Acht Jahrhunderte Müllerei

Nun als Buch: Geschichte und Zukunft der Wassermühle Neubruchhausen

Präsentieren das Buch zur Wassermühle: Die Autoren Holger Rullhusen (vorne) und Florian Butt mit Vereinsschriftführer Raimund Schrader (hinten).
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Präsentieren das Buch zur Wassermühle: Die Autoren Holger Rullhusen (vorne) und Florian Butt mit Vereinsschriftführer Raimund Schrader (hinten).

Zusammen mit Co-Autor Florian Butt hat Holger Rullhusen die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Wassermühle in Bassum-Neubruchhausen in Buch-Form zusammengefasst.

Neubruchhausen – Gewisse Mühlen mahlen langsam, sagt das Sprichwort. Zwar hat die Wassermühle in Neubruchhausen schon lange kein Korn mehr verarbeitet. Aber das könnte sich schon bald ändern. Überhaupt hat sich vieles getan am Neubruchhauser Wahrzeichen – innerhalb weniger Jahre.

Diese Veränderungen dokumentiert das gerade erschienene Buch „Die Wassermühle in Neubruchhausen“ von Holger Rullhusen und Florian Butt. Der Untertitel „Früher, heute und morgen“ deutet es an: Auf gut hundert Seiten beschreiben sie einerseits, was sich getan hat, seit Rullhusen das Areal übernommen und der neu gegründete Mühlenverein mit der Restaurierung begonnen hat. Das war 2015.

Andererseits widmet sich Holger Rullhusen, der den größeren Teil des Buches geschrieben hat, ausführlich der Vorgeschichte. Die verfolgt er bis ins 13. Jahrhundert zurück. Rullhusen ist geschäftsführender Gesellschafter bei einem Syker Unternehmen und seit 2011 Neu-Neubruchhauser. Fast ebenso lange beschäftigt er sich mit der Geschichte des Ortes. „Das fasziniert mich“, sagt er.

Diese Begeisterung hat ihn in den Heimatverein geführt, die Lektüre eines Buches über die Geschichte der Hache zum Kauf des Wassermühlen-Ensembles. Der erste Lockdown war dann im vergangenen Jahr der Auslöser dafür, dass er begonnen hat, Geschichte und Gegenwart der Wassermühle niederzuschreiben.

Mit seinen Recherchen hatte er schon früher begonnen. Dazu zählt ein – erster – Besuch im Landesarchiv Hannover. Anhand dort gelagerter Dokumente konnte Rullhusen beispielsweise den Verkauf der Mühle aus königlich-hannoverschem Besitz zur Mitte des 19. Jahrhunderts rekonstruieren. „Heute nennt sich das Privatisierung“, fasst Rullhusen diese Ereignisse zusammen.

Im Gespräch berichtet Holger Rullhusen von „sehr, sehr detailierten Beschreibungen“, die er im Archiv gefunden hat: „Jede Schraube“ sei aufgeführt gewesen. Das Problem: Die Dokumente sind in Kurrentschrift verfasst. Diese Schreibschrift (von der Sütterlin eine vereinfachte Variante ist) zu entziffern, hat Rullhusen sich selbst beigebracht, erzählt er.

Auch genealogische Verzeichnisse (also Familienstammbäume), Kirchenbücher und ein zweiter Besuch im Landesarchiv sind in das Mühlenbuch eingegangen. „Alles zusammen hat die Geschichte der Mühle ergeben“, und zu der, ergänzt Rullhusen, „gibt es viel zu erzählen“.

Dies und viel mehr erzählt der Band „Die Wassermühle in Neubruchhausen“, in Text-Form und anhand zahlreicher Abbildungen und Fotos. Die sind zum Teil historisch, zum Teil im Zuge der Recherchen entstanden. So hat der Illustrator Michael Schulz die detaillierten Archiv-Beschreibungen zu einer Zeichnung verarbeitet, die den Mühlenhof zur Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt.

Der Mühlenbautechniker und gelernte Kartograf Rüdiger Hagen hat Skizzen beigesteuert. Sie zeigen den Zustand der Mühle um 1800 und um 1930 – und die Arbeitsschritte, die das Getreide am Mühlenteich bald wieder nehmen soll.

Denn für die Vereinsmitglieder ist der Wiederaufbau mit der Sanierung der Gebäude nicht abgeschlossen. Sie wollen, dass dort zu Schauzwecken wieder Getreide verarbeitet wird. Als Ziel schwebt ihnen ein Zustand vor, wie er in den Dreißigerjahren üblich war, einer Zeit als die Wassermühle schon eine Motormühle war.

Ein historischer Diesel-Motor als Kernstück steht dafür betriebsbereit im Maschinenhaus, zusammen mit einem Drehstrom-Aggregat als Alternativ-Antrieb. Die Motoren und den Weg, den das Getreide bald wieder durch die Mühle nehmen soll, beschreibt Florian Butt im Buch mit zwei Beiträgen. Butt, ebenfalls Mitglied im Wassermühlenverein, bringt dort wie nun auch im Buch seine Expertise als gelernter Müller mit 15-jähriger Berufserfahrung ein.

Die von Butt beschriebene und von Rüdiger Hagen skizzierte Anlage – sie soll in absehbarer Zeit in Neubruchhausen wieder Getreide zu Schrot und Mehl verarbeiten. Einen Auftrag an die auf historischen Mühlenbau spezialisierte Firma Pätzmann aus Winsen-Luhe hat der Verein Wassermühle bereits erteilt.

Und wann ist mit der Aufnahme des Betriebs zu rechnen? „Wir wären heilfroh, wenn es Ende 2022 klappt“, sagt Holger Rollhusen – auch wenn die Mühlenbauer sogar einen früheren Termin in Aussicht gestellt haben.

Aber auch dann werden die Arbeiten nicht abschlossen sein. Denn: „Eine Mühle ist ja nie fertig“, erklärt Müller Florian Butt, allein schon wegen der Verschleißteile.

Finanziell könnte das Mühlenbuch den Verein bei seinen Vorhaben unterstützen. Nach Abzug der Kosten sollen alle Einnahmen dem Verein zugute kommen.

Das Buch zur Mühle

Erhältlich zum Preis von 17,30 Euro über die Vereinsmitglieder Raimund Schrader (0173 / 2380151) und Maik Dannemann (0160 /1000030). Ein Verkauf im örtlichen Handel soll folgen. www.wassermuehle-neubruchhausen.de

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