Hommage an das Landleben

Sabrina Schuhmacher entwirft Kleider aus Schafswolle

Sabrina Schuhmacher zeigt zwei Stücke aus ihrer Abschlusskollektion, bei denen die Wolle wichtiger Bestandteil ist und die man auch beim Wollzirkus bestaunen kann.
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Sabrina Schuhmacher zeigt zwei Stücke aus ihrer Abschlusskollektion, bei denen die Wolle wichtiger Bestandteil ist und die man auch beim Wollzirkus bestaunen kann.

Modedesigner. Bei diesem Wort formt der Kopf sofort Bilder von Laufstegen im Blitzlichtgewitter, Models in sündhaft teuren, manchmal bizarr anmutenden Kleidern, und dahinter deren Schöpfer: glamourös, überheblich und etwas exzentrisch, á la Karl Lagerfeld. Eine Glitzerwelt, der Sabrina Schuhmacher so gar nichts abgewinnen kann. Sie mag es bodenständig und natürlich. Harmonie statt Konkurrenzgerangel. Ruhe statt Hektik. Und wenn sie Kleider entwirft, dann lieber für den gewöhnlichen Bürger, der ihr theoretisch auch zuhause in Bramstedt über den Weg laufen könnte.

Bramstedt - Die 24-Jährige ist staatlich geprüfte Modedesignerin und hat den Gesellenbrief als Maßschneiderin für Damen in der Tasche. Anfang des Jahres hat sie ihren Abschluss an der Fahmoda, Akademie für Mode und Design, gemacht.

Dass sie dort gelandet ist, sei mehr Zufall gewesen, erzählt Schuhmacher und lächelt. „Nach dem Abitur war ich ziemlich planlos, was meine berufliche Zukunft angeht. Für mich stand nur fest, dass ich etwas Kreatives machen will. Durch eine Bekannte bin ich dann beim Theater Bremen in der Damenschneiderei gelandet. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich für die schulische Ausbildung in Hannover entschieden habe.“

Kleidung lässt laut Deisgnerin auf Stimmungen schließen

Doch was fasziniert Schuhmacher an ihrem Beruf? „Viele sind ja der Meinung, dass Kleidung etwas Oberflächliches ist. Ich finde hingegen, dass man mit ihr viel ausdrücken kann. Sie schafft eine gewisse Stimmung und beeinflusst uns auch. Wenn wir uns beispielsweise nicht gut fühlen, ziehen wir als Kontrast vielleicht etwas mit bunten Farben an. Oder sie stärkt unser Selbstbewusstsein.“

Schuhmacher liebt das kreative Schaffen und dass sie das, was einst als Idee in ihrem Kopf herumspukte, eines Tages in der Hand hält oder am Körper eines Menschen sieht. „Wir haben in der Akademie alle notwendigen Schritte dafür gelernt: Das Zeichnen des Kleidungsstücks, das Erstellen des Schnitts, was logisches Denken erfordert, die Auswahl des passenden Stoffes – und natürlich das Nähen.“

Während ihrer Ausbildung hat Schuhmacher schon gemerkt, dass ihr das Handwerkliche mehr liegt als das Designen. „Das ist viel Theorie, und man sitzt mehr am Schreibtisch. Ich halte lieber etwas in der Hand.“

Sabrina Schuhmacher hat in der Ausbildung Sehnsucht nach dem Land

So sehr ihr das Lernen in Hannover auch gefallen hat – die Sehnsucht nach Bramstedt war groß. „Das Landleben ist ein Teil von mir. Da kann es halt auch mal vorkommen, dass man morgens aufwacht und die Schafe und Schweine des Nachbarn im Vorgarten stehen“, erzählt Schuhmann und lacht.

Und genau diese Sehnsucht hat sie in ihre Abschlussarbeit, einer Kollektion mit etwa zehn Outfits, einfließen lassen. „Ich fand den Mix aus traditionell und modern spannend. Norddeutsche Trachten, kombiniert mit modernen Elementen.“ Sogar Strohhüte aus dem Strohmuseum in Twistringen haben in die Kollektion Einzug gehalten und den einen oder anderen Look abgerundet.

Naturwolle in einem Glas

Das Lieblingsstück der jungen Modeschöpferin ist ein Brautkleid, an dem sie zwei Wochen gearbeitet hat. 30 Meter Stoff hat sie gerüscht, geschnitten, mit Blumen versehen „und es ist genauso geworden, wie ich es im Kopf hatte. Es sah wunderschön an dem Model aus“, freut sich Schuhmacher.

Ein halbes Jahr hatte sie für die Kollektion Zeit. Ein strammer Zeitplan für die Perfektionistin, die „es immer genau so umsetzen möchte, wie ich es mir vorstelle.“ Durch die Corona-Krise konnte sie nach ihrem Abschluss erstmal keinen Job in der Modebranche ergattern und arbeitet derzeit in einem Büro.

Doch wenn Schuhmacher den Blick in die Zukunft wandern lässt, sieht sie sich in einem kleinen Atelier auf dem Land, wo sie „in Ruhe arbeiten und vielleicht selbstständig schaffen kann. Ein Raum, wo ich mich ganz in meiner Arbeit verlieren und mein Ding machen kann.“

Schuhmacher stellt in Bassum beim Wollzirkus aus

Wer mal ein paar Werke aus Schuhmachers Abschlusskollektion bestaunen möchte, hat am kommenden Sonntag Gelegenheit dazu. Dann stellt die Bramstedterin beim Wollzirkus auf dem Gelände der Freudenburg aus (wir berichteten).

Denn ein paar Kleidungsstücke passen genau zum Thema der Veranstaltung, die am Samstagabend um 18 Uhr ihre Pforten öffnet und von Susanne Schmid organisiert wird. Eine Anmeldung per E-Mail an wollzirkus-bassum@web.de oder im Bürgerbüro sind erforderlich. Am Sonntag geht es um 11 Uhr los.

Quasi als Hommage an die Schafe im Vorgarten – und damit die Erinnerungen an ihren Heimatort – hat Schuhmacher die Wolle in ihre Kreationen mit eingebracht. „Vor meinem Abschluss habe ich einen Artikel über die Arbeit von Frau Schmid gelesen und selber angefangen, mit Wolle zu arbeiten.“

Sabrina Schuhmacher zeigt ein Stück aus ihrer Abschlusskollektion, bei dem die Wolle wichtiger Bestandteil ist und die man auch beim Wollzirkus bestaunen kann.

So sind ein Mantel, zwei Ponchos, Pantoffeln und noch ein paar andere Kleidungsstücke entstanden. „Die Leute können auch selber mal ausprobieren, etwas zu fertigen“, lädt Schuhmacher ein. „Es ist ja kein Hexenwerk, man braucht nur viel Zeit.“ Und sollte jemand Interesse haben, könne er auch ein Objekt erwerben.

Werden dann vielleicht in ein paar Jahren die Models der Fashion-Week in Wolle gehüllt über den Laufsteg schweben? Schuhmacher lacht. „Nein, ich denke, das wird eher eine Nische bleiben. Auch ich werde sie beruflich nicht großartig nutzen. Es wird ein Hobby bleiben – und ein Geschenk für Freunde und Familie.“

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