Holger Rullhusen hat das Gebäude-Ensemble gekauft und plant Sanierung – auch mit Hilfe eines Vereins

Hotelbetrieb an der Wassermühle

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Das mit Stuck verzierte Wohnhaus aus der Gründerzeit.

Neubruchhausen - Von Frauke Albrecht. Ein Mammutprojekt hat sich Holger Rullhusen vorgenommen. Der Neubruchhauser hat die Wassermühle gekauft und das dazugehörige Wohnhaus mit Scheunen. Das gesamte Ensemble steht unter Denkmalschutz und ist stark sanierungsbedürftig. Holger Rullhusen rechnet mit einem siebenstelligen Betrag. „Es ist reine Liebhaberei“, gibt er zu. Aber er habe sich nunmal in das historische Objekt verguckt.

Nachdem der gebürtige Weyher 2011 mit seiner Frau nach Neubruchhausen gezogen war – auf einen alten Resthof – trat er dem Heimatverein bei und auch dem geschichtlichen Arbeitskreis um Klaus Bergann. Er begann, sich mit der Geschichte Neubruchhausens zu beschäftigen. Zu seinem 50. Geburtstag schenkten ihm Freunde ein Buch mit dem Titel „Die Hache“. Darin stieß er auf einen doppelseitigen Bericht mit Fotos von der Wassermühle. Der letzte Absatz ließ ihn nicht wieder los: Sollte sich ein Liebhaber für das Anwesen finden, wäre Frau Wiese bereit, es zu verkaufen, stand dort. Der Unternehmer kontaktierte die Mühlenbesitzerin und erfuhr, dass Margret Wiese tatsächlich verkaufen wollte. Aber nicht an jeden, das Konzept sollte stimmen.

In Holger Rullhusen wuchs die Idee, das Ensemble zu erwerben. Er sprach mit seiner Frau, mit Freunden und Bekannten über seine Pläne. Er kontaktierte den Heimatverein und die Stadt Bassum. Da es keine Zeichnungen vom Ensemble gibt, suchte er Rat bei Werner Kreitel von der IG Bauernhaus.

Von Anfang an hatte Rullhusen die Idee, das Mühlengebäude wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Und so entschied er sich, das Projekt auf unterschiedliche Füße zu stellen: Das Wohnhaus aus der Gründerzeit möchte er zu einem kleinen Hotel oder einer Pension umbauen. Ein interessiertes Pächterehepaar hat er bereits gefunden.

Das alte Mühlengebäude von 1730 soll mit Hilfe eines noch zu gründenden Vereins restauriert und erhalten werden. „Ähnlich wie bei der Alten Oberförsterei“, erklärt Rullhusen.

Die Gründungsversammlung ist am 10. November um 19.30 Uhr in der Alten Oberförsterei. Rullhusen hofft, dass möglichst viele dem Verein beitreten werden. Er wird für den Vorsitz kandidieren. Sein Plan ist, mit dem Verein einen Erbpachtvertrag für die Mühle abzuschließen. Großer Vorteil eines Vereins: Es gibt ganz andere Fördertöpfe.

Als er seine Idee Margret Wiese vorstellte, fand sie das Vorhaben gut und unterschrieb den Kaufvertrag. „Es fällt mir nicht schwer“, sagt sie – auch wenn sie ihr ganzes Leben auf dem Anwesen verbracht habe. Das Ganze sei ihr in den vergangenen Jahren doch über den Kopf gewachsen. Nun hat die Rentnerin ein Jahr Zeit, auszuziehen. Ein neues Domizil hat sie schon: Sie besitzt ein Haus in Leeste und möchte dort einziehen.

Nach und nach wird Holger Rullhusen schon mal mit den wichtigsten Sicherungsmaßnahmen beginnen. „Vor allem das Dach muss erneuert werden. Es regnet durch.“

Später erfolgt der Umbau des Wohnhauses – die Elektrik muss neu, ebenso die Wasserleitungen und Fenster, Heizung, Sanitärarbeiten et cetera. Das künftige Hotel bietet Platz für etwa sechs bis sieben Zimmer. Weitere Gästezimmer und auch eine Art Veranstaltungsraum könnten in den beiden Scheunen errichtet werden.

Die Wassermühle soll weitestgehend in ihrem urigen Zustand erhalten bleiben und später für Besichtigungen und Kulturveranstaltungen geöffnet sein. „Leider kann sie nicht wieder in Betrieb genommen werden“, bedauert der Investor. Zwar gibt es noch ein Schwungrad, aber keine Turbine. Auch reicht die Wasserkraft für den Betrieb nicht aus. 1980 wurde die Hache verlegt, 2000 noch eine Sohlgleite gebaut. Rullhusen: „Aus Naturschutzsicht sicher gut, aus Sicht des Denkmalschutzes eher nicht.“

Im Dorf hat er bereits viele Unterstützer gefunden. Wer helfen möchte, das Kleinod aus dem Koma zu holen, sollte die Gründungsversammlung nicht verpassen. Um besser planen zu können, bittet Rullhusen bis zum 3. November um Anmeldungen unter Tel. 0151/15250584.

Zur Mühle: Erstmals erwähnt wird die Mühle mit Wasserkraft im Jahre 1609. Der heutige Fachwerkteil stammt aus dem Jahre 1730, das stuckverzierte Wohngebäude aus dem 19. Jahrhundert. Das Wasser der Hache wurde in dem ca. 4000 Quadratmeter großen Mühlenteich gestaut. Die Mühle hatte früher ein Wasserrad, 1930 folgte der Einbau einer Turbine. 1974 wurde der Betrieb eingestellt und die gesamte Mühlentechnik verkauft. Etwa 1980 wurden eine Seite des Mühlenteiches zugeschüttet, die Hache ein wenig verlegt und ein Weg zum Wallgarten errichtet. 2000 wurde neben der Hache noch eine Sohl-Gleite gebaut.

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