Hilfe zur Selbsthilfe: Flüchtlinge helfen Flüchtlingen beim Umzug / Stadt Bassum sucht weiter nach Wohnraum

Vier feste Wände nach einem Jahr Mobilheim

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Alen Mekowic und Enice Cecic packen mit an. Die neuen Betten müssen aufgebaut werden.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Die neunjährige Eliona kann es kaum erwarten. Der große Tag ist da: Ihre Familie zieht um. Vom Containerdorf am Graf-Zeppelin-Ring an die Hindenburgstraße. Seit einem Jahr lebt die fünfköpfige Familie in dem Mobilbau. Nun haben sie endlich eine Wohnung gefunden. „Und ich freue mich am meisten auf mein Zimmer“, sagt Eliona in perfektem Deutsch. Das Schlafzimmer wird sie sich mit ihren beiden kleineren Brüdern teilen. Sie hat die Wohnung noch nicht mit eigenen Augen gesehen, deshalb ist sie zappelig.

„Geht gleich los“, verspricht Hans-Jürgen Donner. Der Mitarbeiter des Bassumer Ordnungsamtes koordiniert den Umzug und kümmert sich auch sonst um das Wohlbefinden der Flüchtlinge. „Wir müssen uns beeilen“, sagt er dann mit Blick auf die Armbanduhr.

Im Rathaus wartet bereits eine weitere Flüchtlingsfamilie darauf, einziehen zu können. Zwei Erwachsene mit Kind. Sie werden in einem der freiwerdenden Container untergebracht. Nicht in den der Familie Zoto, sondern in den von Toni Beganai. Auch für ihn konnte eine Wohnung gefunden werden. Donner: „Das bisherige Heim der Zotos wird bis zum Abend ebenfalls belegt sein.“

Das ist die große Herausforderung, vor der die Stadt Bassum steht. Es muss gelingen, die Flüchtlinge, die noch kommen, unterzubringen. Und am besten nicht in Wohnwagen, sondern in Wohnungen.

Am Dienstag erhielt Bassums Erster Stadtrat Norbert Lyko eine Mail, dass am kommenden Dienstag, also am 11. August, 90 weitere Flüchtlinge im Landkreis Diepholz ankommen. Diese werden auf die einzelnen Kommunen verteilt. „Unsere Quote wären vier Personen“, sagt Lyko. Er rechnet bis Ende September mit 60 weiteren Personen. Händerringend sucht die Stadt Wohnraum. Viele Vermieter hätten sich gemeldet. Aber es sind noch nicht genug.

Familie Zoto hat Glück, darf nach einem Jahr im Mobilheim umziehen. Ihre Habseligkeiten sind gepackt. Aber noch müssen die Fünf warten, bis der Mietwagen, den Donner mitgebracht hat, leergeräumt ist. Der Ordnungsamtsmitarbeiter hat sich Helfer mitgebracht. Alen Mekowic und Enice Cecic, selbst Flüchtlinge, packen mit an. Im Nu haben sie die Kartons aus dem Auto gewuchtet und beginnen mit dem Aufbau. „Wir tauschen die Betten und Matratzen aus“, erklärt Donner. Und auch sonst werden kleinere Reparaturen erledigt. Die Ausstattung in den Containern ist einfach, die Bauweise nicht gerade sehr stabil. Intensiver Gebrauch hinterlässt Spuren.

Die beiden Männer machen die Arbeit nicht zum ersten Mal. Jeder Handgriff sitzt. „Ohne Unterstützung wäre das gar nicht zu schaffen“, lobt Donner das Engagement der Freiwilligen.

„Die gegenseitige Hilfe der Flüchtlinge untereinander ist groß“, freut sich Donner. Ziel des Arbeitskreises Willkommen in Bassum sei es, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Diesem Ziel scheint man so langsam näher zu kommen.

Eliona hätte am liebsten auch mit angepackt. Doch dafür ist die Neunjährige noch zu klein. Stattdessen übersetzt sie fleißig. Sie geht in die Grundschule Petermoor. „Und ihr Deutsch ist hervorragend“, lobt Donner und hofft, dass die Zotos von ihren neuen Nachbarn mit offenen Armen empfangen werden.

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