Stift Bassum: Renovierung kostet 1,2 Millionen Euro

Interessante Entdeckungen bei Arbeiten in der historischen Abtei

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Das Erdgeschoss im Stift Bassum ist entkernt. 40 Zentimeter tief haben die Handwerker den Boden ausgekoffert. Jetzt ist das Kellergewölbe gut sichtbar – und genauso, wie das Fachwerk aus dem Jahre 1754 mit Ziegeln ausgemauert worden.

Bassum - Von Anke Seidel. Wenn diese Mauern und Steine erzählen könnten – sie hätten wohl spannende Geschichten zu berichten. Vom Leben der Kapitularinnen im Stift Bassum, die über die Jahrhunderte in der Abtei lebten. Noch heute prägt das markante Fachwerkhaus, das wahrscheinlich in den Jahren von 1754 bis 1757 auf dem Stiftshügel errichtet wurde, das Stadtbild in Bassum. Zurzeit wird das historische Gebäude für rund 1,2 Millionen Euro saniert.

„Es ist vielleicht der größte Eingriff seit dem Bau der Abtei“, sagt Äbtissin Isabell von Kameke. So behutsam wie möglich gehen Kunsthistoriker und Handwerker deshalb ans Werk – ganz in der Tradition des Hauses, aber auch mit neuen technischen Möglichkeiten und immer mit dem Ziel, das bauliche Erbe zu bewahren.

Es ist ein Jahrhundert-Projekt, die insgesamt 720 Quadratmeter umfassenden Räume der Abtei zu sanieren und zu renovieren. Rund 40 Zentimeter tief haben die Handwerker und Restauratoren den Boden bis auf den Sand abgetragen, in dem sich die runden und erhabenen Kellergewölbe abzeichnen.

Zwischen den nackten Fachwerkbalken sind Backsteine zu sehen, manchmal auch ein eigentümliches Gemisch aus Feldsteinen und Geröll. Offensichtlich haben die früheren Bauherren all das bewusst verwendet. „Auch Dachpfannen“, weist die Äbtissin auf Scherben in der Steinfüllung.

Äbtissin Isabell von Kameke im Erdgeschoss des Stifts, das während der Bauzeit aus einer besonderen Perspektive zu bewundern ist.

Bevor die Handwerker Ständer und Fachwerk freigelegt haben, untersuchten Kunsthistoriker und Baufachleute der Klosterkammer das historische Gebäude akribisch – und leiteten aus den Ergebnissen die optimalen Sanierungsmaßnahmen ab.

Vorsichtig und Schicht für Schicht kam auf diese Weise ans Tageslicht, was über die Jahrhunderte verschollen war. „Wir haben Tapetenreste aus der Biedermeier-Zeit gefunden an Stellen, wo man sie nie vermutet hätte“, berichtet die Äbtissin über einen solchen Fund.

Genauso unvorstellbar waren die „Autogramme“, die Handwerker hinterlassen haben. „Zimmer tapeziert am 26. 4. 1985“ hat ein Malermeister in schwungvoller Schrift auf dem Untergrund der Tapeten hinterlassen. Ein anderer Handwerker verewigte sich am 9. 2. 1993 an einem Balken.

Jetzt führt dort Daniel Kiffer das Regiment – und bringt speziellen Lehm auf die Innenwände. Kein Hohlraum darf unter den neuen Dämmplatten bleiben. Bei dieser Technik vereinen sich historische Bauweise und moderne Energiespar-Technik wie aus einem Guss.

Daniel Kiffer trägt ein spezielles Lehmgemisch auf die Wände auf, die anschließend mit Dämmplatten versehen werden.

Diese Symbiose prägt auch die anderen notwendigen Arbeiten im Haus, zu denen das Legen neuer Leitungen gehört.

Nicht immer läuft alles so glatt wie erhofft: Im Laufe der Jahrhunderte hat sich an zwei Stellen im Gebäude Hausschwamm festgesetzt, der fachmännisch behandelt werden muss.

Was ist notwendig und was ist nachhaltig? Diese Frage muss bei diesem historischen Bauprojekt immer wieder beantwortet werden. Nachhaltig ist zum Beispiel die neue Kellertreppe aus Metall, obwohl die historische aus Holz war. Doch Messungen und Kernbohrungen haben bewiesen: „Im Keller darf kein Holz mehr sein!“, berichtet die Äbtissin über das Ergebnis.

Auch der Keller der Abtei birgt ein Geheimnis: Bei den Restaurierungsarbeiten fanden die Handwerker eine Rillen-Konstruktion aus Ziegeln. Handelt es sich womöglich um eine Abfluss-Leitung für Kondenswasser?

Ein Malermeister hat sich schreibend im Stift verewigt. Sein „Autogramm“ kam unter der alten Tapete zum Vorschein.

Im Erdgeschoss haben Kunsthistoriker eine beeindruckende Schablonenmalerei frei gelegt. Kunstvoller Wandschmuck, den die Besucher in der Zukunft bestaunen dürfen. Doch die Bauerarbeiten dauern noch bis ins kommende Jahr hinein.

„Wir hoffen auf Fertigstellung im Februar“, nennt Äbtissin Isabell von Kameke einen Wunschtermin – und lobt die Leistungen der Hochbauarchitekten und der Bauleitung der Klosterkammer.

Die Möbel des Stifts und seine Schätze bleiben also noch über Monate eingelagert – und der Kapitelsaal, das Herzstück des Hauses, ist solange mit einer Staubtür gesichert. Der historische Saal und seine Nebenräume sind von den Bauarbeiten ausgenommen.

Die Äbtissin wird eine der neuen Abtei-Wohnungen beziehen

 

Zukunftsfähig soll die Abtei gestaltet werden. Deshalb entstehen auf der ersten Etage zwei moderne Wohnungen in einer Größe von jeweils 90 Quadratmetern sowie eine weitere mit 100 Quadratmetern im Erdgeschoss (plus eine kleine Gästewohnung von 30 Quadratmetern). 

Eine davon bezieht Isabell von Kameke als Äbtissin – und wird dann wieder von der Abtei aus die Geschicke des Bassumer Stifts leiten. So, wie es seit Jahrhunderten Tradition ist.

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