Dr. Hans-Joachim Böhringer aus Apelstedt übernimmt ab dem 1. Oktober die Hausarztpraxis von Dr. Brandt in Bassum

„Wollte immer mit der Ledertasche übers Land fahren“

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Andrea und Hans-Joachim Böhringer mit Hund Moses.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Ich wollte immer schon mit der Ledertasche übers Land fahren. Mein Traum war es, Landarzt zu sein“, schmunzelt Dr. Hans-Joachim Böhringer. Den Traum hat sich der 40-Jährige erfüllt, obgleich er seine neue Praxis nicht auf dem Dorf eröffnet, sondern in Bassum. Seinen Kindheitstraum von einer eigenen Praxis in Apelstedt musste er aufgeben. „Schade eigentlich, aber dann hätten wir anbauen und auch unser Drei-Kammer-System erheblich aufrüsten müssen. Das wäre alles sehr kostspielig geworden. Und es bleibt immer noch die Frage, ob die Patienten den Weg nach Apelstedt auf sich nehmen“, erläutert der Mediziner seine Entscheidung.

Und so kam es zu der für ihn glücklichen Fügung, dass er seinen alten Hausarzt Dr. Friedrich-Wilhelm Brandt ansprach. „Der war sofort begeistert von der Idee, dass ich die Praxis übernehme“, strahlt Böhringer. Er steigt zum 1. Oktober mit ein und führt die Praxis ab dem 1. Januar 2016 allein weiter.

„Ich kenne Dr. Brandt seit meiner Kindheit. Ich weiß noch, dass ich als Knirps mal gesagt habe, ,eines Tages werde ich hier arbeiten‘“, erinnert sich der Apelstedter. Damals war daran allerdings nicht zu denken. „Ich war als Schüler sehr faul“, erzählt Böhringer offen. Sein Lehrer Klaus Mencke habe immer zu ihm gesagt: „Böhringer, aus Dir wird nichts.“

Hans-Joachim und seine Brüder hatten viele Flausen im Kopf, pirschten durch die Wälder oder vergnügten sich auf dem Bolzplatz statt für die Schule zu lernen. „Eine herrliche Kindheit“, sagt der 40-Jährige. Seine Eltern hätten eine beruhigende Weitsicht gehabt. „Sie sagten: „Lerne erst einmal etwas Vernünftiges und dann guck‘ mal.“ Und so machte Hans-Joachim Böhringer nach der Hauptschule und einem Jahr Realschule eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. „Davon profitiere ich heute noch“ sagt er. Er könne fast alles selbst reparieren.

Nach der Ausbildung war er als Monteur unterwegs. „Doch die Medizin hat mich immer fasziniert“, gesteht er. Als er auf einer Party einem erkälteten Gast ein Medikament empfahl, fragte dieser, ob er Mediziner sei. „Er war Berater des Arbeitsamt und sagte: ,In Deutschland kannst Du alles nachholen‘.“

Dieser Satz kam Böhringer kurze Zeit später in den Sinn, als er in Schweden auf Montage war. Er meldete sich am Abendgymnasium an und machte sein Abitur nach. Später begann er ein Medizinstudium.

Den ersten Studienplatz bekam er in Heidelberg. Dort fühlte er sich nicht wohl und wechselte nach Lübeck. Mit dem Examen in der Tasche und Ehefrau Andrea, Kinderärztin, an seiner Seite kehrte er zurück nach Apelstedt.

Mittlerweile hat das Paar vier Kinder. Und die gebürtige Bayerin fühlt sich auf dem großen Anwesen in Apelstedt pudelwohl. „Ich vermisse nichts“, sagt sie.

Der junge Arzt arbeitete in der Chirurgie- und Inneren-Abteilung im Klinikum Bassum und wechselte für zweieinhalb Jahre in die Anästhesie nach Vechta. Bei Dr. Pellmann in Bruchhausen-Vilsen machte Böhringer seinen Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin mit Zusatz Rettungsmedizin.

Ab dem 30. September ist er berechtigt, seinen Facharzt für allgemeine Medizin zu machen und wird die Prüfung vor der Ärztekammer ablegen.

In seiner künftigen Praxis an der Syker Straße wird er die ersten Monate noch zusammen mit Friedrich-Wilhelm Brandt arbeiten. Erste Änderung wird die Umstellung der EDV-Anlage sein. „Die Räumlichkeiten sind ideal“, so Böhringer. Er deckt die komplette hausärztliche Versorgung, Notfallmedizin, Rettungsmedizin und Schmerztherapie ab. „Ich freue mich unglaublich auf die Arbeit.“ Vor allem die Arzt-Patienten-Beziehung sei ihm wichtig. „Das ist der Grund, warum ich Hausarzt geworden bin.“

Heute gebe es zwar nicht mehr die Romantik des Landarztes mit Ledertasche. Aber Böhringer hat sich fest vorgenommen, immer ansprechbar zu sein für seine Patienten. Und Hausbesuche werde er auch machen. „Das ist eine Herausforderung“, freut er sich auf die Aufgabe.

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