Große Feuerwehrübung in Hallstedt

Hilfeschreie und andere Gemeinheiten

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Mit Wasserschlauch und Beil ausgerüstet, verschaffen sich die Atemschutzgeräteträger Zugang.

Hallstedt - Von Frauke Albrecht. Die Schreie sind nicht zu überhören: „Hilfe, holt mich hier raus.“ Auch das heftige Klopfen lässt nicht Gutes erahnen. In Hallstedt brennt ein Haus, vier Personen werden vermisst. Die Feuerwehr ist bereits eingetroffen. Doch übereilte Entscheidungen sind fehl am Platz. „Die Sicherheit geht vor. Jeder noch so kleine Fehler kann fatale Folgen für die Einsatzkräfte haben“, weiß Peter Cordes, Pressesprecher der Feuerwehr, der diese Übung am Sonnabend interessiert verfolgt.

„HIIILFE“, dringt es wieder dumpf aus dem Gebäude. Der Qualm wird stärker. Während die eingetroffenen Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehren Hallstedt, Neubruchhausen und Albringhausen die Wasserversorgung sicherstellen, legen die Atemschutzgeräteträger ihre Ausrüstung an. Jeder Handgriff sitzt, wird dennoch vom Kollegen nochmals kontrolliert.

Den im Haus Eingeschlossenen mag es wie eine Ewigkeit vorkommen, tatsächlich sind es nur wenige Minuten, bis der erste Trupp, bestehend aus zwei Personen, behutsam die Tür öffnet. Einer hält den Wasserschlauch in der Hand, der andere ein Beil. Im Entengang geht es ins Haus.

„Im Ernstfall hätten die längst die Fensterscheibe raus genommen“, meint Peter Cordes. Aber in diesem Fall stünde das Aufbrechen der Tür auf dem Trainingsplan. „Sobald sie merken, dass es sich um eine Übung handelt, schalten sie einen Gang runter“, weiß Cordes. Dennoch würden die Übungen ernst genommen. Sie helfen, Fehler zu vermeiden. Hendrik Meyer, Ortsbrandmeister in Hallstedt, hat sich zusammen mit seinem Stellvertreter Ralf Linz einige Gemeinheiten für die Kollegen ausgedacht. Das Haus soll in den kommenden Tagen abgerissen werden. Ein idealer Übungsort also. Die Sicht in den engen Räumen ist gleich Null. Disconebel wabert aus dem Haus. Die Türen sind verschraubt worden. Zahlreiche Barrieren erschweren den Weg. „Das Gemeinste ist, dass die Eingeschlossenen schreien. Das kann einen ganz schön aus der Bahn werfen“, weiß der Ortsbrandmeister aus Erfahrung.

Die erste Vermisste wird aus dem Haus geführt. Kaum im Freien, reißt sie sich los, schreit „Meine Katze“ und rennt zurück ins Haus. „Auch das kann passieren“, kommentiert Meyer den Vorfall. „Man weiß nie, wie die Opfer reagieren.“

Nach und nach werden alle vier Vermissten geborgen. „Hast du die Katze gefunden?“, fragt ein Feuerwehrmann verschmitzt seinen Kollegen. Der schüttelt den Kopf. Das Tier bleibt verschwunden.

In der Abschlussbesprechung mit Stadtbrandmeister Theo Garrelts und dem Kreissicherheitsbeauftragten Heino Schlottmann kommen lediglich kleine Fehler zur Sprache. Auch Meyer ist zufrieden. Die Übung seit gut gelaufen, heißt es. Insgesamt waren sieben Feuerwehrfahrzeuge mit insgesamt 40 Einsatzkräften vor Ort.

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