WiB lädt Interessierte, die Flüchtlinge unterstützen wollen, für Freitag ein

Gesucht: Begleiter durch den Alltag

Ulrich Tatje (l.) übergibt an die Teilnehmer des Kurses und die Leiterinnen Maria Babic (4.v.l.) und Dörte Binder (3.v.r.) die CD-Spieler. Foto: julia Kreykenbohm

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Der Mann wirkt befangen. Er mag Mitte 50 oder älter sein. „Ich heiße Mohammed. Ich komme aus Afghanistan.“ Er spricht mit leiser, unsicherer Stimme, kämpft tapfer um jeden Satz in einer Sprache, die ihm noch so fremd ist – die er aber unbedingt lernen möchte. Mohammed ist neu im Sprachlernkurs von Dörte Binder und Maria Babic, der sich jeden Dienstag und Donnerstag in der Grundschule Petermoor trifft.

Neben Mohammed ist nur noch ein Mann dabei. Alle übrigen Teilnehmer sind Frauen, die sich teilweise schon recht gut auf Deutsch verständigen können. Eine junge Dame aus Afghanistan ist hoch motiviert, denn sie weiß: „Ohne Deutsch geht es nicht. Ich würde gerne noch mehr Kurse besuchen, aber das ist schwierig wegen der Kinder.“ Bei der Betreuung ihrer drei Sprösslinge kann ihr Mann ihr nicht helfen, denn der hat zwei Jobs. Doch in dem Sprachkurs in der Grundschule fühlt sie sich gut aufgehoben: „Ich lerne hier besser als in anderen Deutschkursen, und bin sehr glücklich bei Frau Binder.“

Doch die Frauen lernen nicht nur im Kurs, sondern auch zu Hause mithilfe des Internets, von Büchern und durch Sprachlern-CDs. Damit sie diese abspielen können, benötigen sie Geräte. Deswegen sitzt an diesem Tag Ulrich Tatje von der Initiative „Willkommen in Bassum“ mit am Tisch. Im Gepäck hat er zehn CD-Spieler, die er dem Kurs übergeben möchte. „Das machen wir schon zum dritten Mal“, erklärt er.

Die weiteren Teilnehmer stellen sich vor. Sie kommen aus Syrien, Gambia und dem Irak. Tatje hört zu, stellt Fragen zu ihrer aktuellen Situation. Madina und ihre Familie suchen beispielsweise gerade eine größere Wohnung. Bei solch einem Vorhaben wäre ein ehrenamtlicher Begleiter eine große Hilfe, glaubt Tatje. „Jemand, der die Familie bei der Wohnungssuche unterstützt und für Fragen bereitsteht.“

Begleiter für Geflüchtete sind generell gerade ein wichtiges Thema bei WiB. Es werden händeringend Menschen gesucht, die einfach mal bei ihnen vorbeischauen und ein bisschen schnacken. Auf diese Weise können die Geflüchteten die deutsche Sprache und Gebräuche auch außerhalb des Kurses üben und kennenlernen. Besonders für die Frauen, die meist wegen der Kinder keine Kurse besuchen können, wäre das eine große Hilfe.

Aber auch im Alltag können die Begleiter unterstützen, wenn sie mit den Geflüchteten beispielsweise zum Einkaufen, Arzt oder zu einer Behörde gehen. „Besonders bei der Jobsuche brauchen die Menschen Hilfe. Wenn das Arbeitsamt Formulare schickt, wissen viele oft nicht, was von ihnen erwartet wird“, so Tatje. „Aber auch die Freizeitgestaltung ist ein wichtiger Aspekt. Wenn der Begleiter seinen Klienten fragt: ,Was macht dir Spaß?’ und dann mit ihm zu einem Sportverein oder zur Feuerwehr geht, um ihn vorzustellen, hilft das sehr.“

Als 2015 viele Flüchtlinge nach Bassum kamen, hätten sich mehrere Begleiter gefunden, so Tatje. Für die habe man regelmäßig Treffen organisiert, damit sie sich austauschen konnten. Zudem gab es Cafés, in denen Einheimische und Flüchtlinge miteinander ins Gespräch kamen. Beides ist wieder eingeschlafen.

Es kommen nur noch wenige Flüchtlinge nach Bassum, und die Begleiter hätten den ständigen Austausch nicht mehr gebraucht.

Doch da der Bedarf an Flüchtlingsbegleitern nach wie vor hoch ist, möchte die WiB auf Initiative von Hartwig Hornbostel diese Treffen wieder aufleben lassen. „Sie könnten dann regelmäßig stattfinden“, so Tatje. Dadurch sollen auch neue Ehrenamtliche für diese Aufgabe gewonnen werden.

Für alle, die sich vorstellen könnten, eine Familie oder auch Einzelpersonen zu unterstützen, lädt WiB für Freitag, 15. November, ab 18 Uhr ins Mütter-Kinder-Zentrum ein. Interessierte sind genauso willkommen wie alte Hasen. „Die Neuen können dann gleich von dem Wissen der Erfahrenen profitieren und Fragen stellen“, stellt sich Tatje vor.

Doch nicht nur Begleiter werden gesucht. Der Sprachkurs für Frauen, der im Gemeindehaus der evangelischen Kirche stattgefunden hat, bot nebenbei eine Betreuung für die Kinder der Frauen an. So hatten diese die Möglichkeit, in Ruhe zu lernen (wir berichteten). Eigentlich sollte im Anschluss gleich der nächste Kurs aufgelegt werden. Doch es haben sich nicht genug Leute gefunden, die die Kinderbetreuung übernehmen. „Vielleicht klappt es im nächsten Jahr, wenn sich ein paar Ehrenamtliche melden“, sagt Britt Merdon vom Familien- und Kinderservicebüro.

Mit vielen Helfern ist vieles möglich, das wissen auch die Mitglieder von WiB, die nebenbei auch immer noch die Fahrradwerkstatt betreuen. Das Angebot wird nach wie vor gut angenommen. Sie können sich vorstellen, im kommenden Jahr wieder Ausflüge mit Geflüchteten zu machen oder auch mal ein Fest zu organisieren.

„Vieles läuft, ohne das wir uns einmischen, aber es ist auch noch viel zu tun“, fasst Heike Christian von WiB zusammen und schmunzelt: „Deswegen sind wir ja auch noch zusammen.“

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