Gruppe Indy-Films um Dominik Neisser aus Bassum dreht Roadmovie in Norwegen / Am Dienstag geht es los

Jungsein verlernt man nicht

+
Gehen am Dienstag auf Tour: Peter Steinke, Dominik Butzke, Austen Dobrin-Stein, Joost Harenborg und Elia Giersberg (v.l.) sowie Dominik Neisser (hinten) und sein Sohn Joshua (vorn).

Bassum - Von Frauke Albrecht. "Handys aus! Ruhe am Set, wir wollen drehen." Joshua schlingt hastig seine Bratwurst runter. Dann ruft er: "WGD – die Erste." Doch das rote Auto, dass nun eigentlich auf den Hof rollen sollte, lässt auf sich warten. Es hat Startprobleme. Also alles auf Anfang.

"Wir sind sonst viel professioneller", meint der 17-jährige Joost Harenborg, als die Szene nach dem dritten Anlauf immer noch nicht im Kasten ist. Mit Wir meint er die Mitglieder der Gruppe Indy-Films, die derzeit einen Roadmovie drehen. Ziel ist Norwegen. Der Jüngste ist gerade mal zehn Jahre alt, der älteste 78. Die ersten Szenen wurden bereits am Sonntag in Ochtmannien gedreht. Dort wohnt eine der Hauptfiguren. Titel des Films: "Jungsein verlernt man nicht". Erzählt wird die Geschichte von Fynn (Dominik Butzke). Der 17-Jährige wird von seiner Freundin verlassen. Das wirft ihn völlig aus der Bahn. Sein Opa (Peter Steinke) ist ihm ein guter Zuhörer. Er gibt Rückhalt. Gemeinsam entwickeln sie die Idee, eine Reise zu unternehmen. Da sie beide kein Auto haben, spricht Peter seinen Freund Dominik (Dominik Neisser) an. Dieser hat ein altes Auto und stellt die Bedingung, dass er und sein Sohn mitfahren dürfen. Am Ende machen sich sieben auf den Weg. "Wir wollen keinen Dokumentarfilm drehen, es gibt eine Story. Alle spielen eine Rolle, trotzdem spielen wir uns ein Stück weit selbst", erläutert der 16-jährige Elia Giersberg das Konzept. Er ist mit Joost und Austen Dobrin-Stein für das Drehbuch verantwortlich. "Es geht darum, aus dem Alltag auszubrechen, Spaß zu haben, jung zu sein oder das Jungsein für sich zu entdecken, unabhängig vom Alter", sagen sie. Am Ende soll der Zuschauer einfach Lust haben, mitzufahren.

Thematisiert werde aber auch der Generationenkonflikt, wenn es denn einen geben sollte. Wie sich das Zusammenleben zwischen Alt und Jung auf der Fahrt gestaltet, darauf sind alle gespannt. Peter Steinke (78) dazu: "Ich freue mich, dass ich das erleben darf und bin ganz gespannt, auch Grenzen kennenzulernen." Seit über einem Jahr bereiten sich die Sieben auf das Projekt vor. Wer von ihnen ursprünglich die Idee dazu hatte, vermögen sie heute nicht mehr zu sagen. "Das entwickelt sich", erzählen sie. "Irgendeiner hat mal den Vorschlag gemacht, und die Gruppe spinnt das weiter." "Letztes Jahr sind einige von uns mit einem VW-Bus durch Norwegen gefahren, und wir haben Lust bekommen, mit einem großen Auto alle zusammen was zu erleben", erzählt Joost. Natürlich mit Kamera.

Seitdem arbeiten sie an der Umsetzung des Projektes. Sie sammelten Spenden, starteten eine Crowdfunding-Kampagne, organisierten hochwertige Kameras, schrieben am Drehbuch – und suchten vor allem das passende Auto. Im Internet stießen sie auf einen alten Mercedes, ursprünglich ein Baustellenfahrzeug. Den Kipper baute Joost zusammen mit seinem Vater um. Sie konstruierten einen komplett neuen Aufbau, damit nicht nur die Ausrüstung Platz findet, sondern alle auch einen Schlafplatz haben und es eine Kochgelegenheit gibt. „Ich bin sicherheitshalber noch in den ADAC eingetreten“, schmunzelt Neisser angesichts des betagten Fahrzeuges. Der Tüv hatte allerdings nicht zu bemängeln. Am Dienstag geht es los. Erste Station ist Hamburg. Dann wollen sie über Hirtshals nach Kristiansand und von dort weiter zum Hardangervidda.

Die Gruppe lernte sich über AGs der Prinzhöfte-Schule kennen. Auch nach der Schulentlassung blieben alle miteinander befreundet, obwohl sie in verschiedenen Orten wohnen und unterschiedliche Wege beschreiten. Zwei gehen weiter zur Schule, einer beginnt eine Ausbildung zum Elektroniker, der andere möchte Mediengestalter werden. Aber alle wollen sie Filme drehen. Auch dieser Aspekt findet sich in "Jungsein verlernt man nicht" wieder. Es ist eine Reise von sieben Menschen, die in ihrer Unterschiedlichkeit die Qualität der Freundschaft leben und durch das gemeinsame Ziel, einen faszinierenden Film zu machen, verbunden sind. Das Projekt wird möglich durch Spenden. Die Volksbank steuerte 1000 Euro bei, das Crowdfunding brachte 1500 Euro. Elia: "Insgesamt stecken da gut 5 000 Euro drin." Der Film soll Ende 2015, Anfang 2016 in die örtlichen Kinos kommen. Noch ist die Gruppe auf der Suche nach der passenden Filmmusik. "Schön wäre es, wenn die Musik eigens dafür geschrieben wird", sagt Neisser. Nachwuchsmusiker können sich bei ihm melden.

Hintergrund: Elia, Joost, Austen und Dominik sind ehemalige Schüler der Prinzhöfte-Schule und arbeiteten zusammen mit Dominik Neisser in einer Film-AG. 2013 drehten sie den ersten Beitrag "Dark Cache", für den sie eine Auszeichnung erhielten (wir berichteten). Darin spielt auch Peter Steinke mit. Er ist ein Freund Neissers. Alle haben sich dem Filmemachen verschrieben. 2013 gründeten sie die Gruppe Indy-Films.

 Weitere Infos gibt es im Internet. www.indyfilms.de

Mehr zum Thema:

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Meistgelesene Artikel

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Rettungsdienste und Polizei proben Ernstfall

Große Resonanz auf den Infotag der Kreismusikschule

Große Resonanz auf den Infotag der Kreismusikschule

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Kommentare