Glosse: Aus dem Leben einer armen Sau

Volontärs-Tour: Nur fressen, scheißen und abferkeln

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Das Sauleben ist echt kein Vergnügen. Damit die Ferkel nicht plattgewalzt werden, muss die Sau in einem Ferkelschutzkorb hocken.

Bassum - Von Mara Schumacher. Das Landvolk Mittelweser hat die Volontäre (also die Auszubildenden zum Redakteur) der Mediengruppe Kreiszeitung eingeladen, den Schweinehof von Ulrike und Gerd Wohlers in Bassum-Hallstedt und den Milchviehhof von Henning Böse in Bassum-Bramstedt zu besichtigen. Diese Glosse erzählt den Bauernhof-Alltag aus Sicht einer Sau.

Leute, beschwert euch nicht über euren trostlosen Job-Alltag! Wollt ihr wissen, wie mein Alltag aussieht? Fressen, scheißen und Ferkel werfen! Und das drei bis fünf Jahre lang. Älter werde ich eh nicht, bevor es heißt: Todesfalle Wurst! Na, neidisch? Ich hab ja noch Glück, die Eber werden schon mit sechs bis sieben Monaten durch den Fleischwolf gedreht. Trotzdem bin ich eine arme Sau und dazu eine verdammte Gebärmaschine: Zwei– bis dreimal im Jahr werfe ich zahlreiche Ferkel. Ich bin fast dauerträchtig. Die kleinen Quälgeister hab ich angeblich drei Monate, drei Wochen und drei Tage im Bauch. Könnte eine Bauernregel sein. Draußen rumtoben darf ich nicht, da könnte ich mir was einfangen oder auf Wildschweine treffen (obwohl ich ja nix gegen Sauereien mit einem Keiler hätte).

Entweder hocke ich in einem mega engen Ferkelschutzkorb, damit ich meine Kinder nicht plattwalze oder ich muss mir läppische fünf bis sechs Quadratmeter mit drei anderen fetten Säuen teilen. So WG-mäßig. Ich hasse das, ständig latscht man in die Kacke von den anderen.

Damit wir zumindest ein wenig Action haben, sind Spielsachen in unseren Buchten. Gut, richtig spielen kannste mit einem festgeketteten Kunststoffrohr auch nicht, höchstens drauf rumkauen. Und wehe, ich werde krank! Dann muss ich entweder schnell wieder gesund werden oder sterben. Ein Sauleben besteht eben nur aus Nützen oder Sterben. Beschwert ihr euch immer noch über euren öden Menschen-Alltag? Ich hoffe nicht. Manchmal wäre ich gern ein süßer Hofhund und keine fette Sau mit einer Nummer im Ohr, die nur benutzt, aber nicht geliebt wird.

Volontäre der Mediengruppe Kreiszeitung auf Bauernhof-Besuch

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