Weit über 100 Horste im Windparkgebiet

Naturschützer erarbeiten Greifvögel-Gutachten

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Ein Rotmilan im Suchflug. Juliane Kiss hat dieses Foto in Albringhausen aufgenommen.

Bassum - Von Frauke Albrecht. Nächsten Donnerstag tagt der Ausschuss für Stadtentwicklung. Einziger Tagesordnungspunkt: Die 12. Änderung des Flächennutzungsplanes (FNP) 2000+. Es geht um den geplanten Windpark in Albringhausen.

Das Thema ist nicht neu, sorgt aber immer wieder für Zündstoff. Die Stadt Bassum hatte nach intensiven Beratungen dem Vorhaben bereits zugestimmt, doch der Landkreis verlangte als Genehmigungsbehörde Nachbesserungen bei den Gutachten. Gutachter sollten die Vogelwelt umfassender beobachten. Es gab den Verdacht, dass der Rotmilan dort nicht nur seine Runden dreht, sondern auch brütet.

F-Plan-Änderung im Ausschuss

Diese Kartierung steht kurz vor dem Abschluss. Sie liegt dem Ausschuss am Donnerstag aber noch nicht vor. „Warum aber wird dann über die F-Plan-Änderung abgestimmt?“, fragen sich Anwohner, die Bürgerinitiative Pustekuchen und Naturschutzverbände. Sie kritisieren die Eile, fürchten, dass die Planung schnell durchgepeitscht werden soll. „Es wird gesagt, wir können später noch nachbessern – man will immer erstmal Fakten schaffen“, schimpft Henning Greve vom BUND.

Er wünscht sich, dass die Politik bereits bei der Diskussion um die Ausweisung genaue Kentnisse über den Bestand hat. Greve: „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass wir uns auf die Gutachten, die die Windpark-Betreibergesellschaften in Auftrag geben, nicht verlassen können. Deshalb haben wir ein eigenes Gutachten erarbeiten lassen. Dieses, von Siegfried Eisend erstellt, weicht vom Gutachten der Betreiber ab“, ist Greve überzeugt und ergänzt: „Unser Experten und unsere Kartierer haben den Rotmilan nicht nur gesehen, sie haben Horste gefunden.“ Die Standorte wollen sie nicht verraten. Sie fürchten Zerstörungen. „Wir hatten schon Flatterband zur Abschreckung der Vögel an einigen Stellen gefunden“, berichtet der Naturschützer.

Hohe Greifvogeldichte festgestellt

Nicht nur der Rotmilan soll in Albringhausen vorkommen. Eisend macht im Erfassungsgebiet eine hohe Greifvogeldichte aus: „Sechs adulte Rotmilane und drei Jungvögel aus dieser Brutsaison; außerdem zwei Schwarzmilane, Wiesenweihen, Rohrweihen, Kraniche, Mäusebussarde, Habichte, Weißstorch und Turmfalken. Gesamtanzahl der gesichteten Horste im Erfassungsgebiet: Weit über 100 Horste, welche meist Greifvögeln zugeordnet werden können.“

Eine Kurzfassung soll der Politik rechtzeitig vor Sitzungsbeginn zukommen.

Für die Änderung des F-Plans sind diese Erkenntnisse unerheblich, sagt Bassums Bauamtsleiter Martin Kreienhop. Die Gutachten würden erst dann hinzugezogen, wenn es um die Planung der konkreten Standorte der Anlagen geht – das passiere im Rahmen des Bimsch-Verfahren (Bimsch steht für Bundesemissionsschutzgesetz). Am Donnerstag gehe es lediglich um die Frage, ob sich die Fläche für Windkraft eignet. „Wir als Stadt sind davon überzeugt“, so Kreienhop.

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