Neues Krankenhaus im Landkreis Diepholz

Klare Mehrheit für 200-Millionen-Projekt Zentralklinik: Standort und Eröffnung offen

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Entschlossen für die Zentralklinik: Die große Mehrheit des Kreistags stimmt für das Zukunftsprojekt.

Mit großer Mehrheit hat der Kreistag am Montag den Grundsatzbeschluss für den Bau der Zentralklinik gefasst. Nur drei Gegenstimmen zählte Kreistagsvorsitzende Dörte Meyer (CDU) im Neubruchhauser Hotel „Zur Post“.

  • Die Weichen für eine Zentralklinik für den Kreis Diepholz sind gestellt
  • Der Kreistag stimmt mit großer Mehrheit für den Bau
  • 187 Millionen Euro sind beantragt

Neubruchhausen - Die Fraktion der Linken lehnte das Zukunftsprojekt ab, aber die Sprecher aller sechs anderen Kreistagsfraktionen stellten sich dahinter. Aus ihrem Plenum kam eine Gegenstimme. Im Haushaltsjahr 2020 sind vier Millionen Euro für die Planung kalkuliert – bis 2023 kommen weitere 16 Millionen Euro dazu. Der Standort des Zentralklinikums ist noch ungeklärt – ebenso wie die Frage, ob und wie viel Geld der Landkreis Diepholz für sein Zukunftsprojekt vom Land Niedersachsen erhält. Beantragt sind 187 Millionen für den Bau des Zentralklinikums mit 340 Betten – und für die Option einer Kinderklinik mit 30 Planbetten weitere 16,5 Millionen Euro.

„Wir wollen kein Geld vom Land. Wir fordern es ein!“, betonte Landrat Cord Bockhop. Der Landkreis Diepholz sei derjenige, der konsequent und mutig seine Strukturen verändere. „Wir wollen unser Zentralkrankenhaus!“, fügte er unter Beifall aus dem Plenum hinzu.

Zentralklinik im Landkreis Diepholz mit Gynäkologie und Geburtshilfe?

Zuvor hatten sich die Fraktionsvorsitzenden positioniert. Die CDU habe, so ihr Fraktionsvorsitzender Volker Meyer, immer das Ziel einer qualitativ hochwertigen medizinischen Krankenhausversorgung im Landkreis Diepholz verfolgt. „Dazu gehört für uns ein erweitertes Leistungsangebot wie zum Beispiel die Schlaganfallbehandlung, Gynäkologie und Geburtshilfe.“

Als Fraktionsvorsitzende der SPD berichtete Astrid Schlegel von Gesprächen mit ausgewiesenen Fachleuten. „Aus den Gesprächen mit dem Land ging eindeutig hervor, dass kleinere Häuser nicht mehr gefördert werden und dass größere Zentralkliniken die Zukunft sind.“ Die SPD sehe Chancen für Synergieeffekte im Bereich Personal und für mehr Fachrichtungen.

Gute Haushaltslage des Landkreises Diepholz

Als Fraktionsvorsitzender der Grünen hatte Ulf Schmidt die „abermals sehr gute“ Haushaltslage des Landkreises im Blick, durch die man sich „nochmals viele positive Dinge gleichzeitig“ leisten könne. Deshalb könne der Landkreis sowohl die aktuellen Defizite der drei bisherigen Krankenhäuser finanzieren als auch die grundsätzliche Neuausrichtung hin zu einem Zentralklinikum.

„Die heutige Entscheidung über den Bau einer Zentralklinik bedeutet eine Zäsur in der Versorgung unserer Einwohner mit Krankenhausleistungen“, erklärte der FDP-Fraktionsvorsitzende Rolf Husmann. „Die Rahmenbedingungen, die uns zu diesem radikalen Strukturwandel zwingen, haben wir als Kommunalpolitiker nicht zu verantworten“, fügte er mit Blick auf überregionale Entwicklungen hinzu.

„Richtig Dampf unter dem Krankenhauskessel“

Vor einigen Jahren habe sich der Kreistag trotz Gutachten nicht zur Reduzierung der Krankenhäuser entschließen können, blickte Hermann Schröder als Fraktionsvorsitzender der FWG zurück. „Doch der wirtschaftliche Druck und der personelle Notstand haben zum Umdenken und zu entschlossenem, geschlossenem Handeln gezwungen.“ Schröder dankte der Verwaltung, „die richtig Dampf unter dem Krankenhauskessel gemacht hat“.

AfD-Fraktionschef Harald Wiese erinnerte an steigende Defizitausgleiche, Fachkräftemangel und hohe Aufwendungen für Leiharbeitnehmer. „Eine Zentralklinik kann einige dieser Probleme lindern“, stellte er sich hinter das Projekt. Aber es gebe bei der Aufgabe bewährter Standorte auch Nachteile: „Welche Entfernungen müssen bei Anfahrten von Patienten und Angehörigen wahrgenommen werden?“

Diepholzer Landrat Cord Bockhop zeigt sich zuversichtlich

Allein Jürgen Abelmann als Fraktionssprecher der Linken sah die 20 Millionen Euro Planungskosten für einen Zentralbau mehr als kritisch – und erinnerte an die Schließung der Geburtshilfe an der Klinik Bassum vor Jahren. Damals habe das Personal gefehlt: „Wo soll das Personal künftig herkommen?“ Landrat Bockhop zeigte sich zuversichtlich. Die Konstellation sei künftig eine andere.

Kommentar: Zentralklinik im Landkreis Diepholz - eine Flucht nach vorn

Von Anke Seidel.

Es ist eine historische Grundsatzentscheidung, die der Kreistag am Montag getroffen hat: Die Zentralklinik kommt. Wo sie stehen und wann sie eröffnet wird, ist noch offen. Sicher ist: Über diese Ausnahme-Investition von mehr als 200 Millionen Euro wird noch viel diskutiert werden müssen. 

Keine Frage: Der Abschied von der dezentralen Struktur, von den Krankenhäusern in Bassum, Sulingen und Diepholz wird den Bürgern schwer fallen. Trotz allem sollten sie nicht vergessen, dass dem Landkreis seine Kliniken lieb und teuer sind – im Wortsinn. Jahr für Jahr zahlt er hohe Millionenbeträge für ihr Defizit: ein Fass ohne Boden – und bei Weitem keine Ausnahme. Zwei Drittel aller niedersächsischen Krankenhäuser schreiben mittlerweile rote Zahlen. Ganz zu schweigen davon, dass sie händeringend Personal suchen, das es offensichtlich nicht gibt. Allein in den Kliniken im Landkreis Diepholz mit ihren rund 1 400 Mitarbeitern sind zurzeit 51 Stellen nicht besetzt. 

Der Grundsatzbeschluss für eine Zentralklinik mit optimalen Bedingungen für optimale Arbeitsabläufe ist also nichts anderes als eine Flucht nach vorne. Die landesweite Lage der Kliniken beweist: Die Probleme sind nicht hausgemacht. Hier versagt das System. Achtung: Der Patient Gesundheitswesen ist akut krank.

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