Schreiben an Landwirtschaftsministerin

Attac-Aktive in Sorge um das Wasser

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Ulrich Tatje (links) und Walter Kreideweiß haben große Sorge um das Lebenselixier Wasser.

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Wasser ist Leben, wissen Ulrich Tatje und Walter Kreideweiß. Doch der Öffentlichkeitsreferent und der Landwirtschafts-Fachgruppensprecher der globalisierungskritischen Organisation Attac sind in großer Sorge: Die drohende Gülle-Flut kann zur großen Gefahr für das Grundwasser werden – wenn die Politik nicht wirksam gegensteuert. Deshalb haben sich die Mitglieder der Attac-Gruppe Diepholz Nord an die neue niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast gewandt.

Anlass: Die sogenannte Havarie-Verordnung, die Landwirten im absoluten Notfall das Ausbringen von Gülle oder den Bau provisorischer Lagunen dafür erlaubt. „Wenn jetzt Gülle ausgebracht würde, dann könnten die Pflanzen sie gar nicht aufnehmen. Vieles würde ins Grundwasser sickern“, mahnt Tatje. Schon jetzt sei die Belastung extrem hoch, stellt er mit Blick auf die Nitratwerte in Kontrollbrunnen fest – eine enorme Herausforderung für die Wasserwerke, die Lösungen finden müssten. Im Wasserwerk Hoya, so berichtet Walter Kreideweiß, seien bereits Aktivkohlefilter eingebaut. In anderen werde nitrathaltiges Wasser mit unbelastetem vermischt, fügt Ulrich Tatje hinzu.

„Es ist auch keine Lösung, die Gülle zu verpressen“, bewerten die Attac-Mitglieder einen aktuellen Leserbrief des Landwirts Bernd Armbrecht aus Einbeck. „Die Lösung ist eine andere Landwirtschaft“, so Tatje und Kreideweiß. Denn die jetzige sei am Limit. Eine Menge von mehr acht Millionen Tonnen Fleisch werde pro Jahr in Deutschland produziert, aber ein großer Teil davon exportiert. Hungern müsse also niemand bei einer Landwirtschaft ohne extreme Massentierhaltung und ohne die damit verbundenen Soja-Futter-Importe aus Übersee, so das Attac-Argument.

Mehr Platz für Lebensmittel gefordert

Auf den heimischen Feldern möchte Walter Kreideweiß deutlich mehr Getreide für Lebensmittel wachsen sehen als bisher: „Irrsinnig, wie viele Flächen für die Viehfutter- statt für die Nahrungsproduktion genutzt werden!“ Ganz zu schweigen davon, dass die Wegeseitenränder vielerorts „immer ein Stückchen mehr“ abgepflügt und so dem Ackerland zugeschlagen würden. Damit werde – wie ohnehin schon durch Monokulturen wie Mais – wichtiger Lebensraum für Bienen und andere Insekten zerstört.

„Wir wollen den Landwirten nicht die Lebensgrundlage entziehen, aber wir wollen eine gesunde Ernährung erreichen“, sagt Kreideweiß. Attac habe sich bereits in mehreren Veranstaltungen mit dem Thema Wasser und Gülle befasst und von einem Fachmann erfahren, dass in Niedersachsen problemlos 80.000 Tonnen Gülle weniger auf die Felder gebracht werden könnten, um die Pflanzen ausreichend zu düngen.

Kritik an übertretener Frist

Die Attac-Mitglieder kritisieren ebenso, dass Landwirte noch nach Beginn der Sperrfrist (31. Oktober bis 31. Januar) Gülle auf die Felder gefahren hätten – verbotenerweise. Ulrich Tatje warnt vor den Langzeitfolgen: „Was heute geschieht, ist erst in 30 Jahren sichtbar!“

Das neue Düngegesetz beinhalte zwar strengere Vorgaben, „aber die Einhaltung wird nicht überprüft“. Genau darum habe Attac die Landwirtschaftsministerin in dem Brief ausdrücklich gebeten.

Zurzeit bereitet die Gruppe Diepholz-Nord eine Themenreihe zu der Problematik vor. Attac wolle ebenso mit dem Naturschutzbund und dem Bund für Umwelt- und Naturschutz zusammenarbeiten.

Neue Interessierte sind bei den Attac-Gruppentreffen gern gesehen – an jedem dritten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr im Café Waldstraße in Syke.

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