Untersuchungen in Groß Hollwedel wegen Schwermetallen

Belastetes Grundwasser in Bassum: Altlasten und Bohrschlammgruben

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Eike Sellmer von den Grünen findet die Ergebnisse „nicht beruhigend“. Sie hat beantragt, das Thema Altablagerungen und Bohrschlammgruben in einer Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses zu behandeln.

Bassum - Dass die Geschichte einen immer wieder einholt, ist ein alter aber trotzdem wahrer Spruch. Das erlebt auch die Untere Wasser- und Abfallbehörde des Landkreises Diepholz gerade, denn sie untersucht Dinge, die häufig in den 50er- oder auch 70er-Jahren entstanden, heute verborgen unter der Oberfläche liegen – und trotzdem noch zu einer Gefahr werden könnten: Altlasten und Bohrschlammgruben.

Auch im Bassumer Boden lagert noch einiges aus der Vergangenheit, mit dem man damals allzu sorglos umging. Dieter Schmidt und sein Kollege Erich Ritschl von der Unteren Wasser- und Abfallbehörde gaben den Mitgliedern des Ausschusses für Stadtentwicklung einen Einblick in den derzeitigen Stand der Dinge. Das Ergebnis bezeichnete Eike Sellmer von den Grünen als „nicht beruhigend“.

Unter dem Begriff Altlasten vereinen sich zwei verschiedene Dinge. Einmal die Altablagerungen. Das sind stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen sowie sonstige Grundstücke, auf denen Abfälle behandelt, gelagert oder abgelagert worden sind. Ein Beispiel wäre eine mit Boden und Bauschutt verfüllte, ausgebeutete Sandgrube. Davon gibt es im Landkreis etwa 370. In Bassum sind 45 ermittelt worden. „Diese Orte werden zurzeit nach und nach untersucht“, erläutert Schmidt. Welcher Ort zuerst drankommt, entscheidet ein Punktesystem (Prioritätenliste). Liegt einer von ihnen in der Nähe eines Wohngebietes, bekommt er eine höhere Punktzahl – kommt also schneller an die Reihe.

Von den 45 Bassumer Grubben sind 13 bereits untersucht worden. Zehn davon sind als unbedenklich eingestuft, bei dreien wird noch nachermittelt.

Allein 235 Verdachtsflächen in Bassum

Außerdem fallen unter dem Begriff Altlasten die Altstandorte. Das sind Grundstücke mit stillgelegten Anlagen und sonstigen Grundstücken, auf denen mit umweltgefährdende Stoffen umgegangen worden ist. Im Kreisgebiet gibt es etwa 5. 800 Verdachtsflächen, davon in Bassum schätzungsweise 235. Diese werden jedoch erst untersucht, wenn die Experten mit den Altablagerungen fertig sind. „Es sei denn, es gibt Auffälligkeiten, dann werden wir sofort tätig“, so Schmidt.

Was die Mitglieder des Ausschusses aufhorchen ließ, war der Abschnitt über die Bohrschlammgruben, von denen es drei in Bassum gibt, und zwar in Groß Hollwedel, Bramstedt und Röllinghausen. Bei Bramstedt und Röllinghausen ist alles in Ordnung. Bei Groß Hollwedel stehen hingegen weitere Untersuchungen an, da dort eine Belastung durch Schwermetalle im Grundwasser festgestellt worden ist.

Leicht erhöhte Werte diverser Metalle im Grundwasser

„Die Bohrschlammgrube wurde in den 1970er-Jahren angelegt und mit Bohrschlamm befüllt“, erläuterte Schmidt. Eine erste Untersuchung Ende 2017 ergab, dass im Grundwasser leicht erhöhte Werte diverser Metalle gemessen werden konnten. „Eine Gefahr war für das Grundwasser nicht eindeutig auszuschließen, sodass in Abstimmung mit dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie und dem ehemaligen Schlammgrubenbetreiber das Grundwasser genauer untersucht werden sollte.“

Im Frühjahr 2019 seien im Abstrom der Schlammgrube drei dauerhafte Grundwassermesstellen in bis zu 100 Meter Abstand zur Schlammgrube angelegt worden „Über diese bis zu sechs Meter tiefen Messstellen ist das Grundwasser jeweils zweimal beprobt worden“, schildert Schmidt. „Zusätzlich wurden drei Feststoffproben aus dem Deponat gewonnen, die ebenfalls auf Metalle zu untersuchen sind.“

Gutachten soll über konkrete Gefahr für das Grundwasser informieren

Auf Grundlage dieser Untersuchungen wird zurzeit vom Sachverständigenbüro ein Gutachten erstellt, das verrät, ob von der Bohrschlammgrube eine konkrete Gefahr für das Grundwasser besteht und weitere Schritte erforderlich sind. „Es ist auch denkbar, dass die Schwermetalle durch einen Zustrom an diese Stelle gelangt sind und nichts mit der Grube zu tun haben“, so Schmidt.

Die Grundwasserfließrichtung ist Richtung Dünsener Bach, es gibt keine direkte Wohnbebauung in der Nachbarschaft. Das Gutachten wird voraussichtlich im Herbst vorliegen.

Die Mitglieder des Ausschusses unterstützen das Vorhaben, so schnell wie möglich mehr über die Belastung des Grundwassers in Groß Hollwedel herauszufinden. „Wir wollen das Thema unbedingt weiterverfolgen“, so Sellmer.

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