Gute Laune und Sonne satt

Siebte Auflage der Piazzetta in Bassum bei bestem Wetter

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Mit dem Kopf durch den Tennisschläger – und das erste Bein ist auch schon durch. Sara Twister kann sich verbiegen.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Piazzetta 2017 – das steht vor allem für gute Laune und Sonnenbrand. Das Wetter meinte es fast ein bisschen zu gut mit den Veranstaltern. Die Sonne brannte vor allem am Samstag erbarmungslos, was dazu führte, dass die Schattenplätze heiß begehrt waren.

Üblicherweise pilgern die Zuschauer von einem Act zum nächsten und beeilen sich, um ganz vorne die besten Plätze zu ergattern. Am Samstag aber drängelten sich viele an Hauswänden und unter Bäumen. Gut für den, der an Hut oder Mütze gedacht hatte. Sonnenschirme und Sonnencremes machten die Runde. Es schien, als hätte die Hitze auch die Aufmerksamkeit des Publikums ein kleines bisschen beeinträchtigt. Zumindest waren die Englischkenntnisse plötzlich wie weggeblasen. 

Theater Leela sucht den Kontakt zum Publikum – und die Zuschauer finden’s witzig.

Diese Erfahrung machte Sara Twister. Die Aufforderung der Schlangenfrau, zu klatschen und zu jubeln, wenn sie mit ihrem Pfeil – übrigens mit den Füßen über Kopf geschossen – das Ziel trifft, quittierte das Publikum mit Schweigen. „Okay, dann klatscht ihr eben, wenn ich das Ziel verfehle“, konterte sie. Applaus! Die Artistin schmunzelte, überraschte dann mit sehr guten Deutschkenntnissen und erklärte die Prozedur erneut.

Helfende Hände aus dem Publikum

Das Publikum konnte über sich selbst lachen und ging gut mit – von Anfang an. Der Sonntag ist normalerweise der Haupttag, doch auch am Samstag herrschte von Beginn an Hochbetrieb in der Innenstadt. Sehr zur Freude der Veranstalter und der Wirte, die für Erfrischungen sorgten. Und sehr zur Freude von Arthur, der als erster dran war. Auch ihm machte die Hitze zu schaffen. Das lag nicht zuletzt an seiner doppelten Bekleidung, der er sich erst nach und nach entledigte.

Piazzetta 2017 - Kunst bei bestem Sommerwetter

Fies, dass er sich zur Unterstützung einen Freiwilligen aus dem Publikum holte: Horst. Der arme Kerl musste sich ebenfalls einen blauen Trainingsanzug überstreifen, ein Toupet-Bürstel auf den Kopf kleben, brennende Fackeln werfen, mit Bällen jonglieren und sich fast überfahren lassen. Er machte seinen Part großartig.

Helfende Hände aus dem Publikum waren in diesem Jahr gefragter denn je. Nicht nur als kurze Einlage. Christoph Priesner von Theater Leela beispielsweise brauchte mehrere starke Männer, die das Seil hielten, auf dem er balancierte. So viel Vertrauen in die Kraft anderer muss man erst mal haben. Er scheute auch nicht den Kontakt – klaute das Eis eines Zuschauers, wischte sich den Schweiß am Kopf seines Gegenübers ab und warf seine getragenen Socken ins Publikum. „Igitt.“ Die Zuschauer kreischten vor Vergnügen.

Piazzetta zaubert Lächeln auf alle Gesichter

„Erbarmungslos“ waren auch Die Maiers. Sie holten sich wieder und wieder einen jungen Mann aus dem Publikum, der ihnen beim Entkleiden behilflich war, als sie oben am Trapez hingen.

„Stelle di Notte“ an der Bassumer Freudenburg

Die drei von The Funes Troup waren auf etwas ganz anderes aus – auf Bier und weibliche Gesellschaft. Sie machten es sich mit einer hübschen jungen Frau in ihrem schmuddeligen Wohnwagen „gemütlich“, bevor sie ihr Feuerwerk der Akrobatik zündeten.

Bemerkenswert: Keiner der Freiwilligen zierte oder drückte sich vor der Aufgabe. Das zeigt, wie gelöst die Stimmung bei der Piazzetta ist, wieviel Spaß Künstler und Publikum zusammen haben. Alle lassen sich darauf ein, Teil von etwas Besonderem zu sein. Piazzetta ist eben mehr als nur Gucken und Konsumieren. Piazzetta zaubert ein Lächeln in die Gesichter – garantiert.

Und das ist nicht zuletzt den Veranstaltern zu verdanken. Kompliment für die Wahl der „glorreichen Sieben“. Das Programm bot einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Mix aus Comedy, Artistik und Akrobatik. Ob lustige Jonglage mit dem sympathischen Dino Lampa, anmutige Rad-Artistik des Duo Kaos oder die wilden Verrenkungen von Sara Twister, bei der alle staunen – und weggucken, weil allein das Zugucken weh: Am Ende hatte jeder seinen Favoriten gefunden.

Lesen Sie auch: Keine Piazzetta ohne umfassendes Abendprogramm. Bei der Stelle di Notte waren alle Künstler des Wochenendes am Samstagabend an der Freudenburg versammelt und begeisterten dabei mehr als 1000 Gäste.

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