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Kernsanierung für „Minna“

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Von: Anika Seebacher

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Freuen sich über „Minna“: Hans-Hermann Schrader (l.) und Rolf Hartmann vom Heimatverein. an der Biogasanlage im „Rohzustand“
Freuen sich über „Minna“: Hans-Hermann Schrader (l.) und Rolf Hartmann vom Heimatverein Neubruchhausen. © Anika Seebacher

Neubruchhausen – „Minna“ ist heile angekommen. Die historische Waldarbeiter-Schutzhütte, die sich hinter dem Kosenamen verbirgt, hatte Anfang Februar ihre Reise aus dem Dörverdener Waldgebiet Höpen ins 30 Kilometer entfernte Neubruchhausen angetreten. Zwar steht sie dort noch nicht an ihrem endgültigen Bestimmungsort, doch ein großer Schritt ist mit der Umsetzung getan.

Jetzt kann der Heimatverein Neubruchhausen als neuer Eigentümer mit der Restaurierung beginnen. „Dank der unkomplizierten Hilfe des THW ging es alles ganz schnell“, freut sich Hans-Hermann Schrader. Der Vorstandsvorsitzende des Heimatvereins erinnert sich: „Eigentlich war es ein großer Zufall, dass man auf unseren Verein gekommen ist.“ Nach einem Anruf von Michael Müller, Leiter der Revierförsterei Diensthop in Dörverden, hatten sich die Heimatvereinsmitglieder Schrader und Rolf Hartmann auf den Weg in den Nachbarlandkreis gemacht.

Es gebe eine leerstehende Hütte, die zusehends zerfalle. Doch die „forstgeschichtliche, mobile Unterkunft“, so heißt es in einer Mitteilung der Niedersächsischen Landesforsten, sollte nicht ihrem Schicksal überlassen werden. „Das war eine einmalige Chance“, meint Hartmann.

Win-Win-Situation

Der Abbau in dem dichten Waldgebiet sei eine wahre Herausforderung gewesen, berichtet er. Dank der Unterstützung des Technischen Hilfswerks (THW) war er am Ende aber doch schnell umgesetzt. Drei Mitarbeiter der THW-Ausbildungsstätte Hoya hatten „Minna“ in dem Waldstück verladen. Hans Heiner Hupe, Ausbilder beim THW, erklärt: „Aufgrund des Zustands des Bauwagens hatten wir keine andere Alternative als die Bergung mit schwerem Gerät. Für uns war diese Aktion eine gute Übungsmöglichkeit, für die Niedersächsischen Landesforsten und den Heimatverein eine willkommene Hilfe.“

Mittels Kranwagen wurde die alte Waldarbeiterschutzhütte verladen.
Mittels Kranwagen und tatkräftiger Unterstützung des THW wurde die alte Waldarbeiterschutzhütte verladen. © Sierk / Niedersächsische Landesforsten

„Minna“ wurde Müller zufolge zum Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. „Einst wurden Pferde davor gespannt und dann zogen die Forstarbeiter von Waldstück zu Waldstück“, erklärt Schrader zum Hintergrund. Später wurden die Zugtiere durch technisches Gerät ersetzt. Der kleine Raum bot den Arbeitern Schutz vor Regen und Kälte und war sogar mit einem kleinen Ofen ausgestattet. Davon zeugt das kleine Ofenrohr, das sich zwischen Holzbalken und allerlei Überresten im Inneren der Hütte befindet. Damit es in der „Minna“ wieder so richtig gemütlich wird, muss Einiges passieren. „Die Hütte muss kernsaniert werden“, lautet Schraders Fazit nach der ersten Erkundung.

Erfolgreiche Arbeiten an den Rädern

„Jetzt sind wir am Zug“, freut er sich auf die bevorstehenden Monate, in denen der Heimatverein mit der Unterstützung eines gut funktionierenden Netzwerks den historischen Wagen wieder flott machen will. „In Sachen Sanierung und Material können wir uns auf Hilfe im Ort verlassen“, ist sich Schrader sicher. Zunächst wollen die Männer den hölzernen Oberbau abnehmen und sich um das Fahrgestell kümmern – und waren dabei schon erfolgreich. „Das wird die größte Herausforderung“, hatte Schrader zuvor gemutmaßt. Doch inzwischen seien die Arbeiten an den Rädern schon fortgeschritten. Aber es gibt noch mehr zu tun: Der hölzerne Aufbau ist ein Eigenbau, der dem vorhandenen Unterbau angepasst wurde. Ein sogenannter Federwagen bildet das Fahrwerk, das heißt, Blattfedern dienen als Stoßdämpfer. Mit der Unterstützung von Mechanikern, Schlossern und Holzbauexperten soll der gesamte Untersatz restauriert werden.

Im Anschluss werde die überarbeitete Holzkonstruktion wieder aufgesetzt. Dabei wollen die Ehrenamtlichen vor allem darauf achten, „dass der alte Charakter erhalten bleibt“. Unter anderem tragen die abgewetzten Fußbalken in der Eingangstür zu diesem Charme der mobilen Unterkunft bei, so Schrader.

Finaler Standort noch offen

Die überarbeitete „Minna“ passt dem Heimatvereinsvorsitzenden zufolge „perfekt zu unserem Waldprojekt“. Ob die Hütte künftig im Park der Alten Oberförsterei oder weiter im Wald platziert wird, stehe noch zur Diskussion. Fest steht für Heimatvereinsmitglied Hartmann aber bereits jetzt: „Das ist eine tolle Sache.“

Sobald es die Lage wieder zulasse, wolle man „Minna“ der Öffentlichkeit präsentieren, planen Schrader und Hartmann. „Bis zum Herbst machen wir die Hütte fertig“, sagt Schrader zum Zeitplan. In seiner Vorstellung ergänzen Schautafeln die Schutzhütte, um Besucher über den historischen Hintergrund des Wagens zu informieren. Fotos von der Restaurierung – von der Anlieferung im weniger ansehnlichen Zustand bis zur Fertigstellung – sollen den Aufwand um die Schutzhütte zeigen.

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