Anzahl im Kreis Diepholz konstant

Schönheits-OPs: Je näher der Strand, desto mehr Silikon

Bassum  - Von Katharina Schmidt. Hier ein bisschen mehr Silikon, dort etwas weniger Fett: Schönheitsoperationen sind gefragt – und manchmal extrem. TV-Star Sophia Wollersheim hat sich zum Beispiel zwei Rippen entfernen lassen, um eine schmalere Taille zu bekommen.

Auch an der Klinik in Bassum gibt es eine ästhetische Chirurgie. So gewagt wie bei manchen Promis sind die Wünsche der Patienten dort allerdings nicht. „Die meisten Vorstellungen sind sehr realistisch“, sagt Chefarzt Dr. Massud Mamarvar.

„Wir machen hier fast alle ästhetischen Operationen, die am Markt sind“, fasst er das Angebot in Bassum zusammen. Jemanden aus rein kosmetischen Gründen die Rippen entfernen, das würde er aber nicht tun. „Man darf nicht aus den Augen verlieren, wie viel Schaden man anrichten kann“, findet er. 

Das Risiko einer Operation müsse im Verhältnis zu dem stehen, was durch den Eingriff erreicht werden kann. Mit der Meinung steht er nicht alleine da: In Deutschland hat Sophia Wollersheim keinen Arzt gefunden, der ihr die Rippen entnehmen wollte.

Selten werden Operationen abgelehnt

Dass Mamarvar eine Operation ablehnt, passiert selten. „Normalerweise sind die meisten ästhetischen Eingriffe von Art und Umfang kleine bis mittlere Operationen“, erzählt er. Die meisten, die zu ihm kommen, sind unzufrieden mit ihrem Gesicht oder ihrem Busen. „Bei der Brust wünschen Patienten am häufigsten eine Vergrößerung.“

Dr. Massud Mamarvar ist seit 2013 an der Klinik in Bassum.

Insgesamt nehmen Ärzte in Bassum mehrmals pro Woche ästhetische Operationen vor. Für ein öffentliches Krankenhaus sind das Mamarvar zufolge recht viele Eingriffe – im Verhältnis zu der Gesamtzahl der OPs an der Bassumer Klinik seien es hingegen nur wenige. Die Zahl der Patienten ist dem 42-jährigen Chefarzt zufolge in den vergangenen Jahren konstant geblieben. „Wir haben die ästhetische Chirurgie bisher aber auch nicht aktiv beworben“, führt er aus.

Mamarvar ist Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie sowie für Handchirurgie. Zwischen der ästhetischen und der plastischen Chirurgie besteht ein entscheidender Unterschied. „Ästhetisch ist alles, was die Krankenkasse nicht zahlt“, fasst Mamarvar zusammen. Eine plastische Operation kann Menschen nach Unfällen oder Tumoren wieder zu einem unauffälligen Erscheinungsbild verhelfen. Ein Gesichtslifting, um ein paar Jahre jünger zu wirken, zahlt hingegen keine Kasse.

Oft sehen Mamarvars Patienten Makel an sich, die dem Chefarzt oder seinen Mitarbeitern gar nicht ins Auge springen. Doch der 42-Jährige weiß: „Meine Wahrnehmung ändert nichts an der Wahrnehmung des Patienten.“ Für diesen erscheine der Makel oft übergroß. „Die meisten Patienten sind zum Beispiel nach einer Brustvergrößerung sehr zufrieden und würden es immer wieder tun.“

Allerdings gebe es auch krankhafte Wahrnehmungsstörungen. Bei denen helfe keine OP.

Richtung Süden steigt die Zahl der OPs

Was groß und straff genug ist, hängt auch vom Wohnort ab – das hat Mamarvar im Austausch mit Berufskollegen aus verschiedenen Ländern festgestellt. Richtung Süden und Mittelmeerküste steige die Zahl der Schönheitsoperationen ebenso wie der gewünschte Brustumfang. 

„Die Implantate, die die Kollegen an der Mittelmeerküste einsetzen, sind im Mittel rund 100 Milliliter größer als die, die wir verwenden“, so Mamarvar. Er vermutet, dass die Freizügigkeit am Strand eine Rolle spielt. Auch in Madrid sei die angestrebte Körbchengröße oft kleiner als in Orten direkt am Meer.

Dr. Massud Mamarvar wohnt in Syke und ist seit 2013 an der Klinik in Bassum. Schon früh in seinem Studium hat er gemerkt, dass ihm die feine ästhetische Chirurgie mehr liegt als gröbere Eingriffe, wie sie beispielsweise nach Unfällen erforderlich sein können. Am der plastische Chirurgie und der Handchirurgie reizt ihn zudem, dass er am ganzen Körper operiert. „Diese Vielfältigkeit ist es, die mich fasziniert.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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