Gudrun Lösche freut sich über die Bassumer Ehrenamtsmedaille

„Ich bereue keine Minute“

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Zur Entspannung arbeitet Gudrun Lösche mit dem Material Stein.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Sie wanderte allein über die Alpen und wäre dabei fast ums Leben gekommen. Sie reiste nach Uganda, um HIV-infizierten Kindern zu helfen und trank mit Walter Kempowski Rotwein. Gudrun Lösche ist vielseitig interessiert, bleibt stets neugierig und kann vom Leben nicht genug bekommen. Sie hat sich in den vergangenen Jahren in zahlreichen Bereichen ehrenamtlich engagiert. Dafür erhielt sie kürzlich von der Stadt die Bassumer Medaille (wir berichteten).

Man könnte meinen, dass sie sich nichts aus Preisen macht. Doch weit gefehlt. „Ich freue mich sehr über diese Anerkennung“, sagt die Nordwohlderin.

Bereits im Jahr 2000 organisierte sie die Verlässliche Grundschule in Nordwohlde. Sie gründete das Kultur-Cafe am Stift, engagierte sich jahrelang im Kulturmenü, ist Leiterin der VHS Bassum gewesen, ließ sich zur Hospizhelferin ausbilden, war Schöffin beim Jugendgericht und hat vor drei Jahren mit Claus Ulbrich und Berthold Kollschen das Kulturforum aus der Taufe gehoben.

„Meine Tochter hat einmal spaßeshalber zu mir gesagt: ,Du machst etwa alle fünf Jahre etwas Neues‘“, schmunzelt Lösche. Eines zieht sich aber wie ein roter Faden durch ihr Leben: die Liebe zu Kunst und Kultur.

„Das ist wohl meinem Elternhaus geschuldet“, vermutet die 65-Jährige. „Mein Vater war sehr belesen und interessiert an Musik und Kultur. Ich saß schon mit 15Jahren in Bayreuth bei den Festspielen.“

Gudrun Lösche wuchs in Hamburg auf. Aufgrund einer starken Sehschwäche und der Sorge der Eltern, dass sie ihr Augenlicht durch vieles Lernen verlieren könnte, sollte sie nicht das Gymnasium besuchen. So blieb ihr Traumberuf Ärztin vorerst unerreichbar. Stattdessen besuchte sie die Mittelschule und machte eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Danach holte sie an der Abendschule das Abitur nach. Doch bevor sie ihr Medizinstudium beginnen konnte, lernte sie ihren ersten Mann kennen, heiratete und wurde schwanger.

Für ihn verließ sie ihre große Liebe, die Stadt Hamburg. „Das Landleben musste ich lernen“, sagt sie. Hamburg sei noch heute ihre Heimat. „Ich liebe die Großstadt, ich brauche Kultur um mich herum, Museen, die Oper, das weltoffene Flair.“

Nach 13 Umzügen wurde die Familie in Wunstorf sesshaft. Gudrun Lösche machte eine weitere Ausbildung zur Erzieherin. Als sich das Paar trennte, blieb sie in Wunstorf und traf ihren zweiten Mann Claus-Dieter Lösche. Als ihm die Stelle des Schulleiters in Syke angeboten wurde, kam das Paar nach Bassum.

Auch Gudrun Lösche hätte sofort als Erzieherin anfangen können. Doch stattdessen machte sie eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau. Und hatte eines Tages die Idee, ein Cafe zu eröffnen. Noch heute sind die irischen Abende legendär. Das Kultur-Cafe in der alten Dechanei hatte Kultstatus. „Kulturell war es ein Erfolg, wirtschaftlich gesehen leider nicht.“

Lösche gab den Betrieb auf, nahm aber viele schöne Erinnerungen mit an Abende mit Künstlern wie Uli König oder Walter Kempowski. „Ich bereue keine Minute.“

Durch das Cafe lernte sie Gerd Thiel kennen, der ihr anbot, die VHS-Außenstelle Bassum zu übernehmen. Und auch in diesem Bereich setzte Lösche Akzente. Und sie machte sich für die Jugend stark, gründete die Junge VHS.

Seit drei Jahren bereichert sie Bassum zusammen mit Claus Ulbrich und Berthold Kollschen durch das Kulturforum. „Ich mache das nicht für mich. Auch wenn ich die tollen Begegnungen mit den Künstlern spannend finde. Mein Herz geht auf, wenn das Publikum die Angebote toll findet“, sagt Lösche. Allerdings gräme sie es auch, wenn Veranstaltungen nicht angenommen würden.

Lösche ist selbst auch kreativ. „Früher habe ich gemalt, heute arbeite ich lieber mit Steinen.“ Stein wurde ihr vor fünf Jahren fast zum Verhängnis. Als sie 60 Jahre alt wurde, pilgerte sie neun Tage lang auf einem alten Handelsweg allein über die Alpen. Sie verlief sich und kam auf einem Gletscherfeld ins Rutschen. Mit aller Kraft kämpfte sie sich den Berg hinunter, zuletzt auf allen Vieren. Doch das schreckt sie nicht. Den nächsten Pilgerweg hat sie sich bereits ausgeguckt. Es ist der „Weg der starken Frauen“, 160 Kilometer lang. „Ab und an brauche ich die Einsamkeit, um den Kopf frei zu bekommen“, sagt sie. Frei für neue Ideen. Bassum darf gespannt sein.

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