Syrischer Flüchtling in Bassum

Größter Wunsch von Mustapha Alouche: Arbeit finden

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Mustapha Alouche.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Wenn man Mustapha Alouche nach seinem größten Wunsch fragt, muss er nicht lange überlegen: „Eine Arbeit finden, meinen Beitrag leisten und nicht vom Geld des Jobcenters leben.“

Seit über zwei Jahren ist der Journalist aus Syrien nun mit seiner Frau und seiner Tochter in Deutschland, seiner „zweiten Heimat“, wie er mit einem Lächeln sagt. 

Entspannt sitzt der 53-Jährige im Besprechungsraum der Kreiszeitung und schaut durch die Glasscheibe den Redakteuren bei der Arbeit zu. Gern erinnert er sich an seine Zeit als Praktikant in der Redaktion und sehnt sich danach, wieder in dem Beruf arbeiten zu können, für den er lebt – und in Syrien oft genug sein Leben riskiert hat. Doch seine Deutschkenntnisse reichen dafür nicht aus. „Da brauche ich ein C1- oder C2-Zertifikat.“

Mustapha Alouche wohnt in Bassum, hat bereits einen Deutsch-Kurs besucht und übt jeden Tag mithilfe von Videos im Internet. Doch: „Deutsch ist schwer“, gibt der 53-Jährige zu und lacht. „Ich kann noch immer nicht alle meine Gefühle in dieser Sprache ausdrücken.“

Grundgesetz gefällt ihm besonders

Wenn er sich nicht in Deutsch übt, besucht er einen Orientierungskurs über das Leben in Deutschland. „Das ist sehr spannend. Wir lernen etwas über die Geschichte, die Bedeutung der Feiertage und auch die aktuelle Politik.“ Besonders gefalle ihm das Grundgesetz. „Wenn die Diktatur in Syrien abgeschafft ist, wünsche ich mir das auch für mein Land.“

Syrien begleitet ihn noch immer, jeden Tag. Er hat eine App, die ihm Nachrichten aus seiner „ersten Heimat“ zuträgt und er hält Kontakt zu alten Freunden. „Ich tausche mich mit einer Kollegin aus, die Syrien wegen ihrer Mutter nicht verlassen kann und schreibe mir mit einem Freund, der mit mir gegen die Diktatur schrieb. Er darf nun nichts mehr veröffentlichen und sitzt nur noch zu Hause.“

Viele Freunde unterstützen ihn

Mustapha Alouche ist froh, nach Deutschland gekommen zu sein, auch wenn es manchmal schwer ist, sich in dem neuen Leben zurechtzufinden. „Hier ist es wie im Paradies. Wir suchten Gesetz und fanden es, wir suchten Sicherheit, ein gutes Leben, Freiheit – und fanden all das.“ Zudem habe er viele Freunde, die ihm helfen und ihn unterstützen. „Wenn der Krieg irgendwann vorbei ist, möchte ich sie am liebsten nach Syrien einladen, um ihnen mal meine Heimat zu zeigen.“

Für seine zwölfjährige Tochter sei es ebenfalls nicht immer leicht, sich einzufinden, obwohl sie mittlerweile sehr gut Deutsch spreche. Sie trage noch immer viele Ängste mit sich herum, traumatische Erlebnisse aus der Vergangenheit machen ihr den Umgang mit anderen Kindern manchmal schwer. „Aber sie hat gute Lehrer, die ihr helfen.“ Singen und Malen mache ihr viel Spaß, doch einen Berufswunsch habe die Kleine noch nicht geäußert. „Aber natürlich frage ich mich, was sie einmal machen wird.“

Gedanken an die Zukunft

Doch bevor er sich Gedanken darüber macht, welcher Arbeit seine Tochter nachgehen wird, möchte Mustapha Alouche unbedingt selbst eine finden. Seine Gedanken kreisen ständig um die Zukunft, wie es mit ihm weitergehen soll. „Ich möchte gern mit Menschen arbeiten, am liebsten mit Kindern. Die brauchen viel Geduld und ich glaube, die habe ich“, sagt der 53-Jährige.

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