Waltraud Czaia sammelt seit Jahren

Pilze: Gift und Genuss liegen nahe beieinander

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Waltraud Czaia aus Hallstedt zeigt junge Hallimasche, die sie am Siebensternweg bei Freidorf gesammelt hat.

Hallstedt - Von Julia Kreykenbohm. Der ahnungslose Betrachter schaut in den Korb und sieht: Pilze. Kleine, große, braune, weiße. Waltraud Czaia schaut in den Korb und sieht: Judas-Ohren, Trichterlinge, Schwefelköpfe oder Hallimasche. Die 69-jährige Hallstedterin kennt sich aus und weiß, in Bassum können Pilzfreunde fündig werden – auch wenn die Zahl der Gewächse in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Wenn sie mit dem Rad unterwegs ist, hat sie meist einen Beutel und ein Messer dabei.

„Die Schwefelköpfe findet man jetzt in Massen“, sagt Czaia und zeigt die gelblichen Pilze. Doch der Genießer hat nichts davon, denn essbar sind sie nicht. Da sind die Hallimasche schon ganz anders. „Die Jungen sind oberlecker, aber roh gegessen giftig“, warnt Czaia. Der ganze Wald sei voll von ihnen.

Die Hallimasche können recht verschieden aussehen. Die Jungen erkenne man daran, dass ihre Kappe noch mit dem Ring verbunden sei. In Czaias Pilzkundebuch, das sie sich 1968 kaufte, wird er als „arger Waldverwüster“ bezeichnet, weil er als Schmarotzer den Bäumen Saft und Nahrung entzieht. „Aber in einer Rindfleischsuppe ist er besonders lecker.“ 

Doch woher kommt eigentlich der ungewöhnliche Name? Czaia schmunzelt. „Ich meine, mal gelesen zu haben, dass einige ihn nicht vertragen und dann heißt es: Heil im A... .“

Finger weg von Trichterlingen

An abgestorbenen Holunderästen finden die Sucher nun auch die sogenannten Judas-Ohren, die häufig in chinesischen Gerichten landen. „Die knupsen beim Essen“, beschreibt die pensionierte Lehrerin. Essbar ist auch der Schopf-Tintling, der zurzeit überall am Waldrand oder auf Wiesen zu entdecken ist. Allerdings sollte man nach dem Verzehr drei Tage keinen Alkohol trinken, da sich sonst Vergiftungserscheinungen zeigen könnten.

Ende Oktober sei auch die Zeit für Nebelgraue Trichterlinge, doch davon solle man besser die Finger lassen. „Die sind einfach eklig und schmecken wirklich schaurig.“ Lecker hingegen seien die Steinpilze. In einem geheimen Wald zwischen Bassum und Harpstedt hat  Czaia fünf Kilogramm von ihnen gefunden. „Man kann sie so essen, braten oder trocknen und sie in Soßen geben.“

Doch neben diesen eher harmlosen Pilzen finden sich in Bassum auch einige giftige, wie der Fliegenpilz oder der grüne Knollenblätterpilz. „Letzterer ist hochgiftig, den sollte man nicht mal anfassen. Denn schleckt man sich danach mal unbedacht die Finger ab, kann man schon etwas davon aufnehmen.“ Wer ihn verzehrt, hat nach etwa sechs Stunden mit den ersten Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Halluzinationen zu kämpfen und kann später an Leberversagen sterben.

Pilze kommen wieder in Mode, meint Czaia

Er wird häufig mit dem Wiesenchampignon verwechselt. Der Knollenblätterpilz hat unten eine deutlich abgesetzte Knolle. Er hat aber vor allem weiße Lamellen. Der Champignon hingegen hat immer rosafarbene und später bräunliche.

Pilze sammeln kommt langsam wieder in Mode, merkt Czaia. „In den 70er-Jahren wurde man dafür schief angeguckt.“ Sie selbst lernte die Grundbegriffe schon im Alter von zehn Jahren bei Pilzkursen mit ihren Eltern im Frankfurter Stadtwald. „Bis heute macht es mir Spaß, ich esse gern Pilze – und so bin ich dabei geblieben.“

Was rät sie angehenden Sammlern? „Nicht mit einem Buch zu starten, dazu ist der Anfang zu schwierig. Da gibt es zu viele Kleinigkeiten, die man sehen oder fühlen muss.“ Czaia greift sich einen Grauen Trichterling und zerreißt ihn. „Sie zerfasern dabei. Eine andere Art, die ihm sehr ähnlich ist, würde zerbröseln.“ Diese wichtigen Sachen solle man sich am Anfang von einem Experten zeigen lassen, bevor man mit einem Buch auf die Suche geht.

Wer einen Pilz entdeckt, sollte ihn nie senkrecht rausziehen, sondern nur drehen, damit der eigentliche Pilz unter der Erde nicht verletzt wird. „Bloß nicht in einen Plastikbeutel stecken, da schwitzen sie und werden schnell unansehnlich.“ Zuhause sollte der Pilz ins Kühlfach kommen und relativ schnell gegessen werden. 

Hat Czaia eigentlich nie selber daran gedacht, Pilz-Neulinge zu begleiten und zu unterrichten? Die 69-Jährige schüttelt den Kopf: „Dafür bin ich nicht gut genug. Da muss man noch viel mehr wissen.“ Für sie soll es Privatvergnügen bleiben, von dem Freunde profitieren, denen sie gern mal ein paar Pilze schenkt.

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