Kein Konsens

Bassumer SPD diskutiert mit Anwohnern über Hindenburgstraße

Eine Debatte ohne Annäherung: Jonathan Kolschen (von links) und Christoph Lanzendörfer tauschten sich mit Günter Lettau und Helmut Behrens aus.
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Eine Debatte ohne Annäherung: Jonathan Kolschen (von links) und Christoph Lanzendörfer tauschten sich mit Günter Lettau und Helmut Behrens aus.

Kein gemeinsamer Nenner – aber zumindest hat man miteinander gesprochen. So könnte das Fazit des Treffens lauten, zu dem die Bassumer SPD-Fraktion die Anwohner der Hindenburgstraße eingeladen hatte. Anlass war der Antrag der Sozialdemokraten, die Hindenburgstraße in Friedrich-Ebert-Straße umzubennen, weil Hindenburg es in ihren Augen nicht verdiene, Pate für eine Straße zu sein.

Bassum – Die Anwohner lehnen diesen Vorschlag ab. Günter Lettau und Helmut Behrens waren als Vertreter der Anlieger zur Freudenburg gekommen, um sich dort mit Fraktionschef Christoph Lanzendörfer und Jonathan Kolschen auszutauschen. „Wir wollen damit zeigen, dass man trotz gegensätzlicher Ansicht vernünftig und respektvoll miteinander reden kann“, so Lanzendörfer. Das geschah auch.

Zwei Anläufe zur Umbenennung der Hindenburgstraße bisher fehlgeschlagen

In einer kurzen Einleitung umriss Lanzendörfer zunächst die Geschichte der Straße, die 1933 von Kaiserstraße in Hindenburgstraße umbenannt wurde – und zwar durch den gleichen Antrag, der aus der Straße, die heute Lange Wand heißt, eine Adolf-Hitler-Straße und aus Hitler und Hindenburg Ehrenbürger der Stadt Bassum machte. „Es gibt also einen inhaltlichen Zusammenhang“, verdeutlichte Lanzendörfer, warum der SPD das Thema so wichtig ist.

Die Adolf-Hitler-Straße hat einen neuen Namen und die Ehrenbürgerschaft ist seit 2014 durch einen Antrag der SPD beendet worden. Nun ist die Hindenburgstraße als letztes Relikt dieses Antrags noch übrig, der zeigt, dass Bassum eine Hochburg der NSDAP gewesen ist. Es gab bereits zwei Anläufe, dieses Relikt aus dem Stadtbild zu tilgen, einmal Ende der 70er-Jahre und einmal in den 90er-Jahren.

Anwohner fordern, historische Persönlichkeiten im Kontext ihrer Zeit zu bewerten

Die SPD startet nun den dritten Versuch. Es gehe darum, eine faschistische Benennung umzukehren und auf diese Weise mit Ebert einen „Reichspräsidenten zu ehren, der sich für die Demokratie stark gemacht hat“, fügte Kolschen hinzu. Anders als Hindenburg.

Von dem zeichnete Lanzendörfer das Bild eines korrupten „Kriegsverbrechers“ und „Grüßaugusts“, der eigennützig gehandelt habe und kein Vorbild sei. Dem mochten sich Lettau und Behrens so nicht anschließen. Sie erklärten, dass man historische Persönlichkeiten im Kontext ihrer Zeit sehen müsse. „Wir sind hier nicht vor Gericht“, so Lettau.

Das Gespräch erinnerte bisweilen an eine Art Ping-Pong-Spiel: „Er ist nie als Kriegsverbrecher verurteilt worden“, erinnerte Behrens, der sich an der Bezeichnung störte. „Das sind Hitler und Himmler auch nicht“, wandte Lanzendörfer ein. „Er war dagegen, Hitler zum Reichskanzler zu machen“, sagte Lettau. „Und doch hat er es getan, um die Kritik der NSDAP an der Osthilfe zum Verstummen zu bringen“, so Lanzendörfer.

Anwohner der Hindenburgstraße werden weiter Unterschriften sammeln

Während man sich bei der Einschätzung der Person Hindenburgs nicht einig werden konnte, gab es zumindest in einem Punkt eine kleine Annäherung. Behrens verdeutlichte noch einmal den enormen Aufwand, den die Umbenennung für die Anwohner bedeuten würde. „Es sind auch viele alte Leute darunter, die schon so lange dort leben und sich diese Arbeit nicht mehr zumuten wollen.“ Außerdem sei die Straße auch eine Art Heimat, fügte Lettau hinzu.

Dafür zeigte Lanzendörfer Verständnis. Allerdings sagte er auch: „Das ist nur ein Aspekt.“ Und in den Augen der SPD falle die Außenwirkung Bassums mehr ins Gewicht.

Das sahen Lettau und Behrens anders. Für sie stand fest: „Wir wollen den Namen behalten. Und alle Anlieger teilen diese Meinung. Wir werden weiter Unterschriften gegen die Umbenennung sammeln. Und bevor diese geschieht, sollten die Leute befragt werden.“

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