandteil ihrer Familie war, sieht man ihn direkt vor sich. „Er war ein Sonnenschein, unser Lottogewinn, der überall mit dabei war“, sagt Denker.

Bramstedt – Jetzt ist es ruhig geworden im Haus. Kein weißer Wuschel erinnert sie im Homeoffice daran, mal eine Pause einzulegen und eine Runde spazieren zu gehen. Benny ist tot. Ein anderer Hund hat den Kleinen so schwer verletzt, dass er am Ende an seinen Wunden starb.

Besitzer kann seinen angreifenden Hund nicht halten

Denker erinnert sich noch genau an den Abend im April. „Mein Mann ist mit Benny spazieren gegangen. Auf dem Weg traf er einen Mann, der ebenfalls einen Hund besitzt. Von diesem haben wir uns immer ferngehalten, weil wir schon gehört haben, dass er öfter zugebissen hat. Dieses Mal konnte der Besitzer ihn nicht halten, der Hund stürzte sich auf Benny und packte ihn. Die halbe Nachbarschaft kam hinzu und versuchte, die Hunde zu trennen. In der Zwischenzeit rief mich jemand an, dass ich schnell herkommen solle.“

Denker verstummt und fährt mit leiser Stimme fort: „Benny jaulte ganz furchtbar, weil er solche Schmerzen hatte. Ich bekomme das nicht auf dem Kopf. Ich sah das viele Blut und wusste gar nicht, was ich tun sollte.“

Die Familie fuhr mit Benny in die Praxis Tierarztpartner Sulingerland in Schwaförden. „Dr. Christine Lund war ganz toll“, sagt Denker. Benny wurde stabilisiert und am nächsten Tag drei Stunden operiert. Wegen Corona durfte die Familie den Kleinen nicht so oft besuchen, wie sie es gern getan hätte. „Aber als wir am Mittwoch zu ihm kamen, rappelte er sich auf und kam zu mir. Er bewegte sich nur auf zwei Pfoten fort, weil er nach der Attacke gelähmt war. Aber das hätte uns nichts ausgemacht. Wir hätten uns etwas einfallen lassen, dass er trotzdem weiter an unserem Alltag teilhaben kann. Am Donnerstag starb er.“

Erziehung eines Tieres sollte an Tag 1 beginnen

Seitdem versucht die Familie, den Verlust zu überwinden. Aber das fällt schwer. „Wenn er an Altersschwäche gestorben wäre oder auch an einer Krankheit, dann wäre es vielleicht leichter“, glaubt Denker. „Aber sein Tod war so sinnlos. Ich kann mich nicht damit abfinden, es ist so traurig.“

Sie hat den Besitzer des anderen Hundes zur Rede gestellt. Sie war bei der Polizei, beim Ordnungs- und Veterinäramt. Das Ergebnis: Die Kosten für die Tierarztrechnung sind erstattet worden und der fremde Hund muss nun Maulkorb und Leine tragen. „Doch ich habe noch immer Angst, dass wieder etwas passiert. Ich gebe dem Hund keine Schuld, er kann nichts dafür. Aber ich wünsche mir, dass er in professionelle Hände kommt.“

Überhaupt möchte Denker mit ihrer Geschichte vor allem eins: aufrütteln. Denn, „was uns passiert ist, wünsche ich keinem“. Sie appelliert an Hundebesitzer und diejenigen, die es noch werden wollen, viel Zeit in die Erziehung ihrer Vierbeiner zu investieren. „Ich lese und höre immer wieder, dass gerade während des Lockdowns sich viele Menschen Welpen angeschafft haben. Ich möchte, dass sie sich darüber im Klaren sind, dass ein Hund viel Arbeit bedeutet. Die Besitzer sollten darauf achten, dass ihr Tier gut sozialisiert wird, und den Umgang mit anderen Hunden früh lernt. Und man sollte sich ruhig Hilfe bei der Erziehung holen.“

Unerwünschte Verhaltensweisen lassen sich nur schwer „rauskriegen“

Denkers Befürchtung, dass nach dem Lockdown mehrere schlecht sozialisierte und erzogene Hunde unterwegs sein und andere gefährden könnten, kann Volker Feser vom Hundezentrum Bassumdogs nachvollziehen. Er und seine Kollegen haben diese Entwicklung bereits kommen sehen. „Als man aufgrund von Corona für mehrere Monate Welpen- und Junghundekurse verbot, haben wir uns schon gefragt, wo das hinführen soll. Wir wussten, das geht in die Hose.“

Und diese Sorge habe sich bestätigt. Seit März darf Feser wieder Kurse für Welpen und Junghunde anbieten und stellt fest: „Viele Tiere legten unerwünschte Verhaltensweisen an den Tag, die schon eingefahren waren – und somit schwer wieder rauszukriegen sind. Die Hunde haben sich in die verkehrte Richtung entwickelt.“

Ulrike Denker möchte Hundebesitzer motivieren, sich professionelle Hilfe zu holen

Was Feser stutzig macht: Die Nachfrage nach Welpenkursen sei recht gering. „Dabei müsste sie boomen, da sich so viele einen Welpen angeschafft haben.“ Er vermutet, dass viele Halter die Notwendigkeit dieser Kurse nicht sehen. „Einer sagte mir, er wolle dem Welpen erst mal einen Monat Zeit zur Eingewöhnung geben. Das ist ein Monat in der sozialempfindlichen Phase, den man verliert. Diese Phase dauert etwa 20 Wochen. Während dieser Zeit sollte der Hund so viele Reize wie möglich kennenlernen, weil er da viel aufnimmt.“

Vielleicht glauben auch einige Halter, sie könnten den Hund mit Tipps aus dem Fernsehprogramm erziehen. „Aber das ist kein Ersatz für eine Hundeschule, zumal jeder Welpe verschieden ist und andere Bedürfnisse hat“, betont Feser.

Ulrike Denker war damals mit Benny auch in der Hundeschule, wo der kleine Kerl an alles gewöhnt wurde, was ihm später einmal Angst machen könnte. Sie hofft, dass sie mit ihrer Geschichte noch mehr Hundehalter zu dieser Entscheidung motivieren kann. Damit Bennys Tod am Ende doch nicht völlig sinnlos war.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Diepholz: Das ist für „E-Bike“-Fahrer wichtig

Diepholz: Das ist für „E-Bike“-Fahrer wichtig

Diepholz: Das ist für „E-Bike“-Fahrer wichtig
Kater legt 250 Kilometer vom Harz nach Bassum zurück

Kater legt 250 Kilometer vom Harz nach Bassum zurück

Kater legt 250 Kilometer vom Harz nach Bassum zurück
„High Flames Festival“ in Maasen: Aus Flachserei wird langsam Realität

„High Flames Festival“ in Maasen: Aus Flachserei wird langsam Realität

„High Flames Festival“ in Maasen: Aus Flachserei wird langsam Realität
Schwerer Zusammenprall auf der Bundesstraße 61 bei Heerde

Schwerer Zusammenprall auf der Bundesstraße 61 bei Heerde

Schwerer Zusammenprall auf der Bundesstraße 61 bei Heerde

Kommentare