Höhner-Frontmann Henning Krautmacher im Interview / Konzert am Sonnabend

„Drentwede kenne ich wie meine Westentasche“

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Die Höhner um Sänger Henning Krautmacher (r.) kommen in neuer Besetzung nach Bassum.

Bassum - Von Maik Hanke. Die Höhner, Gute-Laune-Garanten und kölsche Kultband, kommen am Sonnabend nach Bassum. Im Interview mit der Kreiszeitung spricht Frontmann Henning Krautmacher über die Uraufführung von neuen Songs in Bassum, die Rolle der Höhner in der Flüchtlingskrise – und er berichtet vom Urlaub auf dem Bauernhof in Drentwede.

Herr Krautmacher, Ihre aktuelle Platte heißt „Mach laut!“. Wie laut wird es denn am Sonnabend in Bassum?

Henning Krautmacher (lacht): Ich hoffe, dass wir nicht die einzigen sind, die laut machen. Das Ziel der Höhner ist es immer, am Ende eines Konzertes mit allen eine große Party zu feiern. Also, schön laut, aber nicht zu laut.

Welche Rolle spielt denn das Publikum bei einem Höhner-Konzert?

Krautmacher: Die einzig entscheidende. Ohne das Publikum würde kein Konzert funktionieren. Unsere Aufgabe wird es immer sein, die Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern ein ganz kleines Stückchen zu übertreffen. Wenn uns das gelungen ist, sind wir zufrieden. Uns liegt das Wohl des Publikums besonders am Herzen.

Für die Menschen, die Sie vor allem als Band der großen Hits „Viva Colonia“ und „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ kennen: Was kann man bei Ihrem Konzert am Sonnabend noch erwarten?

Krautmacher: Eine ganze Reihe ganz neuer Songs, die so neu sind, dass sie noch gar nicht veröffentlicht sind. Wir werden die eine oder andere Welturaufführung musikalischer Art in Bassum präsentieren. Wir sind nämlich gerade dabei, die Songs, die wir in Südfrankreich im Studio aufgenommen haben, in unseren Kölner Studios zu mischen. Im Januar kommt die neue Höhner-CD heraus. In Bassum werden wir schon das eine oder andere Lied ausprobieren.

Was können Sie über die neue Platte verraten?

Krautmacher: Wir haben eine neue Besetzung. Die Ur-Höhner Peter Werner und Janus Fröhlich haben sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Zu uns gehören jetzt am Schlagzeug Wolf Simon und am Keyboard Micki Schläger. Und wenn zwei neue Musiker in eine Band kommen, wirkt sich das natürlich auf die kreative Arbeit aus. Also nicht nur auf die Live-Arbeit auf der Bühne, sondern auch auf Kompositionen und Texte. Und wir waren in diesem Jahr sehr, sehr fleißig. Es wird ein Album geben mit insgesamt 20 Songs, das ist gigantisch viel. Normalerweise kriegt man heutzutage ein Album mit 12, 13 Songs. Aber die Höhner waren so fleißig, da ist für jeden was dabei. Nachdenkliche Songs, schöne Balladen, Songs mit Zeitgeist.

Die aktuelle Single „Kumm loss mer danze“ passt zu unserer Höhner-Vision, wie wir unsere Willkommenskultur in Deutschland gestalten – wir erwarten ja immer noch Hunderttausende von Menschen, die auf der Flucht sind. Und unsere Vision ist, dass wir diese Menschen als Chance sehen, wir irgendwann alle integrieren können und mit ihnen das machen, was wir jederzeit gerne tun. Zusammen singen, tanzen, lachen – ganz wichtige lebensbejahende Dinge.

Welche Rolle kann bei diesem Thema Musik spielen, was können die Höhner bewirken?

Krautmacher: Musik fängt da an, wo die Sprache aufhört. Wir werden Verständigungsschwierigkeiten haben mit den Menschen, die nach Deutschland kommen. Und der größte gemeinsame Nenner wird dabei unter anderem die Möglichkeit sein, zusammen musizieren zu können, zusammen tanzen zu können. Wir sind dabei, uns in Köln in den Flüchtlingslagern vorzustellen und nach Menschen zu suchen, die mit uns gemeinsam singen wollen. Wir sind dabei, einen Chor zu bilden aus Menschen, die aus fernen Ländern kommen, und wir wollen den Chor mitunter mitnehmen und vielleicht in einem Jahr schon eine Gruppe von zehn bis zwölf Menschen haben, die mit uns gemeinsam singen.

Sie sind ja eigentlich vor allem als Gute-Laune-Band bekannt. Mischen die Höhner jetzt einen ernsteren Klang unter die gute Laune?

Krautmacher: Das ist ja eine Frage der Wahrnehmung. Klar, unser Image ist das der Stimmungsband. Aber die, die uns schon länger kennen, wissen, dass wir schon seit einem Vierteljahrhundert gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Rechts und Gewalt gesungen haben. Ein durchaus ernstes Thema. Aber auch heute müssen wir leider Gottes immer noch zu diesem Thema Stellung beziehen. Wir sind keine unpolitischen Menschen, allerdings geben wir gerne zu, dass es ja viel, viel schöner ist, sich mit den schönen Dingen im Leben zu beschäftigen. Aber wir verschließen die Augen nicht.

Sie haben es angesprochen, Sie haben zwei neue Musiker in ihren Reihen. Ansonsten ist Ihre Band schon sehr lange zusammen unterwegs gewesen, es gibt mittlerweile 33 Höhner-Alben. Braucht es manchmal neue Impulse für neue Ideen von neuen Musikern?

Krautmacher: Wir sind sogar sehr erstaunt darüber, dass es bei der Kreation des neuen Albums einen solchen Schub nach vorne gegeben hat. Manchmal hat man ja so das Gefühl, man hat über alles und jeden schon einmal berichtet, also einen Song geschrieben. Aber im vorliegenden Fall gab es so viel neuen Input und so viel Lust, dass uns so viele neue Titel gelungen sind.

Trotzdem sind ja auch viele weiterhin an Ihren Kultsongs interessiert. Sie ahnen es, wir müssen kurz über die Kölner Hymne „Viva Colonia“ sprechen. So gerne auch die Bassumer das Lied hören – meinen Sie nicht, sie würden noch viel lieber „Viva Bassumia“ hören wollen?

Krautmacher: Das ist keine neue Idee. Es gibt eine ganze Reihe von Menschen auf der Welt, die diesen Song gecovert haben. „Viva Colonia“ gibt es in vielen Sprachen, zum Beispiel eine südafrikanische Version, „Viva South Africa“, eine polnische, „Viva Polonia“, eine holländische, „Viva Hollandia“, eine englische, da heißt es „Viva Englandia“, eine dänische, da kann ich den Titel leider nicht aussprechen, eine bayrische, „Viva Bavaria“. Und warum also nicht „Viva Bassumia“? Wunderbar!

Können Sie sich vorstellen, das am Sonnabend zu improvisieren?

Krautmacher: Also, wenn die Menschen vor der Bühne ihre Version anstimmen, werden wir sie mit Sicherheit nicht ausbremsen. Wir würden sie sicherlich unterstützen. Das Fünkchen Lokalkolorit muss immer möglich sein. Und wir finden ja auch: Es lebe Bassum. Wenn Bassum nicht leben würde, wären wir ja nicht da. (lacht)

Sie verkörpern den kölschen Lokalkolorit. Wie erklären Sie sich, dass Sie bundesweit so gut ankommen?

Krautmacher: Authentizität ist ein ganz großes Thema geworden. Spätestens seit Bläck Fööss, BAP und den Höhnern ist die kölsche Mundart durchaus kultiviert in ganz Deutschland. Aber nicht nur das Kölsche. Nehmen wir doch mal Andreas Gabalier, der sehr starkes Österreichisch singt und unglaublich erfolgreich ist. Also, Mundart wird wieder geschätzt. Weil die Menschen ganz klar sagen: Ja, das ist toll, wenn einer authentisch ist und in seiner Muttersprache singt. Viele Dinge kann man in seiner Muttersprache besser ausdrücken als mit, sagen wir mal, strengem Hochdeutsch. Plattdüütsch ist ja auch eine wunderschöne Sprache für den Gesang. Ich finde es toll, wenn man erkennt, wo einer herkommt.

Würden Sie ein bisschen Plattdüütsch zusammenkriegen?

Krautmacher: Nicht so wirklich. Aber gerade in der Nähe von Bassum habe ich ganz, ganz häufig Urlaub gemacht. Ich kenne die Ecke Barnstorf/Drentwede/Diepholz wie meine Westentasche. Da habe ich als Kind schon meinen Urlaub verbracht: Urlaub auf dem Bauernhof Uhlhorn in Drentwede. (lacht)

Welche Erinnerungen haben Sie an die Region?

Krautmacher: Eigentlich nur schöne – bis auf eine unschöne. Da bin ich mal im Frühjahr auf den Hof Uhlhorn gekommen, und wir wollten ausreiten. Da habe ich dann verstanden, was es heißt, wenn man sagt: Dich sticht der Hafer. Wir haben die Pferde aus den Stallungen geholt – das war der erste Tag, an dem sie wieder auf die Weide konnten –, und ich hab das Pferd wohl ein bisschen zu locker gefasst und unterschätzt, dass das Tier eine diebische Freude hatte, aus dem Stall raus zu können, frische Luft zu schnuppern und sich endlich wieder auszutoben. Jedenfalls sprang der Wallach einmal in die Höhe und keilte mit allen Vieren aus und hat mich genau in den Magen getroffen. Das werd‘ ich mein Leben lang nicht vergessen. (lacht) Aber alle anderen Erfahrungen an die Zeit in Drentwede waren wunderschöne, traumhafte Erinnerungen!

Wann waren Sie zuletzt im Landkreis?

Krautmacher: Ist noch gar nicht so lange her. Vor einem Dreivierteljahr ungefähr, da waren wir auch bei den Uhlhorns – da verbindet uns wirklich eine Freundschaft. Da haben wir ein wunderschönes Wochenende verbracht, ein bisschen gefeiert und alte Urlaubserinnerungen wieder aufgefrischt. Einfach mal wieder schön.

Herr Krautmacher, vielen Dank für das Gespräch.

Die Höhner spielen am Sonnabend ab 21 Uhr in der Bassumer Sporthalle am Schützenplatz. Die Warm-up-Party beginnt bereits um 19 Uhr mit einem DJ und einem Auftritt der Sängerin Nadine Prinz.

Stehplatz-Tickets für das Konzert gibt es noch bei den Vorverkaufsstellen von Nordwestticket, zum Beispiel bei der Kreiszeitung. Im Bürgerservice der Stadt gibt es keine Karten.

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