1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Bassum

Gleichstellung betrifft die gesamte Gesellschaft

Erstellt:

Von: Anika Seebacher

Kommentare

Der Gleichstellungsplan als Instrument der Personalplanung soll ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern im Unternehmen herstellen. Symbo
Der Gleichstellungsplan als Instrument der Personalplanung soll ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern im Unternehmen herstellen. Symbo © Rainer Jensen/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Stadt Bassum hat ihren Gleichstellungsplan fortgeschrieben. Damit haben die Verantwortlichen weiterhin einen Blick auf Unterrepräsentanzen, wenn es um Stellenbesetzungen geht. Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann sieht aber noch mehr Möglichkeiten.

Der aktualisierte Gleichstellungsplan macht es deutlich: In 28 von 30 Bereichen, unterteilt nach Gehaltsstufen, gibt es bei der Stadtverwaltung in Bassum Unterrepräsentanzen. Das bedeutet, dass weniger als 45 Prozent der Beschäftigten dabei dem jeweils unterrepräsentierten Geschlecht angehören. Besonders deutlich wird das im IT-Bereich sowie bei den Erziehern. Um die Ungleichheiten zu beseitigen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern, gibt es den Gleichstellungsplan. Der hat für die kommunale Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann aber noch mehr Potenzial, als bislang genutzt wird.

„Wir müssen die Situation genauer analysieren, und zum Beispiel auch die verschiedenen Berufe einer Entgeltgruppe in den Blick nehmen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Sie hat den dritten Gleichstellungsplan gemeinsam mit dem Personalamt des Rathauses erarbeitet und weiß, „wo noch Luft nach oben ist“. Auf mehr als 20 Seiten ist in dem Dokument nicht nur die aktuelle Beschäftigungsstruktur der mehr als 200 kommunalen Mitarbeiter einsehbar, sondern auch Strategien, wie man Unterrepräsentanzen künftig vermeiden will. „Wir können aber nur passgenaue Maßnahmen entwickeln, wenn alle Bereiche berücksichtigt werden“, erläutert Gaumann. Sie kritisiert, dass bei der Aktualisierung des Gleichstellungsplan die Fluktuation der Verwaltungsmitarbeiter nicht ausreichend bedacht wurde. So seien lediglich die Beschäftigten vermerkt, die innerhalb des Gültigkeitszeitraums von drei Jahren aus Altersgründen ausscheiden werden. Weitere Kündigungen, die es wie in jedem Unternehmen auch in der Verwaltung gebe, seien kaum in Form eines Schätzwertes inbegriffen.

Männer im Bauhof und in der IT - Frauen in Erziehung

Dass es Handlungsbedarf gibt, ist laut Gaumann vor allem bei den Leitungspositionen erkennbar. Bei der Datenerhebung zum Stichtag 30. Juni 2021 sei lediglich eine Führungskraft weiblich gewesen. Einen Männerüberschuss gebe es zudem im Bauhof sowie in der IT. Bei den Erziehungseinrichtungen hingegen seien die Frauen in der Überzahl: Von 85 Angestellten, darunter auch Teilzeitbeschäftigte, seien lediglich sieben Männer.

Ein zweites Ziel des Gleichstellungsplanes ist die Förderung der Vereinbarkeit von Berufs-, Familien- und Privatleben. Auch dazu gibt es in dem Instrument der Personalplanung entsprechende Maßnahmen. „Wir sollten fragen, was die Leute wollen“, so Gaumann. Sie bedauert, dass noch immer das klassische Bild vorherrsche, nach dem es häufig einen Haupterwerb sowie einen Zuverdiener gebe. „Dabei ist deutlich, dass viele Menschen sich ein anderes Arbeitsmodell wünschen“, weiß Gaumann und ergänzt: „Es gibt noch viel mehr Möglichkeiten als Teilzeit.“ So hätten auch Studien gezeigt, dass Männer in der Regel gern mehr Zeit mit der Familie verbringen möchten. Frauen hingegen wünschten sich weitere Möglichkeiten, ihre Karriere voranzutreiben.

Häufig scheitert es an Rahmenbedingungen

„Gleichstellung ist keine Frauenfrage, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, unterstreicht Gaumann. Allerdings würden die Rahmenbedingungen, wie etwa eine ausreichende Kinderbetreuung, häufig noch nicht stimmen, sagt sie und meint dabei nicht nur die Verwaltung. Vielfach würden Arbeitgeber nicht auf die Forderungen ihrer Angestellten eingehen und somit alte Strukturen aufrecht erhalten. „Leider fordern viele Arbeitnehmer aber auch gar nicht erst etwas ein, weil sie sich nicht trauen“, bedauert Gaumann. Um mehr und flexiblere Vorbild-Modelle für Familien zu schaffen, müssen ihrer Ansicht nach auch bestehende Rollenbilder zu Männern und Frauen, zu Vätern und Müttern, aber auch Normen zu Führungskompetenzen hinterfragt werden.

Zudem gebe es immer wieder Kritik an Stellenausschreibungen, in denen die Bewerbung eines Geschlechts ausdrücklich erwünscht sei, weiß die Gleichstellungsbeauftragte. Dies sei mit Blick auf das Prinzip der Bestenauslese vollkommen unbegründet, macht Gaumann deutlich: „Es wird immer zuerst nach den Qualifikationen geschaut und nicht nach dem Geschlecht.“

Jährliche Evaluation soll Anpassungen ermöglichen

Auch wenn aus Gaumanns Sicht in der Bassumer Verwaltung noch mehr in Sachen Gleichstellung und Personal getan werden kann, sieht sie eine durchaus positive Entwicklung im Verlauf der Berichtszeiträume. Seit dem ersten Gleichstellungsplan aus dem Jahr 2016 habe sich die Situation verbessert. „Ich hoffe, dass jetzt alle motiviert bleiben und sich weiter einsetzen“, wünscht sie sich die Unterstützung aller Fachbereiche. Dabei soll die jährliche Evaluation helfen. „Durch die kürzere Taktung bleibt das Thema präsenter“, so Gaumann. Denn die Ergebnisse sollen regelmäßig öffentlich besprochen und Maßnahmen bedarfsgerecht angepasst werden. „So können wir sehen, an welchen Stellen wir erfolgreich waren oder wo wir noch nachbessern müssen.“

Auch interessant

Kommentare