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Heimatverein buddelt Neubruchhausens Vergangenheit aus

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Von: Anika Seebacher

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Motiviert machten sich die Heimatvereinsmitglieder am vergangenen Wochenende daran, den Erdhügel hinter der Kirche umzuschichten. Doch die Aufgabe nimmt mehr Zeit in Anspruch, weshalb die Grabungen nun weitergehen sollen.
Motiviert machten sich die Heimatvereinsmitglieder am vergangenen Wochenende daran, den Erdhügel hinter der Kirche umzuschichten. Doch die Aufgabe nimmt mehr Zeit in Anspruch, weshalb die Grabungen nun weitergehen sollen. © Anika Seebacher

Heimatverein Neubruchhausen und AG Ortschronik untersuchen einen Erdhügel an der Neubruchhauser Kirche. Die Funde könnten zu einem alten Wasserschloss gehören.

Neubruchhausen – Bei Grabungsarbeiten zum Einbau einer Zisterne für die Toilette in der Dreifaltigkeitskirche sind kürzlich in Neubruchhausen historische Holzstücke, Scherben und Backsteine ans Tageslicht gekommen. Diese könnten auf den ehemaligen Standort eines Wasserschlosses beziehungsweise einer Burg hinweisen. Mitglieder des Heimatvereins Neubruchhausen und der Arbeitsgruppe Ortschronik schichteten den vier Kubikmeter großen Erdhaufen um und schauten sich das Erdreich genauer an. Die Häflte ist bereits geschafft, an diesem Wochenende soll es weitergehen.

Heimatverein stoppt Abtransport von Erde in letzter Sekunde

Beinahe sei die Erde schon zur Deponie abtransportiert worden, berichtet Holger Rullhusen vom Arbeitskreis Dorfchronik. Doch Maik Dannemann vom Vorstand des Heimatvereins wurde auf den Erdhügel hinter der Kirche aufmerksam und stoppte die Arbeiter. Er wusste um die Ausweisung als Sonderfläche Bodendenkmal und zurückliegende Funde, die einst bei Bauarbeiten für die Errichtung des Kriegerdenkmals auf dem Gelände aufgesammelt wurden.

Die aktuelle Untersuchung wurde vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege aus Hannover genehmigt und vertrauensvoll dem Heimatverein übertragen. In Hannover selbst liege bereits eine größere Scherbe zur weiteren Inspektion vor, sagt Holger Rullhusen. Die weiteren Ergebnisse wollen der Heimatverein und die Archäologen in den kommenden Wochen gemeinsam besprechen.

Auf Nachfrage fasst Maik Dannemann die bisherigen Arbeiten zusammen: „Da waren ein paar bemalte Scherben, Ziegel und Holzteile.“ Wie aussagekräftig diese letztlich seien, müssten weitere Prüfungen durch Experten zeigen.

Funde der Grabungen in Neubruchhausen (März 2022)
Funde der Grabungen in Neubruchhausen (März 2022) © Seebacher, Anika

Selten würden die Ehrenamtlichen etwas Vollständiges zutage befördern. „Was sich hier in der Erde befindet, haben Generationen vor uns als Müll weggeschmissen“, erklärt sich Dannemann die historischen Relikte, die dank der akribischen Arbeit der Neubruchhauser gesichert werden konnten. Nachdem die potenziellen, mehr als 100 Jahre alten Funde mit kleinen Schaufeln aus dem Erdhügel geholt, mit Bürsten vom lehmhaltigen Boden gesäubert und schließlich vorsichtig abgewaschen worden waren, landeten sie gut gesichert in einer kleinen Kiste. Stolz präsentiert Dannemann daraus eine kleine Tonscherbe, auf der ein grün-orangenes Kreuz erkennbar ist, sowie ein Stück ziseliertes Opalglas. „Das war vermutlich ein Trinkgefäß“, so der Neubruchhauser.

Heimatverein Neubruchhausen und AG Dorfchronik wünschen sich Magnetresonanzverfahren

Ob die Scherben, Ziegel und Holzteile eines alten Fachwerks tatsächlich dem alten Amtshaus zuzuordnen sind oder sogar auf ein noch älteres Gebäude hinweisen, wissen die Mitglieder des Heimatvereins nicht. „Es gibt leider keine Aufzeichnungen zur Geschichte dieser Fläche“, erläutert Rullhusen. Deshalb haben sich die Hobbyhistoriker vorgenommen, die Vergangenheit ihrer Heimat Stück für Stück aufzuarbeiten und so das historische Erbe zu bewahren. „Wir möchten das Puzzle zusammenführen und am Ende ein Bild des ehemaligen Gebäudes zeichnen lassen“, sagt Rullhusen.

Um die Geschichtsträchtigkeit Neubruchhausens nachzuweisen und schließlich öffentlich zu machen, seien weitere Nachforschungen erforderlich, sind sich Holger Rullhusen und Maik Dannemann einig und wünschen sich ein Magnetresonanzverfahren. Anhand der damit gemachten Aufnahmen ließe sich erkennen, wo früher Gebäude standen.

Sicher ist aber schon jetzt: Was nur noch am höher gelegenen Platz erkennbar ist, war einst ein Burggelände. Da die Hache früher noch einem anderen Verlauf folgte, stand das wohl imposante Gebäude auf einer Art Insel. Dort befinden sich heute das Kriegerdenkmal und die Kirche. Ungefähr um 1250 als Wasserburg errichtet, wurde das Gebäude zu Beginn des 16. Jahrhunderts alten Aufzeichnungen zufolge aufgegeben. An selber Stelle befand sich bis 1749 noch ein Haus des Amtes Neubruchhausen mit Torhäusern und Nebengebäuden.

Heute steht dieses Gebäude in Bruchhausen-Vilsen. „Früher wurde viel nachhaltiger gebaut. Deshalb konnten die Häuser an einem Ort abgebrochen und woanders wieder aufgestellt werden“, weiß Maik Dannemann. Bei einem solchen Umzug seien die nun entdeckten Gegenstände zurückgelassen worden, lautet seine Vermutung.

Über mögliche weitere Entdeckungen von diesem Wochenende sowie den weiteren Verlauf der Nachforschungen wollen die Mitglieder des Heimatvereins, so Dannemanns Plan, über die sozialen Medien berichten.

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