Hans-Georg Weidenhöfer scheidet nach 51 Jahren aus dem Rat aus

Der polternde Stratege

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Ein Leben für die Politik und die Jagd: CDU-Mann Hans-Georg Weidenhöfer.

Bassum - Von Maik Hanke. 51 Jahre. So lange hat sich Hans-Georg Weidenhöfer in Bassum politisch engagiert. Er saß quasi schon im Stadtrat, als es den Stadtrat noch gar nicht gab. 51 Jahre, das dürfte zumindest in Niedersachsen Rekord sein. Seit dieser Woche ist Schluss. Und mit ihm geht der letzte Charakterkopf einer längst vergangenen Zeit.

Er kann es nicht lassen. „Zunächst mal“, sagt Hans-Georg Weidenhöfer und erhebt sich, als würde er zum Poltern ansetzen: „Das Alte Rasthaus steht nicht in Nordwohlde, sondern in Kastendiek! Und: Wir sind die alte Gemeinde Hollwedel!“

Das hätte sich Bürgermeister Christian Porsch denken können. Gerade erst hat er erzählt: Wer mit den genauen Grenzen der Bassumer Ortsteile nicht vertraut ist, muss sich von Weidenhöfer schon mal anhören, er habe im Erdkundeunterricht gepennt. Nur um im nächsten Atemzug Weidenhöfer zum langjährigen Ortsvorsteher von Groß Hollwedel zu erklären und das Alte Rasthaus nach Nordwohlde zu verlegen.

Gelächter im Stadtrat. So war er, der Politiker „Schorse“ Weidenhöfer. Laut und angriffslustig, auch mal humorvoll. Eine typische Szene zum Schluss – die Sitzung am Dienstag war seine letzte. Mit einem beiläufigen Salut in Richtung des Bürgermeisters setzte sich Weidenhöfer wieder hin.

„Ich hab ‘n losen Mund“, sagt Weidenhöfer am nächsten Tag im Gespräch mit der Kreiszeitung. Er sei ein Kommandeur, sagt er, ein Diktator. Er brauche kein Mikrofon, der laute Schnacker mit dem plattdüütschen Dialekt.

Er versteht sich auszudrücken. „Ich hab in meiner Dankesrede nicht einmal ‚Äh‘ gesagt“, betont Weidenhöfer. „Obama macht das auch nicht.“

So laut man Weidenhöfer auch kennt – er kann auch leise, berichtet seine Frau Helga. Manchmal, in politischen Diskussionen, habe er sich lange zurückgehalten, sich alles angehört, alles aufgesogen. Erst dann habe er angesetzt. Ganz leise. Damit jeder hinhören musste, was er zu sagen hatte. Weidenhöfer, der Stratege.

Angefangen hatte alles 1964. Ein erkrankter CDU-Mann hatte ihn gebeten, seinen Posten im Gemeinderat Hollwedel zu übernehmen. Dass er mit 79 Jahren immer noch Politik machen würde, hatte der gelernte Landwirt aber wohl kaum geahnt.

Im vergangenen halben Jahrhundert hat Weidenhöfer Bassum maßgeblich seinen Stempel aufgedrückt.

Er war mal stellvertretender Ratsvorsitzender, seit 2006 Vorsitzender des Bauausschusses, lange Jahre Hegeringsleiter, Vorsitzender beim Pferdezuchtverein Freudenberg, stellvertretender Vorsitzender des Reitvereins Diek-Bassum – und, und, und. Weidenhöfer kennt Gott und die Welt. Mit seinem Wissen über die Region könne man eine ganze Bibliothek füllen, sagt seine Frau.

Seine politische Zeit war aber nicht immer leicht. Regelmäßig hat er sich mit anderen angelegt. „Ich hab‘ mich immer in die Sache reingesteigert – mit allen Kräften“, sagt Weidenhöfer. Einmal, Anfang der 90er, habe man versucht, ihn politisch abzuschießen. Bei einer Wahl habe es fünf Hollwedeler Gegenkandidaten gegeben. Wider Erwarten holte er trotzdem die absolute Mehrheit im Ort.

Früher ist nichts besser gewesen, sagt Weidenhöfer. Bassum habe sich nur zum Positiven entwickelt. Wobei – die Politik. Früher hätten die Fraktionen besser zusammengehalten als heute. Früher habe man noch nach den Sitzungen bei Zigarre und Cognac zusammengesessen und klärende Gespräche geführt. Die Zeit ist vorbei. Und mit Weidenhöfer geht jetzt ihr letzter Vertreter.

„Er hat von sich aus gesagt, ich höre auf“ – sagt seine Frau. Zumindest vorläufig bleibt Hans-Georg Weidenhöfer aber Hollwedeler Ortsvorsteher. „Wenn der Kopf klar bleibt, mach ich noch zehn Jahre.“ Es klingt wie eine Drohung. Doch dann grinst Weidenhöfer. Nein, nein, nächstes Jahr sei Schluss. Dann geht der Vollblutjäger lieber wieder in die Natur. Das gehe auch mit 80 noch. Manches kann er tatsächlich nie lassen.

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