Doch der Treffpunkt fehlt

Bassums Wochenmarkt-Betreiber und seine Kunden trotzen der Corona-Krise

Astrid Voß verwendet an ihrem Stand nun eine Plastikbox, um Kontakt zu vermeiden. Fotos: Kreykenbohm
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Astrid Voß verwendet an ihrem Stand nun eine Plastikbox, um Kontakt zu vermeiden. Fotos: Kreykenbohm

Bassum - „Na, was hast du Schönes?“, fragt die Kundin gut gelaunt und studiert das Angebot von Georges El Haddad. Der präsentiert ihr eifrig seine griechischen Spezialitäten.

Was auffällt: Er trägt Handschuhe. Und in seinem Wagen, der freitags auf dem Wochenmarkt Bassum Station macht, liegt eine Packung Feuchttücher. Auch eine Flasche mit Desinfektionsmittel steht im Regal bereit. „Das muss“, sagt El Haddad und lächelt. Seine Kundin nickt und zeigt ebenfalls eine kleines Fläschchen mit Desinfektionsmittel, das sie in ihrer Handtasche spazieren trägt und mit dessen Inhalt sie sich nach der Geldübergabe die Hände reinigt.

Ein Gang über Bassums Wochenmarkt zeigt schnell: Betreiber und Kunden sind für das Corona-Virus gerüstet, das seinen Schatten auch auf diese Veranstaltung wirft.

Nebenan, am Fischwagen von Holger Gette, schimpft eine Kundin über die Teilnehmer an Corona-Partys: „Müssen die erst eine Ausgangssperre verhängen, damit die Leute vernünfitg werden?“ Eine andere berichtet, dass sie neulich bei Edeka gewesen sei und nichts mehr bekommen habe: „Keine Nudeln mehr, nix!“ Und für Corona-Party-Gänger, die mit ihrer Freizeit offenbar nichts anzufangen wissen, hat sie eine besondere Idee: „Die sollten bei der Ernte mithelfen!“

„Der Ärger über die Unvernunft ist groß“, erklärt Gette, der vor einer beinahe leeren Auslage steht. Der Rotbarsch ist schon komplett vergriffen. Die Geschäfte laufen sehr gut. „Die Kunden kaufen mehr als sonst. Die Bedingungen auf dem Wochenmarkt sind ja auch optimal: Die Produkte sind unter Verschluss, nur der Verkäufer kommt da ran. Außerdem haben die Kunden frische Luft, und es gibt mehr Platz, so dass man in der Schlange leichter Abstand halten kann.“ Und die Anbieter achten auch auf die Hygiene. „Wir sind gut gerüstet“, sagt Gette und muss sich schon den nächsten Kunden zuwenden.

Astrid Voß und Ralf Winkelmann, die ihre Kunden mit Käse-Spezialitäten verwöhnen, können Gettes Eindruck nur bestätigen: Corona schreckt die Bassumer Wochenmarktbesucher überhaupt nicht. „Alles wie immer“, sagen sie. Die Kunden würden sich sehr vorbildlich benehmen und Abstand halten. „Nur einmal ist eine jüngere Kundin einer älteren etwas zu nahe gekommen und wurde harsch von ihr zurechtgewiesen“, erinnert sich Voß.

Klare Bitte an die Kunden: Abstand halten!

Vor ihr auf dem Verkaufstresen steht eine Plastikschale. „Dort tun die Kunden das Geld rein, und ich nehme es raus – und umgekehrt. So vermeiden wir Körperkontakt“, sagt Voß. Die Idee habe sie sich von einem anderen Stand abgeschaut und schon positive Resonanz dafür bekommen. „Tolle Sache, sagen die Kunden.“

Corona ist auch hier das Gesprächsthema Nummer eins. „Jeder spricht darüber. Das ,Bleiben Sie gesund’ hat das ,Schönen Tag noch’ abgelöst.“ Alfred Winkelmann schmunzelt: „Das wird sicher der Spruch des Jahres 2020.“

Elvira Diers bedient gegenüber am Stand von Winte’s Kartoffeln eine ältere Dame. Am Pavillon klebt ein Schild mit der Bitte, 1,5 Meter Abstand zu halten. „Kommen Sie nächste Woche wieder?“, will die Kundin wissen. „Wir kommen, so lange wir dürfen“, verspricht Diers. Auch sie hat den Eindruck, dass mehr Leute zum Wochenmarkt kommen und mehr kaufen als sonst. „Und die Kunden sind sehr umsichtig“, lobt Diers, die ebenfalls Handschuhe trägt.

Jeder spreche über Corona. „Die Leute ärgern sich über die Unvernunft in manchen Städten. Hier gehen die Menschen anders damit um, ich finde, daran merkt man, dass wir auf dem Dorf sind. Aber sie haben auch Angst. Ein Kunde, der den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt hat, sagte sogar, dass das hier schlimmer sei.“

Einen deutlichen Einschnitt in das Bild des Wochenmarktes bemerkt der Besucher, der das „Herzstück des Marktes“ sucht, nämlich den Stand von Cathleen Schorling. „Ich habe lange hin- und her überlegt“, sagt die Inhaberin des Hotels und Restaurants Brokate. Aber schließlich habe sie sich dafür entschieden, dem Markt fernzubleiben. Keine leichte Entscheidung, denn Schorling ist ein „Wochenmarkt-Urgestein“ und von Anfang an dabei – also seit 25 Jahren. „Das ist das erste Mal, dass ich aussetze, weil die Umstände mich mehr oder weniger dazu zwingen.“

Denn bei Cathleen Schorling gehen nicht nur Würstchen und Kaffee über den Tresen. Bei ihr finden Besucher Tische, an denen sie verweilen, essen und klönen können. Und das wird immer gern genutzt. Nun fehlt der Stand. „Natürlich kann man den Menschen immer wieder sagen, dass sie Abstand halten müssen, aber das klappt nicht, wenn sie sich an den Tischen zusammenfinden“, sagt Schorling.

Um es also gar nicht soweit kommen zu lassen, ist sie an diesem Freitag nicht dabei – und wird wohl auch an den kommenden nicht auf dem Parkplatz des Rathauses zu finden sein. „Manch einer mag das vielleicht übertrieben finden, aber ich denke, es ist richtig“, erklärt Schorling. Schließlich gehe es um die Gesundheit von Menschen und „ich bin ja auch kein Grundversorger“.

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