Umzug nach Bramstedt

Global Player gibt Standort auf: Textil-Recylcer Soex  verkauft Gebäude  in  Bassum

Die Zentrale von Soex in Bassum: Das Gebäude soll verkauft und der Standort Bramstedt gestärkt werden.
+
Die Zentrale von Soex in Bassum: Das Gebäude soll verkauft und der Standort Bramstedt gestärkt werden.

Bassum – Soex ist ein Global Player: 1 350 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen, das Tochterfirmen in sechs Ländern hat und über ein weltweites Textilrecycling-Netzwerk verfügt. Dazu gehört auch Bassum – bisher als zentraler Verwaltungsstandort der Soex Collecting Germany. Aber diese Gesellschaft ist mittlerweile Teil der Soex-Textil-Vermarktungsgesellschaft mit Sitz in Ahrensburg.

Deshalb steht das Gebäude in Bassum zum Verkauf, Soex will den Standort aufgeben.

18 Mitarbeiter sind betroffen. Doch den Arbeitsplatz verliert keiner: Ihre Aufgaben werden an den zweiten regionalen Standort des Unternehmens verlagert, ins wenige Kilometer entfernte Bramstedt. „Wann wir das Bürogebäude in Bassum aufgeben, ist momentan unklar, da wir uns mit dem Verkauf Zeit lassen werden und in Ruhe ein passendes Angebot aussuchen“, so Martin Peters, Prokurist der Soex-Textil-Vermarktungsgesellschaft, auf Anfrage dieser Zeitung.

Die geplante Strukturveränderung fällt in eine Zeit, in der die Altkleiderbranche allgemein über große Probleme klagt – und das nicht erst seit gestern. Der Fachverband Textilrecycling meldete schon 2019: „Die Ex- und Hopp-Mentalität der Verbraucher sorgt zwar dafür, dass Altkleidercontainer in den letzten Jahren gut gefüllt sind. Leider sind jedoch billige Synthetik-Fasern und Mischstoffe zum dominierenden Bestandteil in den Produkten der Modeindustrie avanciert. Diese sind für die weitere Verwendung nur sehr eingeschränkt nutzbar. Sie eignen sich weder für den Second-Hand-Bereich noch für die Putzlappenherstellung oder die Faserrückgewinnung.“

Dass die Aussichten für ein auskömmliches Geschäft auch weiterhin düster sind, stellte Fachverbandsvorsitzender Stefan Voigt erst im Februar fest. In einigen großen Städten hätten kommunale Betriebe ihre Altkleider-Sammelcontainer schon abgezogen. Das sei aber auch keine Lösung, so der Fachverbandsvorsitzende.

Soex will sich nicht aus der Region zurückziehen. Der Standort in Bramstedt verfüge auch über einen Verwaltungstrakt, so Martin Peters. In diesem Anlieferungslager werden auch die Sammelcontainer gewartet. „Die Verwaltungsaktivitäten dort näher an die Ladetätigkeiten zu bringen, ist eine der wahrscheinlicheren Handlungsoptionen in unseren Überlegungen“, formuliert es der Prokurist vorsichtig.

Sind diese Veränderungen eine direkte Folge der problematischen Lage auf dem Altkleidermarkt? „Indirekt haben die Konzentrationen von Standorten immer mit der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu tun“, so Martin Peters. „Die Situation rund um Alttextilien ist unverändert nicht einfach, da dieser Markt nicht wie zum Beispiel Grüner Punkt oder Biomüll als bezahlpflichtige Entsorgungsdienstleistung aufgestellt ist, sondern die Wertstoffe von Verwertern wie der Soex angekauft werden müssen.“

Der Prokurist prognostiziert: „Erst 2025 mit Inkrafttreten der Getrennterfassung wird sich dies voraussichtlich gravierend ändern.“ Hintergrund ist das Ziel der Europäischen Union, ab 2025 in ganz Europa gebrauchte Kleidung und andere Textilien flächendeckend getrennt zu sammeln. Damit sollen sowohl die Wiederverwendung als auch ein hochwertiges Recycling erleichtert werden.

Ausgediente T-Shirts oder abgenutzte Handtücher aus Baumwolle – sie finden sich aktuell genauso im Altkleidercontainer wie Bekleidungsstücke aus Mischfasern oder reinem Polyester – letztere gelten sogar als Sondermüll, weil sie zu hundert Prozent aus Kunstfasern bestehen.

„Aus Sicht der Soex sind die verschiedenen Alttextilfraktionen natürlich kein Sondermüll, sondern eben Wertstoffe“, betont Martin Peters. Ihre Verwertung funktioniert so: „Als erster Schritt wird in unserem Werk Wolfen eine vollautomatisierte Materialerkennung auf Basis der Nahbereichs-Infrarot-Spektroskopie etabliert, um Stofffraktionen zu separieren und in entsprechende Nutzungsverfahren zu bringen.“

Dieses 1998 von Soex eröffnete Werk in Sachsen-Anhalt gilt als das größte Alttextilsortierwerk der Welt. „Auf einer Fläche von 13 Fußballfeldern sortieren rund 750 Mitarbeiter der Soex Processing Germany täglich bis zu 300 Tonnen Alttextilien und Schuhe. Aus dieser Sammelmenge entstehen rund 400 verschiedene Secondhand-Artikel, die in etwa 70 Ländern der Erde vermarktet werden“, erklärt die Unternehmensgruppe auf ihrer Internetseite.

Aus den untragbaren Alttextilien entstehen in Wolfen hochwertige Sekundärrohstoffe – beispielsweise für die Automobilzulieferindustrie. Gemeinsam mit Partnern sei Soex dabei, „zukunftsfähige Verfahren im Recycling zu identifizieren“, so formuliert es Martin Peters, „welche im Laborumfeld schon funktionieren“.

Die Technik hilft auch in anderer Hinsicht. Grundsätzlich kann aus Baumwoll-Alttextilien wieder Baumwolle gewonnen werden. Für das Recycling werden die Textilien nach Farbe sortiert, in kleine Fasern zerteilt und dann wieder zu neuem Garn versponnen.

Aber auch diese Naturfaser ist nicht der Weisheit letzter Schluss, wie Martin Peters betont: „Baumwolle ist mit einem enormen Bedarf an Fläche, Bewässerung und anderem mehr verbunden und in Summe nicht immer das umweltverträglichste Material, zumal weltweite Anbauflächen für Nahrungsmittel knapp werden und mit solchen Ertragspflanzen konkurrieren.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Meistgelesene Artikel

CDU verliert in Diepholz zweistellig

CDU verliert in Diepholz zweistellig

CDU verliert in Diepholz zweistellig
Bundestagswahl: Die CDU verliert in Bassum und in Twistringen

Bundestagswahl: Die CDU verliert in Bassum und in Twistringen

Bundestagswahl: Die CDU verliert in Bassum und in Twistringen
Ergebnis der zweiten Wahl-Runde: Samtgemeinde Barnstorf bekommt neuen Bürgermeister

Ergebnis der zweiten Wahl-Runde: Samtgemeinde Barnstorf bekommt neuen Bürgermeister

Ergebnis der zweiten Wahl-Runde: Samtgemeinde Barnstorf bekommt neuen Bürgermeister
Nicht grinsen am Scheiterhaufen

Nicht grinsen am Scheiterhaufen

Nicht grinsen am Scheiterhaufen

Kommentare