Über Lokalpolitik und ein starkes Europa

Sigmar Gabriel in Bassum: Heimat ist „etwas Modernes”

Christoph Lanzendörfer (l.) und Luzia Moldenhauer haben mit dem ehemaligen Außenminister Sigmar Gabriel einen großen Namen der SPD nach Bassum geladen. Foto: Heinfried Husmann
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Christoph Lanzendörfer (l.) und Luzia Moldenhauer haben mit dem ehemaligen Außenminister Sigmar Gabriel einen großen Namen der SPD nach Bassum geladen.

Einen gelungenen Bogen von der kleinen Kommunalpolitik zur großen Weltpolitik zu schlagen: Das schaffen wohl nur jene Politiker, die beide Seiten aus jahrelanger Erfahrung kennen. Einer von dieser Sorte hat am Samstag einen Zwischenstop in Bassum gemacht. Zum nunmehr dritten Manfred-Krause-Symposium hat die SPD Sigmar Gabriel als Gastredner gewonnen.

Bassum - Da im Rahmen der Veranstaltung auch gleich die neue Niederlassung des Ortsverbandes, der Marie-Juchacz-Treff, direkt am Bahnhof eingeweiht wurde, kündigte der ehemalige Vizekanzler und Außenminister kurzerhand an, mit der Bahn anzureisen. Dass daraus nichts wurde und Gabriel schließlich doch mit dem Auto auftauchte, vergaßen die geladenen Gäste in der Freude über den hohen Besuch schnell wieder.

Nach einer Begrüßung durch die Ortsverbands-Vorsitzende Luzia Moldenhauer referierte zuerst der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Christoph Lanzendörfer, über lokalpolitisches Engagement, aber auch die Wut und Verzweiflung, die viele Menschen mittlerweile in Anbetracht der politischen Lage verspüren würden. Er sprach sich gegen Neoliberalismus und Rassismus aus und hob die Werte der Bassumer SPD hoch: sachlich bleiben, aber auch mal emotional werden.

Gabriel lobt engagierte Bürger

In seiner Rede mit dem Titel „Zeitenwende in der Welt- und Europapolitik”, die an sein aktuelles Buch angelehnt war, schloss Ehrengast Sigmar Gabriel schließlich an das Thema der Lokalpolitik und der Verzweiflung unter den Bürgern an. Er lobte engagierte Bürger wie die Frauenrechtlerin Marie Juchacz und den Bassumer Politiker Manfred Krause, der sich durch jahrelangen Einsatz in der Gemeinde hervorgetan hatte. Sie hätten die Gemeinsamkeit, dass sie viel bewirkt hätten, obwohl sie, den Vorurteilen zum Trotz, aus „einfachen Verhältnissen” kamen. Und gerade dort habe die Politik in den vergangenen Jahren zu selten hingeschaut. „Veränderungen geschehen nicht mehr im Takt der Generationen”, so der Bundestagsabgeordnete. Das rufe bei vielen vermehrt den Wunsch nach Sicherheit hervor, und das hätten die Politiker zu spät erkannt. „Die SPD muss immer da hingehen, wo es richtig unangenehm ist”, appellierte Gabriel während der Diskussion im Anschluss an die Vorträge.

„Trump glaubt nicht an internationale Beziehungen”

Mit Blick auf dieses Thema sprach sich der Spitzenpolitiker vor der kleinen Runde im Juchacz-Treff auch für eine positivere Besetzung des Begriffs Heimat aus. Diese sei „etwas Modernes”, so Gabriel, und auch die Schaffung eines Heimatministeriums sei sinnvoll gewesen. Nur über die Besetzung ließe sich streiten, fügte er unter lautem Lachen der Besucher hinzu.

Dann der Sprung in die Weltpolitik: Dieser attestierte Gabriel derzeit einen Paradigmenwechsel. Weg von den jahrelang etablierten und taktgebenden transatlantischen Beziehungen hin zum Spannungsfeld rund um den Pazifik. Heute gäben die USA und China den Takt an. Die Beziehung der beiden Staaten wird jedoch derzeit von einem Handelskrieg überschattet. Vor allem US-Präsident Donald Trump sieht Gabriel dabei als Verursacher. „Trump glaubt nicht an internationale Beziehungen”, argumentierte der Sozialdemokrat. Ein Grund mehr, dass Europa zusammenhalten müsse. Auch wenn die Idee der Staatengemeinschaft im Ausland oft belächelt werde: Deutschland und Europa hätten international durchaus etwas zu sagen. Gleichzeitig warnte Gabriel jedoch vor zu aggressivem Auftreten. Deutschland verkaufe etwa viele Autos ins Ausland. Dort werde aber nur konsumiert, wenn es den Leuten gut gehe. Das gelte es zu erhalten.

„Wir sind alle bekloppt”

So schloss Gabriel seinen Vortrag mit der Feststellung, dass wir auf eine „unbequemere Welt” zusteuern, in der unter anderem auch seine drei Töchter leben werden. Zu diesen wollte der Spitzenpolitiker nach einem langen Wahlkampftag auch schnell wieder zurück, weswegen er sich schon nach einer Stunde und vor Veranstaltungsende wieder verabschiedete.

Als Appell gab er den Versammelten mit auf den Weg, beim Thema Europa zusammenzuhalten und anderen Mut zu machen – auch wenn Gabriel nach seinen Streifzügen durch die Sozialen Netzwerke immer wieder denke: „Wir sind alle bekloppt.” Auf der Straße sehe er regelmäßig viele vernünftige Menschen. Und diese rief Gabriel schließlich noch einmal ausdrücklich auf, am 26. Mai zur Wahl zu gehen. „Unsere Kinder werden uns verfluchen, wenn Europa auseinanderfällt.”

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