Landwirte sorgen sich wegen Preisanstiegs

Volontärs-Tour: Hohe Landpreise ärgern die Bauern

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Auch für Milchbauer Henning Böse aus Bassum sind die steigenden Landpreise ein Problem.

Bassum - Von Anne Schmidtke. Das Landvolk Mittelweser hat die Volontäre (also die Auszubildenden zum Redakteur) der Mediengruppe Kreiszeitung eingeladen, den Schweinehof von Ulrike und Gerd Wohlers in Bassum-Hallstedt und den Milchviehhof von Henning Böse in Bassum-Bramstedt zu besichtigen, um neutral zu informieren.

Die natürliche Ressource Boden ist im Landkreis Diepholz heiß begehrt: Die Nachfrage nach Ackerland übersteigt das Angebot. Das hat zur Folge, dass die Preise in die Höhe schnellen. „Das Pachtniveau ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen“, erklärt Henning Böse. Er bewirtschaftet 130 Hektar Acker- und 40 Hektar Grünland. Zudem gehören zu dem Vollerwerbsbetrieb in Bassum-Bramstedt mehr als 100 Milchkühe. Die Preise für Ackerböden seien in der Region stark angestiegen, weil das Interesse danach immer größer geworden sei, berichtet der Landwirt. Vor allem Höfe aus dem Raum Vechta, die für ihre Massentierhaltung bekannt seien, benötigten die Flächen im Landkreis Diepholz, um ihre Gülle loszuwerden. „Die Bodenpreise sind exorbitant in die Höhe geklettert“, weiß auch Kreislandwirt Wilken Hartje.

Es sei kaum noch möglich, einen Quadratmeter für drei Euro zu erstehen. Vier oder fünf Euro seien wahrscheinlicher. Dass die zu zahlenden Beträge für Ackerfläche so explodiert sind, liegt seiner Ansicht nach zum Teil daran, dass den Landwirten immer weniger Platz zur Verfügung steht. „Täglich werden in der Bundesrepublik etwa 80 Hektar versiegelt“, sagt Lars Nordbruch, Vorsitzender des Landvolks Mittelweser. Das heißt, dass agrarische oder natürlich geprägte Areale in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt werden. Nordbruch informiert außerdem darüber, dass aufgrund des gerade sehr niedrigen Zinsniveaus auch Nicht-Landwirte mit Vorliebe sogenanntes Bodengold erwerben.

Gefragt ist Fläche auch bei den Betreibern von Biogasanlagen. Sie erstehen Land für den Maisanbau. „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz garantiert den Besitzern feste Einspeisevergütungen. Sie erhalten 20 Jahre einen bestimmten Preis für ihren erzeugten Strom“, erklärt Landwirt Böse, der keine Biogasanlage besitzt. 106 davon existierten nach Angaben der Landwirtschaftskammer Ende 2011 bereits im Landkreis Diepholz. Ein Jahr später stand auf 36 Prozent der 110 202 Hektar ackerbaulich genutzten Fläche Mais. Viele Interessenten konkurrieren also um den Boden. „Für den Großteil der Landwirte, die einen Familienbetrieb erwirtschaften, ist es daher fast unmöglich geworden, Flächen zu kaufen oder zu pachten, da sie nicht so viel Geld wie andere auf den Tisch legen können“, bilanziert Böse. Diese Entwicklung mache ihm Angst. Er kennt Bauern, die ihre Höfe auch deswegen aufgegeben haben.

Volontäre der Mediengruppe Kreiszeitung auf Bauernhof-Besuch

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