Missio-Truck gastiert bei der Haupt-und Realschule Twistringen

Hautnahe Eindrücke von der Flucht

Die Haupt- und Realschule Twistringen hatte gestern den Missio-Truck zu Besuch. Pia Strunk (rechts) und Tété Agbodan (2.v.r.) sowie Schulsozialpädagogin Maren Menke (3.v.r.) klärten am Beispielland Kongo über die Flucht auf. - Foto: Sabine Nölker

Twistringen - Von Sabine Nölker. Die Flucht ist allgegenwärtig: in den Medien, in der Heimatstadt und sogar in der Schule. Doch obwohl weltweit Millionen Menschen vor Krieg, Trockenheit, Katastrophen und Hunger fliehen, ist sie noch nicht in allen Köpfen angekommen. Den Schülern der achten bis zehnten Jahrgänge der Haupt- und Realschule Twistringen wurde am Montagmorgen im Missio-Truck anhand von konkreten Beispielen das Schicksal von Flüchtlingen und Vertriebenen im Ostkongo aufgezeigt.

Was hat der Kauf eines Handys mit der Flüchtlingssituation im Kongo, mit Kriegen, Massakern und Tausenden von Toten und Verletzten zu tun? Diese Frage wurde während eines Workshops erarbeitet. Tété Agbodan, ein bei Missio angestellter Sozialpädagoge, informierte die Mädchen und Jungen darüber, dass zum Bau von Mobiltelefonen Coltan benötigt wird. Dies sei ein hochwertiges Erz, dessen Vorkommen zu 80 Prozent in Afrika vermutet wird.

Coltan wird als Konfliktmineral eingestuft. Der Coltan-Boom hat für die Bevölkerung ähnliche Folgen wie ein Goldrausch: Felder liegen brach, weil der Verdienst in den Bergarbeitercamps bis zu fünfmal höher als in der Landwirtschaft ist. Die hohen Gewinne für die Konzerne und die mangelnde Überwachung während des Bürgerkrieges in der Demokratischen Republik Kongo führten zu planlosem Raubbau, der Umweltschäden zur Folge hatte. Die Einnahmen aus dem Bergbau ermöglichen den lokalen Milizführern die Bezahlung von Soldaten, den Kauf von Waffen und die Fortsetzung des Bürgerkrieges.

Bei der Frage, wie man das aktiv von Deutschland aus verhindern könne, erarbeiteten die Schüler einige Vorschläge. Die Ergebnisse: Man sollte nicht jedes Jahr ein neues Handy kaufen, man könne die alten zum Recycling geben und es gäbe sogar fair gehandelte Handys, die allerdings auf dem deutschen Markt noch schwer zu bekommen sind. Soweit der theoretische Teil.

Im Missio-Truck erwartete die Mädchen und Jungen dann eine multimediale Ausstellung, die in sechs thematisch gestaltet Räume aufgeteilt ist und für die Situation Flucht und Vertreibung sensibilisieren soll.

Unter dem Motto „Menschen auf der Flucht“ schlüpften sie in eine von acht möglichen Biografien. Sie alle stehen für das Schicksal von Flüchtlingen und Vertriebenen im Ostkongo. Spiel- und Hörstationen machten es so authentisch wie möglich, Objekte, Texttafeln und Mitmachangebote ergänzen die Ausstellung.

Am Ein- und Ausgang wartete die Studentin Pia Strunk, um Fragen zu beantworten oder Erklärungen zu geben. Die Ausstellung stellt beispielhafte Dienste kirchlicher Partner in den Regionen vor. Dazu gehören Soforthilfe, Traumaarbeit und Inklusionsförderung.

Bereits bei den Projekttagen am Anfang des Halbjahres war das Thema Flucht erarbeitet worden. „Zum einen, weil wir einige neue Schüler haben, die geflüchtet sind und zum anderen, weil wir die Flüchtlingsunterkunft als direkten Nachbarn hatten“, so Schulsozialpädagogin Maren Menke. „Der Missio-Truck ist eine gute Sache, um die Kinder zu sensibilisieren.“

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