Vom Glühweintopf zur modernen Mosterei

Familie Eckhoff weiht ihre Mosterei in Albringhausen ein

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Reena, Olaf und Franja Eckhoff sind stolz auf die neue Siebbandpresse.

Albringhausen - Von Frauke Albrecht. Olaf Eckhoff strahlt über das ganze Gesicht. Die Anstrengungen der vergangenen Monate sind ihm nicht anzusehen. Sein Ziel ist greifbar nah: Am 18. August wird die neue Mosterei in Albringhausen eröffnet – mit einem Tag der offenen Tür.

Die ganze Familie hat in den vergangenen zwei Jahren mit angepackt. Eckhoffs haben Dachpfannen und Ziegelsteine geschleppt, Mutterboden angefahren und sich den Handwerkern als Hilfskraft angeboten. Nun können sie ihren Freunden und Kunden endlich das neue Haus präsentieren.

Die Mosterei ist nur ein paar Meter vom alten Standort entfernt, bietet aber wesentlich mehr Platz. Das Grundstück dafür hat die Familie gekauft. Eckhoffs war wichtig, dass die Mosterei gut aussieht. Deshalb haben sie sich letztlich für ein Steinhaus und gegen eine schnöde Lagerhalle entschieden. Das hat allerdings seinen Preis. Die Investitionskosten belaufen sich auf etwa 135.000 Euro.

Insgesamt stehen nun 200 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Es gibt einen modernen Mostraum, einen großen Lagerbereich, eine kleine Küche und auch sanitäre Anlagen für Mitarbeiter und Kunden. Herzstück ist die neue Siebbandpresse. „Mit der habe ich schon lange geliebäugelt“, verrät der Albringhausener. Die bisherige Arbeit mit der Wasserpresse war eine körperliche Herausforderung. Die Siebbandpresse erledigt das meiste von allein. Der Most fällt hinten einfach raus in einen fahrbaren Wagen – und muss nicht mehr hochgehievt werden. Wer übrigens Interesse am Trester hat, kann sich bei Eckhoffs melden. Die Masse dient Schafen, Kühen oder sonstige Tieren als Zufutter.

Die neue Mosterei der Familie Eckhoff in Albringhausen.

Mit der Frage, welche am Ende die richtige Maschine für ihn ist, hat sich Olaf Eckhoff lange beschäftigt. In Süddeutschland wurde er schließlich fündig. „Im Norden gibt es kaum Hersteller.“

Nun steht das gute Stück an seinem Platz, ausprobiert hat er die Presse allerdings noch nicht. Ein Wagnis? „Nein! Was soll sein? Die ist neu.“ Einen Testlauf startet Eckhoff am Wochenende. Und wenn was schief geht? „Wir vertrauen Olafs technischen Fähigkeiten“, ist Reena Eckhoff optimistisch.

Bis zum 18. August gibt es noch einiges zu tun. Aber zumindest Presse, Lagertanks, Pasteur und Abfüllanlage stehen. Das Gros ist erledigt. „Hat ja alles auch lange genug gedauert“, schmunzelt Reena Eckhoff. „Eigentlich wollten wir schon letztes Jahr fertig sein.“ Die Bauphase habe sich etwas verzögert.

2015 hat die Familie den Bauantrag gestellt, nachdem sie das Grundstück erworben hat. „2016 haben wir mit dem Bau begonnen.“ Am alten Standort war es zu eng geworden.

„Wir hätten uns nicht träumen lassen, dass unsere Idee so gut angenommen wird. Angefangen haben wir mit Glühweintöpfen in einer Garage“, erinnert sich Eckhoff. „Das war abenteuerlich, aber auch gemütlich.“

„Ich dachte, der spinnt“

Das Paar hat zu Beginn nur für den Eigenbedarf gemostet. Der Opa wohnte im Alten Land und schenkte immer Obst. Der Saft war ein Versuch. Das Experiment sprach sich herum. Als immer mehr Anfragen von Nachbarn und Freunden kamen, hatte Olaf Eckhoff die Idee, auch für andere zu mosten – und baute die Garage aus.

„Ich dachte, der spinnt“, erzählt Reena Eckhoff, ließ sich aber überreden. Sie verteilten Abrisszettel an der Bushaltestelle. „Ich kann mich noch an unsere erste Kundin erinnern – eine Frau aus dem Dorf. Sie hatte noch den Abrisszettel in der Hand.“ Es kamen immer mehr. Mittlerweile mosten Eckhoffs im zehnten Jahr.

Erster offizieller Mosttag am 21. August

Die Saison dauert etwa zwei Monate. In dieser Zeit muss die ganze Familie ran. Da passt es gut, dass Tochter Franja gerade Semesterferien hat. Die Familie rechnet mit einer super Ernte. „Die Bäume hängen voll.“

Der erste offizielle Mosttag ist übrigens der 21. August. Es werden schon Termine angenommen unter 04241/7662. Auf eine kleine Neuerung sollten sich Kunden einstellen: „Es ist sehr wahrscheinlich nicht mehr möglich, die kleinen Flaschen anzunehmen – die mit den kleinen Wasserverschlüssen.“ Das Wesentliche aber bleibt: Jeder bekommt den Saft des eigenen Obstes. Und wer kein Obst hat, kann Saft kaufen.

Wer sich die neue Mosterei ansehen möchte, sollte sich den 18. August notieren. Von 13 bis 17 Uhr lädt die Familie zu Führungen, Kaffee, Kuchen, Bratwürsten und Getränken ein – und hat viel Zeit für Gespräche.

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