Helmut Behrens freut sich über Ehrenamtsmedaille 

Der Herr der Freudenburg sagt „Danke“

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Preisträger Helmut Behrens mit Medaille.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Das schreiben Sie aber bitte nicht.“ Helmut Behrens steht nicht gern im Mittelpunkt, und schon gar nicht möchte er sich mit Erfolgen brüsten. Deshalb war der häufigste Satz im Gespräch mit der Kreiszeitung: „Das ist aber nichts für die Zeitung.“ Helmut Behrens gehört zu den diesjährigen Preisträgern der Bassumer Ehrenamtsmedaille.

„Die Auszeichnung hat er sich verdient. Auch wenn er das nicht gerne hört, ist aber so“, sagen ihm nahestehende Menschen. Seit 39 Jahren engagiert sich Helmut Behrens im Kultur- und Heimatverein. Der frühere Landrat Gerd Stötzel prägte den Ausdruck „Herr der Freudenburg“. Behrens winkt ab: „Man ist nur so gut, wie die Mitglieder es zulassen. Ich habe eine tolle Truppe gehabt.“

Der 73-jährige Frisörmeister steht zwar nicht mehr in der ersten Reihe, ist als Ehrenvorsitzender dem Heimatverein aber immer noch sehr verbunden. „Es ist noch lange nicht Schluss. Ich habe noch viele Ideen“, hatte er während der Feierstunde im Vorwerk versprochen.

Damals hatte er besonders einer Person gedankt, die ihm in all den Jahren den Rücken gestärkt hat: seiner verstorbenen Frau. Für sie galt: „Geht nicht, gibt‘s nicht“. Sie hatte die Ideen. Der Bassumer Schirm: „eine Idee meiner Frau“. Die Bassumer Schokolade: „meine Frau“. Die Bassumer Gläser: „meine Frau“. Er habe zwar oft zu hören bekommen: „Erst kommt der Verein, dann wir“. Dennoch sei sie die Erste gewesen, die sagte: „Das wäre doch was für euch.“

Darüber hinaus sei sie eine „tolle Ehefrau, gute Köchin, Top-Frisörin, wunderbare Mutter“ gewesen – „es gibt nichts, was sie nicht konnte“. Helmut Behrens vermisst sie tüchtig.

„Ich habe ihr die Haare geschnitten, da war sie noch ein Kind“, erinnert er sich. Was für ein Zufall, dass sie später in seinem Laden lernte.

Trotz vieler Arbeit blieb Zeit Geselligkeit

Schon früh musste der Bassumer im Salon seines Stiefvaters und seiner Mutter helfen. „Ich wurde vom Fußballspielen geholt, um Wickler rauszulegen oder den Laden zu fegen“, erzählt er. Er sei nicht unzufrieden gewesen. Er kannte es nicht anders.

Aber Behrens hatte auch Talent. Er machte als jüngster Teilnehmer seinen Meister und nahm erfolgreich an Wettbewerben teil. Übrigens steht der 73-Jährige noch heute im Laden und hilft seiner Schwiegertochter.

Trotz der vielen Arbeit blieb Zeit für Geselligkeit – für Reisen, die Kinder und Hobbys. Und für den Sport. Der spielte im Leben von Helmut Behrens eine große Rolle: Fußball, Tischtennis und vor allem Laufen – Langstreckenlauf. „Das brauchte ich als Ausgleich.“ Eine Zeitlang war er so verrückt, da lief er sogar zum Tischtennis, statt zu den Turnieren zu fahren.

Und eines Tages kam – ganz unvermittelt – ein weiteres Hobby hinzu. Er traf einen Briefmarken- und Münzsammler und kaufte ihm zehn Postkarten von Bassum ab. Die weckten die Sammelleidenschaft. Heute umfasst sein Fundus 3000 Karten.

Behrens sammelt alles, was mit Bassum zu tun hat, vom Schuhanzieher bis zu alten Rechnungen. Er hat an fünf Büchern mitgearbeitet und hält regelmäßig Vorträge.

Diese Vorliebe für Heimatgeschichte brachte ihn 1983 zum Kultur- und Heimatverein. Anfänglich pflegten die Mitglieder Plätze in ganz Bassum, konzentrierten ihr Wirken später aber auf das Gelände der Freudenburg, nachdem die Stadt das Gebäude vom Turnerbund Bremen für eine Mark gekauft hatte. Nach und nach sorgte der Heimatverein dafür, dass sich das Ensemble vergrößerte – angefangen bei der Heimatstube, dann kamen das Verlies, die Durchfahrtsscheune, die Hochzeitsterrasse, Toilette, Wirtschaftspavillon... Und nicht zu vergessen die Klosterbachmuschel.

Zwölf Jahre Geschicke des Vereins geleitet

„Die Idee einer überdachten Bühne hatte bereits der frühere Vorsitzende Bernhard Danielson“, erzählt Behrens. Doch er selbst war es, der die Muschel realisierte. „Es war an einem Sonntag“, erinnert er sich. „Meine Frau und ich saßen im Garten und schauten den Fernsehgarten.“ Plötzlich erblickte Behrens auf dem Bildschirm eine Konzertmuschel – und war hin und weg. Die sollte es sein. Er ließ nicht locker, mobilisierte Bürgermeister Gerd Stötzel und Bernhard Danielson. Gemeinsam fuhren sie nach Nordhausen. Im Jahr 2000 wurde die Klosterbachmuschel an der Freudenburg eingeweiht. „Stellen Sie sich vor, sie hat 125 000 Mark gekostet. Spottbillig“, so Behrens. Das meiste hat der Verein bezahlt – wie so vieles auf dem Gelände.

Das erste Ensemble, das auftrat, war das Polizeiorchester Bremen. „Toll“, schwärmt Behrens noch heute. Auch an das Hafenkonzert von Radio Bremen erinnert er sich gern. Und an die Musical-Nächte – seine Favoriten. Behrens ist Musical-Fan durch und durch. Klar, dass er noch alle Plakate hat.

Zwölf Jahre leitete er die Geschicke des Vereins als Vorsitzender. Davor war er fünf Jahre Vize. In dieser Zeit baute er sich mit Claus Ulbrich, Bodo Heuermann und Erich Meyer eine, wie er sagt, „tolle Truppe“ auf. Die führt seine Arbeit seit seinem Rücktritt in die zweite Reihe fort. So auch die Ü60-Gruppe, die er ins Leben gerufen hat.

Einen Herzenswunsch für das Gelände hat er noch. Aber da bleibt er sich treu – „das ist nichts für die Zeitung“. Noch nicht.

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