Heiteres Osterorgelkonzert mit Julia Uhlenwinkel in der Stiftskirche

Köstliches Überraschungsei

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Julia Uhlenwinkel an der Orgel der Stiftskirche.

Bassum - Von Angelika Kratz. So manches Osterei wird oft verspätet gefunden und bereitet dann eine ganz besondere Freude. So erging es den Zuhörern am Sonnabend in der Bassumer Stiftskirche bei einem gut einstündigen und heiteren Osterorgelkonzert.

An der 150 Jahre alten Orgel nahm Julia Uhlenwinkel aus Gettorf bei Kiel Platz. Ihr zur Seite stand Ehemann Bernhard Uhlenwinkel als perfekter Notenumblätterer. „Ich bin Tischler von Beruf, liebe aber die Musik meiner Ehefrau über alles“, verriet er am Rande.

Die junge Kirchenmusikerin wurde in Bassum geboren, erhielt ihren ersten Orgelunterricht bei Kreiskantor Siegfried Rohlfing. Schnell war der berufliche Weg zur Kirchenmusikerin klar und wurde von Julia Uhlenwinkel nach dem Abitur zielstrebig mit dem Studium der Kirchenmusik in Greifswald verfolgt. Der berufliche Weg führte sie als Kreiskantorin auf die Insel Usedom, als Kirchenmusikerin nach Stavenhagen. Seit knapp zwei Jahren wirkt Uhlenwinkel in Gettdorf.

Kreiskantor Ralf Woschbegrüßte Julia Uhlenwinkel und das Publikum in den gut besetzten Kirchenbänken und wünschte viel Freude. Leichte Skepsis kam da bei einer älteren Dame im Publikum auf. „Sie ist ja eher für das Moderne“, raunte sie ihrer Nachbarin zu.

Allerdings offenbarte Julia Uhlenwinkels mitgebrachtes Überraschungsei erst einmal die leckere Schokoladenschicht für alle Klassikfans der Orgelmusik. Der Genuss begann mit Dietrich Buxtehude (1637 bis 1707) und seinem Praeludium. Dem folgte nicht minder köstlich Samuel Scheidt (1587 bis 1654) und einer fast zum Tanzen einladenden Variation über eine Gagliarda von John Dowland.

Überschwängliche Lebensfreude, passend zum Frühling, verbreitete ebenso Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) mit der frohen Botschaft von der Auferstehung von Jesus.

Über allem lag der Duft von weißen Glockenblumen in der Kirche, die ein Besucher für Julia Uhlenwinkel mitgebracht hatte. Mit den Gedanken an die draußen blühenden Kirschbäume bekam die Sonate C-Dur von Andrea Lucchesi (1741 bis 1801) damit eine besondere Leichtigkeit und zauberte manches kleines Lächeln auf die Gesichter.

Aber dann war die zart schmelzende Schokoladenseite vom Überraschungsei aufgegessen und es ging an das gelbe, spannende Innenteil. Das öffnete sich zur Sherlock-Holmes-Suite von Andreas Willscher (*1955) und beförderte die Zuhörerschar mit einem Schlag in die Neuzeit. Die Orgel wurde zur leicht gruseligen Filmmusik und zeigte damit ihre unglaublichen breiten Facetten. Durch das Tal der Furcht ging es bis schließlich Sherlock Holmes rief „Komm, Watson, die Jagd beginnt“.

Zum Sackenlassen und wieder Eintauchen in die übrig gebliebenen Schokoladenkrümel vom Überraschungsei hatte Julia Uhlenwinkel einen wunderbaren Bolero von Louis-James-Alfred Lefébure Wély (1817 bis 1869) mitgebracht.

Einfach lecker und wiederholenswert war das Konzert, das erst nach einer Zugabe beendet wurde.

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