Heinz Wahle seit 70 Jahren Mitglied der Brandbekämpfer in Neubruchhausen

Helm, Rock und Kniebundhose vom Vater

Ortsbrandmeister Joachim Meybohm (r.) zeichnete bei der Jahreshauptversammlung Heinz Wahle aus, der seit 70 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Neubruchhausen ist. - Foto: Büntemeyer

Neubruchhausen - Vor nunmehr 70 Jahren wurde Heinz Wahle Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Neubruchhausen. Der Jubilar war damals 16 Jahre alt und hätte nach heutigen Maßstäben zunächst noch zwei Jahre die Jugendfeuerwehr besuchen müssen, die es aber 1946 noch nicht gab. Allerdings hatten die Briten als Besatzungsmacht ein Jahr nach Kriegsende die Wiedergründung der Feuerwehren gestattet, wo jede helfende Hand willkommen war. Und weil es im Haus Wahle hieß: „Wi hebbt eegen Kram, du mösst inne Füerwehr“, schloss er sich der Feuerwehr an.

Die Bekleidungsfrage war schnell geklärt, denn die alte Uniform seines Vaters hing noch im Schrank. Sie bestand aus Helm, „Rock“, Stiefeln und Breeches. Der Helm und die silbernen Knöpfe der Jacke mussten regelmäßig mit Sidol gepflegt werden, damit sie schön glänzten. Der „Rock“ war innen gepolstert und außen wasserdicht beschichtet. Die „Langschäftigen“ zog man über die „Breeches“, eine Kniebundhose, wie sie von Reitern noch heute getragen wird. Über dem Rock trug der Feuerwehrmann von 1946 einen breiten Gürtel mit einem Koppelschloss mit eingravierter Bärentatze. Auch als sein Vater aus der Gefangenschaft zurückkehrte, durfte Heinz Wahle die Uniform behalten: Sein Vater hat nach dem Krieg nie wieder eine Uniform angezogen. Selbst auf Feuerwehrfotos aus jenen Jahren ist er als einziger zivil gekleidet.

Bis auf den Koppel hat Heinz Wahle seine alte Feuerwehrkleidung später dem Kreismuseum geschenkt. Er trägt inzwischen die blaue Ausgehuniform mit zwei Pickeln auf den Schulterstücken, die ihn als Hauptfeuerwehrmann kenntlich machen.

Heinz Wahle verkörpert ein Stück Neubruchhauser Feuerwehrgeschichte. Er erinnert sich noch an die alte Handdruckspritze, die von 24 Mann bedient wurde. Diese Spritze war noch funktionsfähig, als sie 1974 kurz vor der Verwaltungsreform vom Neubruchhauser Gemeinderat verkauft wurde. Erhalten geblieben ist dagegen noch das alte „Sprützenhaus“ an der Heiligenfelder Straße, das 1932 ausgemustert wurde, als das Feuerwehrhaus mit dem hohen Schlauchturm in den Burgholzwiesen errichtet wurde. 1940 wurde auf diesen Schlauchturm die Sirene montiert. „Als die zum ersten Mal während des Krieges heulte, hatten wir Gänsehaut“, erinnert Wahle sich. Aber damals war er für die Feuerwehr noch zu jung und musste auch nicht mitfahren, als die Neubruchhauser Feuerwehr zum Löscheinsatz in das brennende Bremen gerufen wurde.

Immerhin verfügte die Wehr schon seit 1929 über eine Magirus-Rhenania-Spritze, die 1 000 Liter Wasser pro Minute schaffte. Das Löschwasser war in Hache und Mühlenteich reichlich vorhanden. Die Spritze war ein unhandliches Ungetüm, das Müller Behrens nach dem Krieg mit seinem Lkw zu den Wettkämpfen schleppte. Erst 1955 wurde diese Spritze durch einen Opel-Blitz ersetzt. Zu dieser Zeit verfügte die Feuerwehr Neubruchhausen auch über ein Trommler- und Pfeifencorps, das bei Feuerwehrfesten den Umzug durch das Dorf anführte.

Geübt wurde damals schon, aber manchmal sehr unkonventionell: Heinz Wahle erinnert sich an den Sommer 1959, als auf den Feldern die Rüben zu vertrocknen drohten. Kurz entschlossen wurden mit der Feuerwehrspritze die Felder beregnet.

Nach jeder Übung und nach jedem Einsatz wurden die Schläuche im Feuerwehrturm hochgezogen. Dazu wurde eine große Handkurbel gedreht, und wenn sie losgelassen wurde bevor sie gesichert war, dann rasselten die Halterungen mit den Schläuchen wieder herunter. „Dat hett Spaaß maakt“, schmunzelt Heinz Wahle.

1972 wurde das neue Gerätehaus gebaut. Damit verschwand die im alten Spritzenhaus neben der Garage gelegene Zelle, in die der Dorfgendarm Fritz Nolte die Nicht-Sesshaften abends einsperrte, bevor er sie morgens wieder entließ. „Die schliefen dort auf einer Pritsche, und Dietrich Holldorp ließ ihnen abends das Essen bringen“.

Holldorp war Feuerwehrhauptmann und Gastwirt. Das jetzige Gästehaus des Hotels Zur Post heißt bei alten Neubruchhausern noch immer Holldorp.

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