Helga Alves sitzt zwar nicht mehr im Rat, arbeitet aber noch in der Fraktion mit

„Habe mir mehr Freiheit verschafft“

+
Helga Alves genießt es, mehr Zeit zu haben.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Ich werde die Entscheidung nicht bereuen.“ Helga Alves sitzt in ihrem Wintergarten und lächelt zufrieden. „Mein Rückzug aus dem Rat bedeutet ja nicht, dass ich nicht mehr mitmache.“ Hinter den Kulissen mischt die 82-Jährige, die Ende 2015 ihr Ratsmandat abgegeben hat, noch ordentlich mit. Derzeit bereitet sie mit ihren Kollegen die Themen für den Wahlkampf vor. Im September ist Kommunalwahl.

„Es hat sich eigentlich nicht viel verändert. Ich arbeite als kooptiertes Mitglied immer noch in der Fraktion mit, und ich habe Zugriff auf alle Unterlagen.“ Nur im Rat und in den Fachausschüssen dürfe sie nicht mehr abstimmen.

„Dafür habe ich mir ein Stück mehr Freiheit verschafft“, freut sich die rüstige Rentnerin. Sie müsse nun nicht mehr täglich den Computer einschalten und könne endlich wieder auf Reisen gehen. Mit ihrem Mann sei sie früher um die Welt gejettet. „Wir waren überall, außer in Indien.“

Neben ihrem Engagement im Bürgerblock ist Helga Alves auch im Präventionsrat der Stadt aktiv. Außerdem hält sie sich fit, macht Nordic-Walking. „Früher habe ich Tennis gespielt. Mein Arzt sagt immer: ,Sie haben den Körper einer 70-Jährigen‘“, erzählt sie stolz. Sie selbst findet auch, dass Alter relativ sei. Dennoch habe ihr Rückzug etwas mit der Zahl 82 zu tun. „Es sollen auch mal Jüngere ran. Und außerdem wollte ich mir die Wahl nicht mehr antun.“ 2011 hatte sie die Vorbereitungen allein übernommen, nachdem Jochen Löschen gestorben war. „Das war anstrengend.“

Die Ratsarbeit habe sie gern gemacht. Sie sei eher die ruhige und sachliche Vertreterin, eine, die den Dialog sucht. „Man kann sich streiten, aber es muss sachlich bleiben“, sagt sie. Klientelpolitik sei nie ihre Sache gewesen. Deshalb sei sie damals dem Bürgerblock beigetreten.

„Ich habe mich oft geärgert, vor allem über die CDU. Damals gab es nur die SPD und die CDU. Die CDU hat gemacht, was sie wollte“, erinnert sich Alves.

Im Bekanntenkreis wurde viel diskutiert. „Als Gerd Schlung damals die CDU verlassen sollte und die Idee hatte, eine Wählervereinigung zu gründen, kam er mit den Worten zu uns: ,Nun seid ihr dran‘“, erinnert sich Alves. Zusammen mit ihrem Mann und Walter Nüstedt, Herbert Grafe, Reinhard und Bernhard Danielsson sowie Franz Supe und Otto-Carl Hoffmann hoben sie den Bürgerblock aus der Taufe.

Bei der ersten Wahl holte die Gruppe vier Sitze. Helga Alves war nicht dabei. Sie rückte 1996 nach.

Damals war sie noch Schulleiterin in Twistringen, stand kurz vor ihrer Pensionierung. Vor ihrer Tätigkeit als Rektorin unterrichtete sie viele Jahre in Bassum in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathe, Werken und Textiles Gestalten. Erst an der Volksschule, dann an der Haupt- und Realschule und später nur noch die Klassen eins bis vier. „Damals fragte mich Manfred Krause, ob ich der SPD beitreten möchte“, erzählt Alves. Sie lehnte ab.

Sie sei als Lehrerin durchaus streng gewesen. „Ich hatte Autorität, war aber nie autoritär.“ Lieblinge hätte sie nicht gehabt. „Das gab es bei mir nicht. Mir war immer die Gerechtigkeit wichtig.“ Noch heute werde sie von ehemaligen Schülern angesprochen. „Einige sitzen im Rat“, schmunzelt Helga Alves.

Lehrerin war immer ihr Traumberuf. „Ich wusste schon mit elf Jahren, was ich werden wollte.“ Dieses Ziel habe sie dann konsequent verfolgt. Ihr Referendariat machte sie in Düsseldorf. „Mein Mann arbeitete dort bei der Flugsicherung.“

1964 kam das Paar nach Bassum. „Ich habe immer gearbeitet, selbst nach der Geburt meiner Tochter“, sagt Alves. Arbeit ist ihr Jungbrunnen. Und diesen wird sie auch so schnell nicht aufgeben.

Mehr zum Thema:

Wie Jörg Michelson aus Barrien die Welt sieht

Wie Jörg Michelson aus Barrien die Welt sieht

Auf einer Reise Stockholm entdecken

Auf einer Reise Stockholm entdecken

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Fußball-Tennis und viel Kopfballspiel: Werder-Training am Donnerstag

Warschau will neuen Glanz für Praga

Warschau will neuen Glanz für Praga

Meistgelesene Artikel

Fotograf mit Blick für kleine Wunder

Fotograf mit Blick für kleine Wunder

Appletree: Zeltplatz wird mit Zaun gesichert

Appletree: Zeltplatz wird mit Zaun gesichert

Syrerin rutscht durch Handyvertrag in Schuldenfalle

Syrerin rutscht durch Handyvertrag in Schuldenfalle

B6: Dauerärgernis ist behoben, aber es gibt neue Probleme

B6: Dauerärgernis ist behoben, aber es gibt neue Probleme

Kommentare