Polizei und Volksbank informieren

Hinter Hilferuf lauert Straftat

Selbstverständlich hat auch Michael Wessels einen Dienstausweis der Polizei. Ganz bewusst zeigt er ihn bei seinem Vortrag öffentlich, denn Betrüger sind oft mit Fälschungen unterwegs.
+
Selbstverständlich hat auch Michael Wessels einen Dienstausweis der Polizei. Ganz bewusst zeigt er ihn bei seinem Vortrag öffentlich, denn Betrüger sind oft mit Fälschungen unterwegs.

Ein vorgetäuschter Notfall am Telefon oder direkt an der Haustür: Betrüger nutzen die Hilfsbereitschaft anderer Menschen schamlos aus, um an Bargeld oder Schmuck zu kommen. Michael Wessels, Beauftragter für Kriminalprävention bei der Polizeiinspektion Diepholz, stellt klar: Es kann jeden treffen.

Bassum – 30 000 Euro hebt ein 80-Jähriger von seinem Konto ab, um es einem Unbekannten gegen Nennung eines Code-Wortes zu übergeben. Angeblich kommt der Mann im Auftrag seiner Enkelin, die dringend Hilfe in einer Notlage braucht. Angeblich. Denn der Senior sieht sein Geld nie wieder. Er ist Opfer eines Enkeltrick-Betrügers geworden – und zutiefst erschüttert: „Sein Motto war immer: Wer mich beschubsen will, muss erst noch geboren werden“, beschreibt Michael Wessels, Beauftragter für Kriminalprävention bei der Polizei im Landkreis Diepholz, den Charakter des Betrugsopfers.

Warum fällt ein Mann, der jahrzehntelang selbstständig und erfolgreich war, auf einen solchen Trick herein? Wie können Kinder und Enkel dazu beitragen, dass ihre Eltern und Großeltern von einer solch schockierenden Erfahrung verschont bleiben? Fragen, auf die der Präventionsbeauftragte Antworten gibt – auf Einladung der Volksbank Bassum/Syke und in einer Video-Veranstaltung. Ganz bewusst haben Gastgeber und Referent dieses Format gewählt: „Wir haben gehofft, dass Kinder und Enkel gemeinsam mit den Senioren teilnehmen“, erklärt Michael Wessels. Denn davon könnten am Ende alle profitieren.

Jeder kann Opfer von Betrügern werden

Es sind 17 Teilnehmer, die an diesem Abend aus ihren Wohnzimmern dabei sind – und erfahren, dass jeder Opfer von Betrügern werden kann. Konkrete Fälle, die Michael Wessels anschaulich schildert, beweisen das. Wie das Erlebnis einer Frau in den 60ern, deren Mann verreist ist und bei der um 23 Uhr völlig unerwartet das Telefon klingelt. Man kann sich vorstellen, wie die Frau mir klopfendem und angstvollen Herzen den Hörer abnimmt – und die Stimme eines „Polizisten“ hört.

Der Mann berichtet von drei Männern, die sich angeblich auf dem Grundstück der Frau befinden – und beruhigt sie: „Bleiben Sie im Haus. Wir haben alles im Griff.“ Der „Polizist“ gewinnt tatsächlich das Vertrauen der Frau. „Dann wird geplauscht“, erläutert Michael Wessels, „und es wird lange geplauscht...“. Wie fast nebenbei sogar über Schmuck, Festgeldkonten und andere Wertsachen. In diesem Fall hätten sich „Polizist“ und die Dame auf ein weiteres Telefongespräch am nächsten Tag verständigt. Mittlerweile misstrauisch geworden, handelt die Frau rein rational – der Betrugsversuch scheitert.

Nicht so bei besagtem 80-Jährigen. Er ist nicht nur Opfer des Enkeltrick-Betrügers geworden, sondern auch seiner eigenen Überzeugung, Betrugsversuche sofort entlarven zu können. Und: Im Alltag mit seinen stetig wechselnden Herausforderungen denkt kaum jemand daran, Opfer eines Betrügers werden zu können.

Selbst vor der Liebe machen Kriminelle nicht Halt

Vor allem dann nicht, so stellt Michael Wessels klar, wenn sie in einer vermeintlichen Notsituation um Hilfe gebeten werden. Wie von dem Ehepaar, das plötzlich an der Haustür klingelt: „Meine Frau ist schwanger, ihr läuft das Fruchtwasser weg.“ Mit diesen Worten bittet der vermeintliche werdende Vater um Einlass, um per Telefon einen Notruf abzusetzen. In Wirklichkeit aber wird blitzschnell die Wohnung nach Bargeld und Wertsachsen durchsucht.

Selbst vor der Liebe machen Kriminelle nicht Halt – und einsame Frauen zum Opfer. Wie die 74-Jährige, die im Internet über ein Dating-Portal einen Mann kennenlernt. Man chattet, tauscht Informationen aus. „Die Täter nehmen sich Zeit. Ganz ganz viel Zeit...“, weiß Michael Wessels. Erst beiläufig berichtet der Mann von einer todkranken Nichte in den USA und den hohen Behandlungskosten. Als die Frau finanzielle Hilfe anbietet, lehnt der Mann zunächst ab – um später doch Geld anzunehmen: Betrag um Betrag und Betrag. „Sie hat ihm Geld gegeben, das am Ende schon nicht mehr ihr eigenes war“, beschreibt Michael Wessels die Tatsache, dass der Mann die 74-Jährige um ihre gesamte Habe gebracht hat – ohne ihn vorher nur einmal von Angesicht zu Angesicht gesehen zu haben.

Täter nutzen Hilfsbereitschaft schamlos aus

„Täter sind erfinderisch. Sie können sehr gut schauspielern“, betont der Präventionsbeauftragte. „Täter erschleichen sich Vertrauen. Sie nutzen Aufregung und Hilfsbereitschaft schamlos aus“, warnt Michael Wessels.

Niemals, so klärt er auf, würde sich die Polizei bei einem Bürger unter 110 melden. Und rät: „Legen Sie den Hörer auf, sobald Geld gefordert wird.“ Und sollte vermeintlich eine „Enkelin“ anrufen: „Vergewissern Sie sich, dass der Anrufer wirklich ein Verwandter ist. Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen bisher bekannten Nummer zurück.“

Vor allem: Niemals Geld an einen Unbekannten übergeben – auch nicht mit Codewort. „Wenden Sie sich unter dem Notruf 110 an die Polizei“, wirbt Wessels dafür, sich sofort Hilfe zu holen.

Niemals Geld an einen Unbekannten übergeben!

Dass Betrüger auch versuchen, sich im Namen eines Bankinstituts per Telefon oder E-Mail Geld zu erschleichen, weiß Volksbank-Regionalleiter Carsten Liebich aus Erfahrung. Und warnt: „Wir fragen nie nach ihrer Konto- oder Kreditkartennummer oder PIN, nach TAN oder Passwörtern.“ Grammatik- und Orthografiefehler in Anschreiben seien verdächtig: „Wir kontrollieren unsere Briefe mehrfach und mehrfach und mehrfach“, auch wenn selbst dann ein Flüchtigkeitsfehler nicht auszuschließen sei.

Weiter Info-Abende

Dienstag, 1. Juni: Betrug an der Haustür; Donnerstag, 3. Juni: Gewinnversprechen am Telefon oder über das Internet – jeweils 19 Uhr als Online-Veranstaltung. Anmeldung online unter www.volksbank-syke.de/schutzvorbetrug oder telefonisch: 04241/85 85 8.

Links zum Thema

Zentrale Informationen der Polizei: www.polizei-beratung.de

Informationen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie:

www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/verbraucherinnen-und-verbraucher_node.html

Ratgeber Internetkriminalität: www.polizei-praevention.de

Schon gehackt? Eigene E-Mail-Adresse überprüfen: www.polizei-praevention.de/themen-und-tipps/serviceangebot/datencheck

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Meistgelesene Artikel

Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio

Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio

Barnstorfer Bauherr Stefan Bruns baut Tankstelle und Fitnessstudio
Leester Straße in Weyhe wird verbreitert: „Ohne Behinderungen geht es nicht“

Leester Straße in Weyhe wird verbreitert: „Ohne Behinderungen geht es nicht“

Leester Straße in Weyhe wird verbreitert: „Ohne Behinderungen geht es nicht“
Genossenschaft will in Schwarme fünf Millionen Euro in Schlachthof investieren

Genossenschaft will in Schwarme fünf Millionen Euro in Schlachthof investieren

Genossenschaft will in Schwarme fünf Millionen Euro in Schlachthof investieren
Archäologen rekonstruieren Unglück im Moor – dank Sandale und Achse

Archäologen rekonstruieren Unglück im Moor – dank Sandale und Achse

Archäologen rekonstruieren Unglück im Moor – dank Sandale und Achse

Kommentare